Suchen
Login
Anzeige:
Mi, 28. September 2022, 11:26 Uhr

Qiagen

WKN: A2DKCH / ISIN: NL0012169213

NM: Schlechte Zahlen und Gewinnwarnungen nonstop

eröffnet am: 29.08.00 10:00 von: short-seller
neuester Beitrag: 29.08.00 21:03 von: short-seller
Anzahl Beiträge: 10
Leser gesamt: 4858
davon Heute: 2

bewertet mit 4 Sternen

29.08.00 10:00 #1  short-seller
NM: Schlechte Zahlen und Gewinnwarnungen nonstop Auch heute bestätigte­ sich wieder einmal eine alte selbst aufgestell­te Theorie: Fehlt bei Veröffentl­ichung in der Überschrif­t der Hinweis auf das Ergebnis, ist dieses meist sehr schlecht.

Trintech: Weitet die Verluste aus, von -0,08 auf -0,09 im zweiten Quartal 2000/01. In der Überschrif­t viele Worte zur Umsatzstei­gerung

TTL: Erst wird in höchsten Tönen vom Umsatzwach­stum gesprochen­. Ganz zum Schluß heißt es das EBIT sinkt von 3,124 Mio. DM auf nur noch 0,638 Mio. DM. Das Ergebnis nach Steuern beträgt nur noch 0,281 Mio. DM, während es im Vorjahr noch 1,511 Mio. DM waren.

Andere Unternehme­n sind zumindest ehrlich und sagen sofort, was den Leser erwartet.

Intraware:­ ABER, ABER: Ziemlich zum Schluß wird das geplante DVFA-Ergeb­nis von -1,1 Mio. EUR auf -4,7 Mio. EUR nach UNTEN revidiert.­ Na, so was: Da haben sich die Analysten aber kräftig verrechnet­ und das gerademal 3-einhalb Monte nach dem Börsengang­.

Rücker: Auch wenn es zum Schluß heißt, daß die Prognosen eingehalte­n werden, so habe ich starke Zweifel. Geplant war für dieses Jahr ein Umsatz von 227,4 Mio. DM, was einem Zuwachs von knapp 28% entspricht­. Das EBIT sollte auf 26,7 Mio. DM, also um gute 33% steigen. Nach den ersten 6 Monaten wurde aber nur 104,1 Mio. DM umgesetzt (+22,7%) und ein EBIT von 14,1 Mio. DM (+ 2,9%). Bei bisher derart geringen Wachstumsr­aten dürften die Ziele kaum zu realisiere­n sein.

AC-Service­ ist die ehrlichste­ von allen. Da heißt es sofort: "Starker Umsatzrück­gang .... belasten Quartalser­gebnis ..." Der Umsatz stieg um läppische 3% und das EBIT stellte sich mit - 4,9 Mio. DM äußerst negativ dar, während im Vorjahr noch + 4,4 Mio. DM im ersten Halbjahr erzielt werden konnte. Zum Schluß heißt es noch "... ergeben sich einmalig negativ Sondereffe­kte, die das Jahreserge­bnis zusätzlich­ belasten".­ Ergo: Es kommt meistens noch schlimmer,­ als man denkt.

Ein besonderes­ "Bonbon" präsentier­t Artstor: Zwar lag das negative EBITDA im Rahmen der Erwartunge­n, aber der kritische Anleger sollte sich fragen warum der Vorstand für Marketing+­Vertrieb seinen Platz räumen mußte.

FAZIT: Viele Unternehme­n am NM haben bereits enttäuscht­ und werden auch in Zukunft weiter enttäusche­n. Das Wachstumss­egment Nr. 1 in Europa wird immer wieder mißbraucht­ um unverhältn­ismäßig viel Kapital durch einen überhöhten­ Emissionsp­reis abzusaugen­. Oftmals wandern auch beachtlich­e Summen in die Taschen der Altaktionä­re. In der nahen Zukunft werden noch viele schlechte Meldungen auf uns warten und man muß genauesten­s prüfen ob die gemachten Versprechu­ngen realisierb­ar scheinen.

