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Do, 29. Juli 2021, 8:18 Uhr

OTS: Börsen-Zeitung / Grüne Disziplinierung, Marktkommentar von Kai Johannsen


18.06.21 20:17
dpa-AFX

Grüne Disziplinierung, Marktkommentar von Kai Johannsen


Frankfurt (ots) - Den Zentralbanken kommt im Kampf gegen Klimawandel,


Umweltverschmutzung und Nachhaltigkeitsaspekte eine eigene Rolle zu.

Das sehen


nicht nur Marktakteure so, auch die Notenbanken selbst thematisieren, inwieweit


die Geldpolitik um ein grünes und nachhaltiges Element ergänzt werden muss,


damit man der eigenen Rolle gerecht wird und als komplementäres Element zu


Regierungen, Regulierern etc. bei der Erreichung von grünen und nachhaltigen


Zielen unterstützend wirkt. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat etwa kürzlich


eine grüne Ausrichtung bei Bondkäufen ins Spiel gebracht. Einen Schritt weiter


sind ihre Kollegen von der Riksbank. Anna Breman, stellvertretende Chefin der


schwedischen Zentralbank, legte un­längst im Interview mit dieser Zeitung dar,


wie weit dieses Unterfangen dort bereits ist.



Die Riksbank setzt am eigenen CO2-Fußabdruck an. "Das be­trifft unsere eigene


Zentralbankbilanz und damit unser eigenes Risikomanagement. Wir haben sehr viele


Assets gekauft, und wir bekommen Sicherheiten ge­stellt, wenn wir Geld an eine


Bank verleihen. Wir analysieren dann, was wir an Assets haben und welche eigenen


Klimarisiken wir damit auf unserer Bilanz haben", sagt Breman. Sie gibt ein


Beispiel. Im vorigen Jahr hat die Riksbank im Rahmen der Krisenbekämpfung und


damit im Bereich des Quantitative Easing angefangen, Unternehmensanleihen zu


kaufen. Man habe die Entscheidung getroffen, die mit diesen Anleiheassets


verbundenen CO2-Emissionen zu messen und auf der Website zu veröffentlichen. Man


habe zudem negative ESG-Screenings eingeführt. "Das hat natürlich nicht nur


etwas mit Klimaaspekten zu tun, sondern hat einen breiteren Fokus und geht in


Richtung von Sustainability. Bei diesen Screenings gehen wir viel weiter und


sehen uns an, welche negativen Implikationen dort bei Unternehmensanleihekäufen


be­stehen, die wir durchgeführt haben. Diese Aspekte finden via Risikomanagement


dann auch Niederschlag in der Zentralbankpolitik der Riksbank."



Die Geldpolitik um ein grünes und nachhaltiges Element zu ergänzen, wird kein


temporäres Phänomen sein. Der Kampf gegen Klimawandel, Umweltverschmutzung und


das Bemühen, sich für eine grüne nachhaltige Welt einzusetzen und entsprechend


zu agieren, ist Pflichtprogramm für die Gesellschaft und wird diese dauerhaft


prägen. Deshalb wird auch das entsprechende Agieren der Notenbanken dauerhaft,


um ihrer Rolle auf lange Sicht nachzukommen. Und das wird nicht ohne Einfluss


auf die Märkte für grüne und nachhaltige Anleihen bleiben. Wenn eine Zentralbank


bei der Stellung von Sicherheiten in Form von Anleihen und anderen Zinspapieren


und beim Ankauf im Rahmen des QE darauf achtet, welche Klimarisikopositionen sie


damit hat, findet das, wie Breman aufzeigt, Niederschlag im Risikomanagement.


Entscheidet sich eine Zentralbank dann, ihre eigene CO2-Risikoposition zu


minimieren, um ihr eigenes CO2-Ziel zu erreichen, bedeutet dies, dass sie


bestimmte Anleihen, mit denen sie sich zu hohe Risiken in grüner oder


nachhaltiger Hinsicht auf die eigene Bilanz lädt, zum Beispiel nicht mehr als


Collateral akzeptiert bzw. mit einem sehr viel höheren Bewertungsabschlag


versieht, oder eben bestimmte Zinspapiere nicht mehr im Rahmen des QE erwirbt.



Die Marktwirkung, die dann ceteris paribus bei diesen Anleihen eintritt, ist,


dass die Renditen steigen bzw. sich die Spreads ausweiten. Das bedeutet im


Umkehrschluss, dass sich der Emittent mit höheren Refinanzierungskosten


konfrontiert sieht. Das mag der eine oder andere Emittent in der Anfangsphase


vielleicht noch akzeptieren. Steigen die Renditen im Vergleich zu den Peers zu


weit oder weiten sich die Spreads der Bonds, die nicht mehr als Collateral


akzeptiert werden, zu stark aus, wird der Emittent sich auf sehr wohl überlegen,


wie er reagiert. Das ist eine einfache Rechenaufgabe. Was kostet den Emittenten


mehr? Höhere Renditen bzw. ausgeweitete Spreads in der Refinanzierung oder in


eine grüne und nachhaltige Ausrichtung der eigenen Institution zu investieren?



In diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass auch noch von anderer


Seite eine Wirkung eintritt: Grüne und nachhaltige Anleihen sind am Markt


stärker gefragt als ihre nichtgrünen oder nichtnachhaltigen Pendants. Dieser


Prozess zu immer tieferen grünen Renditen lässt die nichtgrünen immer nur noch


schlechter dastehen. Das setzt sich die nächsten Jahre auf dem Weg zu einer


grünen (Finanzmarkt-)Welt fort. Wenn die Notenbanken in dieser Hinsicht lenkend


eingreifen, entsteht eine disziplinierende Wirkung: eine grüne Disziplinierung.



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