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Sa, 24. Februar 2024, 8:39 Uhr

Batteriemetalle unter Druck: Überangebot bis 2028?


08.11.23 18:39
Miningscout.de

Die Preise für Batteriemetalle stehen nach den Höhenflügen des vergangenen Jahres unter Druck. Lithium ist seit dem Jahreswechsel um 70 % billiger geworden, der Preis für Nickel um rund 40 % gesunken. Auch Kobalt kostet weniger als zu Beginn des Jahres. Im Vergleich dazu hat der Bloomberg Commodity Index lediglich um wenige Prozentpunkte nachgegeben.


 



Die Preise der drei Batteriemetalle leiden unter dem langsamen Wachstum im Markt für Elektrofahrzeuge auf der Nachfrageseite. Gleichzeitig kommt aus China, Indonesien und der DR Kongo größeres Angebot auf den Markt.


"Preise waren zu hoch, um nachhaltig zu sein"


Colin Hamilton, Leiter des Rohstoffresearchs bei BMO Capital Markets jedenfalls geht davon aus, dass es derzeit "auf jeden Fall genug Angebot" auf dem Markt gibt. Die Preise seien zu hoch gewesen, um nachhaltig zu sein.


Und hier liegt möglicherweise das Problem: In den Preisen von 2022 war ein enormes Wachstum des EV-Marktes eingepreist. Tatsächlich wächst dieser Markt aber langsamer als erhofft. Höhere Zinsen, schleppende Konjunktur und viele Unsicherheiten dämpfen die Nachfrage.


Die Analysten Daniel Hynes und Soni Kumari von der ANZ Group verweisen in einem Bericht auf den enormen Ausbau der chinesischen Batteriekapazität – angetrieben durch staatliche Maßnahmen. Das Angebot in der Volksrepublik übersteige die Nachfrage im Faktor 2:1. Viele Batteriehersteller hätten deshalb die Produktion reduziert und Lagerbestände abgebaut. Kurzfristig würden deshalb die Preise für Lithium, Nickel und Kobalt im Keller bleiben.


Das glaubt auch Li Jiahui, Analyst beim Handelsunternehmen Xiamen Xiangyu New Energy. So seien die Lithium Preise 2024 und 2025 weiterhin einem Abwärtsdruck ausgesetzt, da neue Angebotsquellen die Nachfrage mehr als deckten.


Für jedes der drei Metalle lassen sich in der jüngeren Vergangenheit einige signifikante Änderungen auf der Angebotsseite erkennen. So hat China den Abbau minderwertigen Lithiums drastisch ausgeweitet. Die Volksrepublik finanziert zudem Nickelprojekte in Indonesien, die den Markt mit kostengünstiger Ware regelrecht überschwemmen. In den Nickelprojekten in Indonesien – und in Kupferminen der DR Kongo – wird zudem mehr Kobalt als Nebenprodukt gefördert.


Überangebot bei Lithium bis 2028


Der Branchendienst Benchmark Mineral Intelligence rechnet für die kommenden drei Jahre mit einem Überangebot bei allen drei Batteriemetallen. Die Nickel- und Lithiummärkte werden demnach erst 2027 bzw. 2028 ein Defizit aufweisen, während die Nachfrage nach Kobalt ab 2026 das Angebot übersteigen werde.


Vieles spricht allerdings gegen einen freien Fall – nicht zuletzt die Konzentration der Marktmacht in den Händen einzelner Regierungen. Indonesien reproduziert mehr als die Hälfte des weltweiten Nickels und könnte in den Markt intervenieren, um die Preise zu stützen. China hat bereits angekündigt, die strategischen Kobaltvorräte aufzustocken.


Dennoch: Die ersten Pläne für neue Minen und Raffinerien werden verschoben. Der weltweit größte Lithiumproduzent Albemarle ließ in einer Analystenkonferenz zuletzt durchblicken, dass das aktuelle Preisniveau viele Projekte am oberen Ende der Kostenkurve bedrohe.


Sue Shaw, Leiterin Energiewende und Batterierohstoffe bei Wood Mackenzie, glaubt an weiterhin volatile Preise für Batterierohstoffe. Zukünftige Zyklen dürften jedoch im Einklang mit der zunehmenden Reife des Marktes nachhaltiger werden.


Elektroautos verkaufen sich schlechter als gedacht

Entscheidend für die weitere Preisentwicklung dürfte auch das Wachstum bei Elektrofahrzeugen sein. Hier gab es zuletzt eine ganze Reihe von Nachrichten, die auf eine Abkühlung des Marktes hindeuten. VW etwa hat den Bau einer Gigafabrik in Tschechien aufgrund der aktuellen Marktsituation auf Eis gelegt.


In Deutschland ist die Zahl der E-Auto-Neuzulassungen im September um 35 % eingebrochen. Rein batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge wurden 29 % weniger verkauft, Plug-In-Hybride 46 % weniger.


Auch in anderen Ländern läuft der Markt nicht so dynamisch wie erwartet. Ford etwa musste im dritten Quartal einen Verlust von 1,3 Milliarden USD vermelden, was nicht zuletzt auf hohe Verluste im Geschäft mit E-Autos zurückzuführen war.


General Motors hat sich von dem Ziel, bis Mitte 2024 400.000 Elektroautos zu bauen, verabschiedet. Außerdem wurde der Start von zwei Elektrotrucks aufgrund hoher drohender Verluste verschoben.


Bei Mercedes-Händlern in den USA wachsen offenbar die Lagerbestände. Tesla meldete für das dritte Quartal einen Gewinnrückgang um 42 % und einen Rückgang der Umsatzrendite auf nur 7,6 %. Dies ist der Preis für Rabattaktionen. Der Autovermieter Hertz tritt bei der Erweiterung der Autoflotte auf die Bremse.


Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Markt für Elektrofahrzeuge seinen Zenit überschritten hätte. Im Gegenteil: In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres wurden weltweit rund 6,15 Millionen vollelektrische Fahrzeuge neu zugelassen – ein Plus von 38,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In Deutschland wuchs der Markt um 42 % (387.000 Fahrzeuge).


Ein Problem ist offenbar, dass es zu wenige preisgünstige Modelle im Massensegment und zu viele große Modelle im Hochmargensegment gibt.


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