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Do, 7. Juli 2022, 15:47 Uhr

Bärenmarktrallye hat noch Potential


17.03.22 09:46
Stephan Heibel

Bärenmarktrallye hat noch Potential




Sie lesen nachfolgend Auszüge unserer Stimmungsanalyse des Investorensentiments sowie unseren Börsenausblick. Das nächste Update kommt morgen / übermorgen wie jedes Wochenende im Heibel-Ticker.


Die Sentimentanalyse gibt einen guten Hinweis: Vor zwei Wochen herrschte Panik und das Kind wurde mit dem Bade ausgekippt. Die Erholungsrallye letzte Woche ist daher aus der Sicht der Sentimentanalyse erwartbar gewesen. Doch wie darf das Sentiment in Kriegszeiten interpretiert werden? Im Ausblick leite ich daher ab, wie ich mich mit unserem Heibel-Ticker Portfolio in den kommenden Wochen verhalten werde.


Sentiment: Erholung hat noch Luft nach oben

Die Gegenbewegung an den Aktienmärkten, die wir in der vergangenen Woche beobachten konnten, könnte noch ein wenig weiterlaufen. Jeder Crash, jeder Bärenmarkt endet mit einer Gegenbewegung. Häufig kann man erst im Verlauf der Gegenbewegung beurteilen, ob es sich nur um eine zwischenzeitliche Erholung vor dem nächsten Kursrutsch handelt, oder aber um die Kehrtwende.

Auffällig ist die nachhaltig niedergeschlagene Stimmung unter den Anlegern. Der 5-Wochendurchschnitt des Anlegersentiments notiert auf dem niedrigsten Wert seit dem Corona-Crash. Insgesamt nur dreimal war dieser Indikator seit 2014 noch negativer. Jeweils folgte eine Kursrallye.

Die große Niedergeschlagenheit bei den Anlegern, die auf Panik zurückzuführen ist, führte in der Vergangenheit überwiegend zu großen Kursgewinnen in den folgenden 6 Monaten. Durchschnittlich konnte der DAX in den folgenden 6 Monaten um 8% zulegen.

Auch die Differenz zwischen Stimmung und Zukunftserwartung deutet auf eine positive Aktienmarktentwicklung: Seit 2006 gab es 18 Ereignisse, die eine vergleichbare Niedergeschlagenheit bei gleichzeitig großem Optimismus unter den Anlegern auswiesen. Der DAX stieg in den folgenden 6 Monaten um durchschnittlich 5,5%.

Die Investitionsquote wurde in den vergangenen Wochen stark abgebaut, Anleger sitzen auf hohen Cash-Reserven. Es ist also ausreichend Liquidität vorhanden, um für steigende Kurse zu sorgen …

… wenn da nicht die große Ungewissheit wäre. Der Krieg in der Ukraine hebt die geopolitischen Machtverhältnisse aus den Angeln. Gleichzeitig droht die Inflation außer Kontrolle zu geraten. Lösungen zeichnen sich noch nicht ab.

Es erfordert eine gehörige Portion Mut, in dieser Situation Aktien zu kaufen. Daher setzen wir den Schwerpunkt auf die Analyse der historischen Daten, die uns vorliegen. Es bleibt dann jedem Anleger selbst überlassen, wie stark er sich auf Statistiken verlässt, oder wie groß er die Gefahr einschätzt, die von den beunruhigenden Entwicklungen ausgeht.

Ich habe den Eindruck, dass die Angst und Panik aktuell deutlich abnimmt, obwohl keine Lösungen in Sicht sind. Denn der sichere Hafen, das Gold, ist zwar an die 2.000 USD/Oz-Marke herangelaufen, doch die Zukunftserwartung ist eingebrochen. Während man am Goldmarkt also feiert, verlassen die Bullen lautlos die Party.

Schauen wir auch hier auf die Statistik, so eröffnet sich ein überraschendes Bild: nur sechsmal seit 2006 war die Differenz zwischen Stimmung und Erwartung so groß. Jedes Mal folgte eine Goldpreisrallye. Durchschnittlich stieg der Goldpreis in den folgenden sechs Monaten sogar um 15% an.

Obwohl die Sentimentsituation am Ölmarkt dem Goldmarkt ähnelt, lässt sich die Schlussfolgerung eines zu erwartenden Preisanstiegs nicht übertragen. Unsere Statistik lässt keine signifikante Prognose aus der aktuellen Sentimentlage zu.


Ausblick: China: Das Zünglein an der Waage

China verhält sich bewusst zurückhaltend gegenüber dem Krieg in der Ukraine. Dem Partner Russland stärkt man den Rücken, doch der Krieg in der Ukraine wird weder verurteilt, noch unterstützt. Nun hat sich Russland direkt an China mit der Bitte um Hilfe gewandt. Die russischen Devisenreserven im Ausland sind eingefroren, diese Woche Mittwoch werden zwei in US-Dollar notierende russische Staatsanleihen zur Rückzahlung fällig. Russland sind ohne die Hilfe eines Partners die Hände gebunden, seine Auslandsanleihen zu bedienen. Ein Zahlungsausfall scheint unabwendbar.

Ich fürchte, früher oder später wird sich China entscheiden müssen. Und wenn ich mir anschaue, wie die USA in den vergangenen Jahren mit China umgesprungen sind, fällt es mir nicht schwer, mir vorzustellen, dass China sich derzeit besser mit Russland als mit dem Westen versteht. Die wirtschaftlichen Sanktionen, die bislang gegen Russland verhängt wurden, müssten dann auf China ausgeweitet werden. Ich will dieses Szenario gar nicht weiter führen, denn dieser Gedankengang reicht eigentlich schon, um eine schnelle Lösung für den Ukraine-Krieg und eine Rückkehr in die Normalität, wie wir sie kennen, zu verwerfen.

Wir haben im Februar viele Unternehmenszahlen gesehen. Unternehmen haben die Corona-Pandemie genutzt, um sich zu verschlanken, um ihre Profitabilität zu erhöhen und um flexibler auf Verwerfungen reagieren zu können. Nach dem Panik-Ausverkauf der Vorwoche sehen wir aktuell eine Gegenbewegung. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese Gegenbewegung noch eine Weile weiterläuft. Doch ich kann mir kaum vorstellen, dass aus dieser Gegenbewegung eine neue Hausse erwächst.

Daher werde ich weiterhin gute Tage zum Ausdünnen unseres Portfolios nutzen und an schwachen Tagen gezielt, aber moderat nachkaufen. Für ein "All-In" ist mir die Situation zu gefährlich.


Details zu Empfehlungen und unserem Musterdepot bleiben den Heibel-Ticker PLUS Lesern vorbehalten.








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