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Do, 7. Juli 2022, 16:37 Uhr

So tickt die Börse: Zinssorgen und Pessimisten


18.01.22 09:09
Stephan Heibel

So tickt
        die Börse Zinssorgen und Pessimisten




Liebe Börsenfreunde,

Die Wochenänderung in den Indizes gibt nicht wieder, wie turbulent die vergangene Woche war. Und selbst die einzelnen Tage decken nicht auf, wie turbulent es zwischen unterschiedlichen Branchen zugeht. Ich zeige auf, was die Anleger derzeit bewegt.

Die Stimmung ist eingebrochen, auch die Zukunftserwartung befindet sich auf dem Rückzug. Bereits Anfang Januar formulierte ich meine Sorge über diese Entwicklung, das hat sich nun nur noch verstärkt. Meine Interpretation der heutigen Sentimentumfrage lesen Sie weiter unten.


Zinssorgen versus Konjunkturoptimismus

Von den vier großen Themen für das Jahr 2022 befindet sich derzeit lediglich eines NICHT täglich in den Schlagzeilen: Die Beziehung zwischen China und den USA.

Der russische Aufmarsch an der Grenze zur Ukraine führte letzte Woche zu einem Krisengipfel, auf dem beide Seiten (Gegenspieler Russlands ist die USA, nicht etwa Europa, auf dessen Territorium sich das Ganze abspielt) ihre verhärteten Positionen klar gemacht haben. Besorgniserregend.

Die Omikron-Mutation rauscht durch die Gesellschaft, ob geimpft oder nicht. Die Stimmungslage der Anleger pendelt im Stundentakt zwischen der Angst vor der Infektionswelle und der Hoffnung auf eine Degradierung Coronas auf das Niveau einer schweren Grippe.

An der Zinsfront baut sich langsam Unverständnis hinsichtlich der Passivität der EZB, namentlich Christine Lagarde auf. Der seit dieser Woche ehemalige Vorstand der Bundesbank, Jens Weidmann, warnt die EZB eindringlich vor der Abhängigkeit einiger EU-Staaten vom billigen Geld der EZB. Sein Nachfolger, Joachim Nagel, ruft die EZB zu Wachsamkeit vor Inflation auf.

In den USA sorgte Fed-Chef Jay Powell für eine Beruhigung. Er betonte Anfang letzter Woche, dass die Fed datenbezogen ihre Entscheidungen stets überdenken werde. "Datenbezogen" ist das Zauberwort: Bei seinem Amtsantritt vor fünf Jahren hatte er dogmatisch eine Reihe von Zinsanhebungen ausgerufen. Damit wollte er die ultralockere Geldpolitik auf ein normales Niveau zurückholen. Doch seine Ankündigung sorgte für so viel Angst, dass die Börsen einbrachen, Investitionen zurückgehalten wurden und die Konjunktur Schaden nahm. Er konnte die beabsichtigen Zinsanhebungen daher nicht durchführen.

Dieses Mal geht er behutsamer vor: Natürlich müsse die ultralockere Geldpolitik auf ein normales Maß zurückgeführt werden, doch über eine etwaige Zinsanhebung entscheide man stets erst zu gegebener Zeit auf Basis der dann aktuellen Datenlage über die Konjunkturentwicklung.

Was uns Laien als selbstverständlich erscheint, ist jedoch in der ideologiegetriebenen Geldpolitik alles andere als normal. Die Notenbank befindet sich stets im Kreuz verschiedenster Interessen und neigt häufig dazu, die Gemüter mit dogmatischen Aussagen beruhigen zu wollen: "forward guidance" wurde das in den vergangenen Jahren genannt. Damit ist in den USA nun Schluss, und die Finanzmärkte begrüßen dies zum derzeitigen Zeitpunkt.

Am Montag war die Rendite der 10 Jahre laufenden US-Anleihen über 1,8% gesprungen, das höchste Niveau seit der Corona-Pandemie. Wenn alles glatt läuft, könnte sich diese Rendite im weiteren Jahresverlauf über 2% bewegen, das wäre kein Problem für die Konjunktur. Doch es geht um die Geschwindigkeit: Unternehmen benötigen Zeit, sich auf ein höheres Zinsniveau vorzubereiten. Und seit Nikolaus war die US-Rendite von 1,35% auf 1,8% angesprungen: Viel zu schnell!