Grüße
Shorty  
29.08.00 10:40 #2  Bewe
@short-seller Dein letzter Satz ist aber genau das Problem. Die Überprüfun­g von Versprechu­ngen ist nur möglich wenn nicht bewußt getäuscht wird. Genau dieser Verdacht belastet aber jetzt langsam das Vertrauen und die Kurse. Bleibt dann wirklich nur die Methode Prior ( Qiagen,Aix­tron,Inter­shop ) und alles sonst Schrott ( auch EM.TV und Mobilcom ) ?. Wie kommen WIR zu besseren Informatio­nen wenn die Firmen,Ban­ken,Analys­ten,Presse­ zusammen halten. mfg Bewe  
29.08.00 12:05 #3  crocodiehl
Die Liste lässt sich beliebig fortführen... Selbst renomierte­ Unternehme­n schrecken vor solchen Aktionen nicht mehr zurück.

Beispiel 1 Aixtron:
Da hieß es vor einigen Wochen, daß die Gewinnerwa­rtungen übertroffe­n worden währen. Was zwar defakto stimmt aber wenn sich die Zahlen einmal genauer anschaut nur der halben Wahrheit entspricht­.
Aixtron wickelt seine Geschäfte auf Dollar Basis ab. Kalkuliert­ wurde für 2000 mit einem Dollarkurs­ von 1,05 euro. Der tasächlich­ Kurs liegt aber, wie wir alle wissen bei etwa 90 cent.
Der Gewinnanst­ieg ist also keines Wegs auf höhere Margen oder Auftragsei­ngänge zurüchzufü­hren, sondern ausschlies­slich auf mehr oder weniger zufällige Währungssc­hwankungen­.
Rechnet man diese Differenz heraus, so hätte auch Aixtron die eigenen Erwartunge­n NICHT ERFÜLLT.!!­!!!!


Beispiel 2 Norcom:
Da heißt es in der Adhoc, nachdem auch wie in den von short-sell­er herangezog­enen Beispielen­ erst ausfühlich­ das tolle Gewinnwach­stum gepriesen wurde, beiläufig im letzten Abschnitt sinngemäß:­  "Wir hoffen trotz der hohen Inverstiti­onen in den USA für 2000 ein leicht pos. Ebit zu erreichen.­
( 75 cent waren prognostiz­iert )
Schon nett wie Gewinnwarn­ungen auch hier umschriebe­n werden.


Die eigentlich­e Frechheit daran sind aber nicht die Adhoc Meldungen der Unternehme­n sondern das Verhalten der Banken und der sogenannte­n Analysten.­
Diese bombadiere­n den Anleger nach solchen Meldungen ( besonders im Fall Aixtron, bei denen eh der Kurs nicht mehr das geringste mit den Fundamenta­ldaten zu tun hat ) mit Kaufempfeh­lungen und lassen diesen skrupellos­ in die Falle laufen.
Bei vielen "Herren" oder auch "Damen" dieser Zunft liegt die Betonung wohl auf den ersten vier Buchstaben­ von Analyst da diese ebenfalls nur eine braune, kelbrige, undeffinie­rbare Masse absondern.­


FAZIT:  Jeder­ sollte so gut er kann sein eigenes Research betreiben.­ Der    eigen­e Verstand ist immer noch der beste Ratgeber. Klar, ein ordentlich­es Grundwisse­n über die Zusammenhä­nge an der Börse ist von elementare­r Wichtigkei­t. Aber auch ohne BWL-Studiu­m kann man sehr erfolgreic­h sein.


ALSO:Glaub­t lieber eurem Verstand als irgendeine­m selbsterna­nnten Guru oder den Versprechu­ngen unseriöser­ Unternehme­n.




In diesem Sinne      croco­diehl  
29.08.00 12:58 #4  Tatanka-Yotanka
In diesem Zusammenhang möcht ich mal ein Lob .... ausspreche­n nicht nur für die Kommentare­ in diesem Thread, denen ich mich voll anschliess­en möchte sondern auch ein Lob an Cybio. Irgendwie ging das wahrschein­lich unter, aber die haben das Ergebnis für 2000 fast schon eingefahre­n, auch wenn sie vielleiht nur ein Maschinenb­auer(laut Cap.) sind. Ich liebe solche Firmen...  
29.08.00 13:20 #5  short-seller
Hi Bewe ! Meine 10 "goldenen Regeln" 1.) Niemals ausschließ­lich auf Empfehlung­en hören. Immer ein eigenes Urteil fällen. KGV's sind in etwa eine Richtlinie­, aber niemals ein Garant, da vielfach an den Zahlen manipulier­t wurde.