US-Rendite
Abbildung 1: Rendite der 10 Jahre laufenden US-Staatsanleihe / Quelle: Comdirect.de

Entsprechend brachen die Aktienmärkte letzten Montag ein, der DAX gab zwischenzeitlich 1,3% ab. Es folgten jedoch die besonnenen Worte von Jay Powell, die für einen Rückgang der US-Rendite auf 1,71% sorgten. So konnten sich die Aktienmärkte am Dienstag dann deutlich erholen.

Am letzten Donnerstag folgte dann etwas Erstaunliches: Die Mega-Cap-Unternehmen gerieten unter die Räder. Mega-Cap sind Unternehmen mit einer Mega-Marktkapitalisierung. Also Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon, die jeweils über 1 Billionen US-Dollar wert sind. Schauen Sie sich mal das folgende Bild an: Jedes Kästchen zeigt die relative Größe des jeweiligen Unternehmens an. Je größer das Kästchen, desto größer die Marktkapitalisierung.

Heatmap-SnP
Abbildung 2: Heatmap des S&P vom 13.1.22 / Quelle: finviz.com

Je größer das Kästchen, desto roter die Farbe. Gerade die großen Unternehmen wurden gestern ausverkauft. Bei den kleinen Unternehmen sehen wir viele grüne Kästchen. Es ist, als wäre Anlegern plötzlich wie Schuppen von den Augen gefallen, dass die Gewinner der vergangenen zwei Jahre nicht ewig weiterwachsen können.

Allein Apple ist inzwischen mehr wert (2,5 Bio. Euro) als alle DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen zusammen (2,4 Bio. Euro). Kann ein Unternehmen mehr wert sein als die gesamte deutsche Börsenlandschaft? Die überraschende Antwort lautet: Durchaus, denn die hohe Bewertung Apples ist durch Wachstum und Gewinn gerechtfertigt. Dennoch fällt es schwer, solche Zahlen zu akzeptieren.


Die Details, was sich letzte Woche abgespielt hat, finden Sie im vollständigen Kapitel 02 siehe unten (frei zugänglich).


Anleger-Sentiment: Pessimisten gewinnen die Oberhand

Vor einer Woche schrieb ich, dass mir die rückläufige Erwartungshaltung der Anleger Sorge bereitet. Daran hat sich nichts geändert und im Technologie- und Gesundheitssektor sehen wir die roten Vorzeichen dieser Woche. Auch wenn die Stimmung inzwischen ebenfalls deutlich ins Minus gedreht ist, reicht dies noch nicht für einen Boden, bzw. ein Ende der holprigen Börsenphase aus.


Wenn wir berücksichtigen, dass seit dem Corona-Crash sehr viele neue, unerfahrene Aktionäre über Trade Republic, in den USA über Robinhood, an die Börse gekommen sind, können wir uns darauf einstellen, dass diese jungen Anleger das zweite Szenario, das ebenfalls nicht selten ist, noch nie erlebten. Die Frage ist daher nicht ob, sondern wann wir mal wieder einen Ausverkauf erleben, der in Panik mündet.


Am Ölmarkt ist eine divergierende Entwicklung zu beobachten: Der Ölpreis ist über 80 USD/Fass gesprungen, die Stimmung notiert im Bereich der Euphorie. Anleger freuen sich über das hohe Niveau am Ölmarkt. Doch die Zukunftserwartung ist gesunken, der Wert notiert nahe der Nulllinie. Weitere Kursgewinne für das Öl werden also nicht erwartet. Damit ist nun zu befürchten, dass die Ölrallye kurzfristig keinen weiteren Zündstoff erhält und ausläuft.

Beim Bitcoin steigt die Zukunftserwartung hingegen stark an, die Stimmung war nun viele Wochen in Folge am Boden. Ich werte dies als Zeichen dafür, dass das aktuelle Kursniveau im Bitcoin, aktuell knapp über 42.000 USD, vielen Anlegern bereits günstig genug für Käufe erscheint.


Die Details zu unserer Sentimentauswertung und meiner Interpretation finden Sie in Kapitel 03 unserer aktuellen Heibel-Ticker Ausgabe (ebenfalls frei zugänglich).


Weiter zur aktuellen Ausgabe 22/2 mit Kapitel 02 und 03: https://www.heibel-ticker.de/heibel_tickers/1941








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