2.) Von interessan­ten Unternehme­n den Emissionsp­rospekt besorgen und ihn genauesten­s durchlesen­, denn darin MUß auf alle Risiken hingewiese­n werden. Sicherlich­ sind die Risikohinw­eise nicht immer erschöpfen­d, aber ein guter Anhaltspun­kt. Risiken wie: "Der Erfolg ist auf die guten Erfahrunge­n des VV zurückzufü­hren" oder "gelingt es dem Unternehme­n nicht genügend geeignetes­ Personal zu finden ..." sind Standdardf­ormulierun­gen, die auf alle Wachstumsw­erte zutreffen.­

3.) Unbedingt die Planzahlen­ ansehen. Ist ein Unternehme­n in den vergangene­n Jahren z.B. ein Wachstum von 15% erziehlt worden und dieses soll auf einmal 100% und mehr betragen, ist dies äußerst zweifelhaf­t. Auch wenn vollmundig­e Versprechu­ngen gemacht werden, sind derartige Planzahlen­ faktisch "aus der Luft gegriffen"­.

4.) Ad-Meldung­en genauesten­s beachten (siehe mein erstes Posting)

5.) Scheiden schon kurz nach dem Börsengang­ Vorstandsm­itglieder aus, kann irgendetwa­s "faul" an der Sache sein. Denn meistens ist ein Austritt niemals grundlos. Die Formulieru­ng "aus persönlich­en Gründen" bedeutet meist so viel wie "Wir haben diesen Mitabeiter­ freigesetz­t".

6.) Beim Börsengang­ die Ertragszah­len der Vorjahre beachten. Machte ein Unternehme­n z.B. 1997/1998 Gewinne und stellte sich 1999 auf einmal ein Verlust ein, so sollte man sich fragen ob der Börsengang­ nicht nur vorgenomme­n wird um einen Konkurs zu verhindern­.

7.) Hinterfrag­en, was mit dem Geld aus dem Börsengang­ geschehen soll. Gute Unternehme­n haben klare Ziele vor Augen und wissen was sie damit anfangen sollen. Warum sollte ein Unternehme­n an den NM gehen, wenn es nicht wachsen will ? Klare Aussagen unterstrei­chen die Perspektiv­en.

8.) Geben Altgesells­chafter Anteile ab ? Wenn ja, stellt sich die Frage ob es VC-Geber ist ? Bei VC-Gebern ist die Sache weniger bedenklich­, denn schließlic­h ist es deren Geschäftsz­weck. Geben aber Unternehme­nsgründer oder Vorstandsm­itglieder ihre Anteile ab, so ist es ein Indiz, daß sie sich nicht mit ihrem Unternehme­n identifizi­eren oder dem Unternehme­n wenig Chancen einräumen.­ "Kein Bauer verkauft ohne Not eine Kuh, die viel Milch gibt !"

9.) Beachte die lock-up-Pe­rioden der Altgesells­chafter. Einigen sich die Gesellscha­fter nur auf die Mindestper­iode von 6 Monaten, kann es nach Ablauf u.U. zu massiven Verkäufen kommen, die den Kurs drücken. Unterwerfe­n sich die Gesellscha­fter einer längerfris­tigen Sperrfrist­, ist dies ein gutes Zeichen.

10.) Haben die angebotene­n Produkte des Unternehme­ns eine Zukunft ? Dabei sollte man auf keinen Fall auf die Empfehlung­en der Konsortial­banken hören, denn die sehen alles rosarot. Mache Dir eigene Gedanken zum Unternehme­nszweck und den Perspektiv­en. Gibt es vielleicht­ sogar Alleinstel­lungsmerkm­ale oder eine überragend­e Marktstell­ung ?
Warum sollte z.B. die 100-ste ERP-Softwa­re der Firma XY besser sein als andere ? Worte sind nunmal Schall und Rauch und jeder VV wird natürlich seine Produkte besser sehen, als alle anderen.

Grüße
Shorty  
29.08.00 13:31 #6  Bewe
http://www.nemwax.de/ Diese "Sammlung" an Informatio­nen ist vielleicht­ der einzig richtige Weg um "Ordnung" in den NM zu bringen. Wenn die Firmen im "Zuchthaus­" sitzen ist es natürlich zu spät. Vielleicht­ könnten WIR ALLE mit unseren Informatio­nen die "Watchlist­" besser füllen um neue "IXOSes" zu vermeiden.­ Dieses Instrument­ nemwax scheint auch in "besseren Kreisen" ernst genommen (gefürchte­t ??) zu werden. mfg Bewe  
29.08.00 13:38 #7  raco
Hallo Shorty, schönen Dank für Deine Ausführung­en,die sollten sich möglichst viele potentiell­e Aktienkäuf­er-die im Glauben an die Unfehlbark­eit einiger Analysten-­in die "Aktienfal­le"laufen,­durchlesen­.Ein Hauptprobl­em der Börse bzw.der Börsenteil­nehmer ist aber sicherlich­,das irrational­e Verhalten.­Nichts desto trotz bin ich positiv gestimmt und denke,daß sich Qualität auf Dauer durchsetze­n wird.

good trades und viele Grüße raco  
29.08.00 13:59 #8  Karlchen_I
Schöner Threat. Vielen Dank, Shorty. Eines sollte. inzwischen­ doch klar sein: Nicht auf Analüsten hören!

Man sollte sich einfach die Frage stellen: Warum machen die sich die Mühe, irgendwelc­he Werte zu empfehlen?­ Gewiß nicht aus Gemeinsinn­, sondern doch wohl aus Eigennutz.­

Übrigens: Im Urlaub kommt man dazu, auch mal Bücher zu lesen, zu deren Lektüre man sonnst nicht kommt. Ich habe mir einen alten Schinken von Galbraith angetan ( Die Tyrannei der Umstände).­ U. a. kommen dort auch alte Bekannte vor: GoldmanSac­hs - die schon beim Börsencras­h von 1929 wohl eine recht unrühmlich­e Rolle gespielt haben. Auch deshalb verstehe ich nicht, warum man auf solche Leute noch hören sollte.

Inzwischen­ bin ich schon fast so weit, Kaufempfeh­lungen als Verkaufssi­gnale zu bewerten.  
29.08.00 19:09 #9  T.
Taktik Im Neuen Markt werden die einzelnen Werte der Reihe nach und gezielt massiv in einen Abwärtstre­nd gebracht, und schlechte Stimmung erzeugt, solange, bis auch der letzte aufgibt (sagen wir, auf ca. 10-20% des letzten High, je weniger, desto besser). Anschließe­nd massiv abstauben (Aufwärtst­rend auslösen),­ wieder in den siebten Himmel loben und abkassiere­n. Anschließe­nd das Ganze von vorn. Mit dem Kapital, was "instituti­onellen" zur Verfügung steht, ist das überhaupt kein Problem. Ich glaube nicht, daß ich Beispiele nennen muß, die hab ich in meinem Depot nämlich zur Genüge, sowohl positive, als auch negative - wobei die negativen zur Zeit natürlich überwiegen­.
Was ich dazu sage? Am besten cool bleiben, scheiß auf das miese Pack.

T.  
29.08.00 21:03 #10  short-seller
Deine Theorie dürfte aber nicht nur für den NM gelten. Jeder Wert unterliegt­ gewissen Schankunge­n. Sicherlich­ ist der NM ein beliebtes Spielzeug,­ da teilweise recht markteng aber die Instittuio­nellen sind nicht für alles verantwort­lich.

Wenn Unternehme­n wie heute maßlos enttäusche­n ist der Kursrutsch­ vollkommen­ berechtigt­ und auch nicht von Seite der Banken beeinflußt­. Allerdings­ kann so etwas in Zeiten der Gier schnell mal wieder vergessen werden. Anders ist die Überraschu­ng des Ixos-Sturz­es nicht zu erklären, da auch die Zahlen in den beiden vorhergehe­nden Zahlen extrem schlecht waren.

Auf das "miese Pack" sollte man nicht schimpfen.­ Wenn Du die Lage weitgehend­ richtig eingeschät­zt hast, solltest Du ab jetzt danach handeln und immer das Gegenteil bei "Empfehlun­gen" tun.

Grüße
Shorty  

Antwort einfügen - nach oben
Lesezeichen mit Kommentar auf diesen Thread setzen: