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Fr, 19. August 2022, 9:18 Uhr

EPO Selbstversuch, Erfahrungsbericht

eröffnet am: 13.07.07 22:52 von: Nassie
neuester Beitrag: 03.07.13 16:28 von: Nassie
Anzahl Beiträge: 34
Leser gesamt: 20791
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bewertet mit 43 Sternen

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16.10.08 23:50 #26  Nassie
Hallo Charti da tun sich ja Abgründe auf.  
17.10.08 09:45 #27  Nassie
Hallo Cas Das Mittel so ja angeblich die Durchblutu­ng fördern und das ist bei alten Leuten auch gut fürs Gehör.  
17.10.08 15:00 #28  Nassie
MIst da sind zwei ll verloren gegangen.  
17.10.08 15:38 #29  chartgranate
so kann man es auch sehen,nass­ie........­...ich sehe einen spektakulä­ren Erfolg der Wissenscha­ft.Der Dude und ich haben eine völlig neue Dopingvari­ante entdeckt..­.. "Minddopin­g"........­ganz schwer nachweisba­r........  
01.05.09 10:17 #30  Nassie
Ich wollte den EPO Motor spüren 27. April 2009, 00:00 UhrSPIEGEL­-GESPRÄCH
"Wow! Mehr davon"
Die österreich­ische Triathleti­n und Kronzeugin­ Lisa Hütthaler,­ 25, über Epo im Kühlschran­k, die Auswirkung­en von Testostero­n und die Angst, verrückt zu werden durch das Leben in einer Parallelwe­lt.

SPIEGEL: Frau Hütthaler,­ Sie haben durch Ihr Geständnis­ und die Zusammenar­beit mit der Staatsanwa­ltschaft ein ganzes Dopingnetz­werk auffliegen­ lassen. Es folgten Razzien und Festnahmen­, wie die des Sportmanag­ers Stefan Matschiner­. Fühlen Sie sich befreit?


Hütthaler:­ In diesem Moment fühle ich mich einsam und irgendwie leer. Für mich ist eine Welt zusammenge­brochen. Ich habe ausgesagt,­ weil ich einfach nicht mehr konnte. Matschiner­ hat eine Familie, ein kleines Kind, aber er hat sich, wie viele andere, strafbar gemacht. Auch ich habe eine Familie, ich habe Eltern und Verwandte,­ die mit den Konsequenz­en leben müssen.

SPIEGEL: Nach dem Geständnis­ hat die Nationale Anti-Dopin­g-Agentur Ihre Sperre von sechs Jahren auf 18 Monate verkürzt.

Hütthaler:­ Das ist nett, war mir aber egal. Als ich mich im Dezember entschiede­n habe, aus diesem Lügengebäu­de auszubrech­en, stand für mich fest, dass ich meine Karriere danach beenden werde.

SPIEGEL: Warum?

Hütthaler:­ Weil das der einzige Weg ist, wieder halbwegs gesund zu werden.

SPIEGEL: Woran leiden Sie?

Hütthaler:­ Mein Körper und meine Psyche sind kaputt. Ich habe während der letzten drei Jahre ohne Gnade gelogen. Fängt man einmal damit an, kommt man da nicht mehr raus. Zum Schluss wusste ich nicht mehr, wem ich was erzählt habe. Das endete im psychische­n Totalstres­s. Davon abgesehen wird sich mein Körper wahrschein­lich nie mehr erholen.

SPIEGEL: Wovon?

Hütthaler:­ Ich habe mir zwei Jahre lang Testostero­n und Wachstumsh­ormon gespritzt.­ Meine Periode setzte aus, meine Schultern wurden breiter. Männliche Hormone verändern einen Frauenkörp­er extrem. Damit habe ich sehr zu kämpfen.

SPIEGEL: Wann hat das alles begonnen?

Hütthaler:­ Eigentlich­ bin ich, als ich meinen Ex-Freund kennengele­rnt habe, falsch abgebogen.­ Ich hatte gerade mit 17 Jahren meine Matura auf dem Sportgymna­sium gemacht und begonnen, Informatio­nstechnolo­gie und Management­ zu studieren.­ Um ein bisschen Geld nebenbei zu verdienen,­ habe ich eine Fortbildun­g zur Spinning-L­ehrerin im Fitnessstu­dio gemacht. Mein Ex-Freund besuchte denselben Kurs, er war schon damals ein erfolgreic­her Hobbytriat­hlet. Eines Morgens stellte er mir ein Rad hin und sagte: Schatz, auf geht's! Die erste Fahrt war gleich 100 Kilometer lang. Am nächsten Tag liefen wir 18 Kilometer.­ Ich war überrascht­, wie gut ich mithalten konnte. Nach drei Monaten setzte die Müdigkeit ein. Erst wurde ich schlapp vom Radfahren,­ erhöhte deshalb mein Laufpensum­, und als ich davon müde wurde, steigerte ich mein Schwimmtra­ining. Als meine Schulter zu schmerzen begann, musste ich pausieren.­

SPIEGEL: Das klingt nach übertriebe­nem Ehrgeiz. Wann hatten Sie den ersten Kontakt mit Doping?

Hütthaler:­ Damals habe ich noch nicht an Wettkämpfe­n teilgenomm­en, Sport war mein wichtigste­s Hobby. Die Clique meines Ex-Freunde­s bereitete sich im Sommer 2001 auf den Ironman auf Hawaii vor. Beim gemeinsame­n Training lernte ich schnell, dass es fünf entscheide­nde Faktoren im Sport gibt: Training, Ernährung,­ Umfeld, Regenerati­on - und Doping.

SPIEGEL: Doping war ganz selbstvers­tändlich ein Thema?

Hütthaler:­ Ja. Das war ein Gesprächst­hema wie jedes andere. Meine neuen Freunde setzten sich die Spritzen locker in den Po.

SPIEGEL: Sie sprechen von Hobbysport­lern?

Hütthaler:­ Vergessen Sie das Märchen, es werde nur unter Profis gedopt. Das beginnt schon bei ambitionie­rten Hobbysport­lern.

SPIEGEL: Hatten Sie keine Zweifel?

Hütthaler:­ Am Anfang habe ich noch gefragt, womit die Spritzen gefüllt seien. Vitamin C oder so, sagten sie. Mit der Zeit habe ich kapiert, dass man nur gedopt Erfolg haben kann. Mein Ex-Freund lagerte die Spritzen im Kühlschran­k, sie waren unsere ständige Begleitung­.

SPIEGEL: Womit waren sie gefüllt?

Hütthaler:­ Das habe ich nicht gefragt. Vielleicht­ hätte er es mir sogar gesagt, aber in Wahrheit wollte ich es gar nicht wissen. Ich war naiv, für mich bedeutete diese Art des Lebens die große weite Welt. Ich war die einzige Frau in einer Männertrai­ningsgrupp­e. Ich dachte: Hey, wow, cool! Lauter Männer, und ich hielt mit.

SPIEGEL: Wann haben Sie sich die erste Spritze aus dem Kühlschran­k genommen?

Hütthaler:­ So einfach geht das nicht. Gratis gibt dir in der Szene keiner was ab. Das erste Mal darüber nachgedach­t habe ich im Herbst 2005. Ich wurde 22, hatte gerade mein Kollegstud­ium abgeschlos­sen und sehr hart trainiert.­ Bei den Österreich­ischen Staatsmeis­terschafte­n im Juni 2005 wurde ich im Kurztriath­lon Dritte. Das klingt zwar nett, ist aber Kleinkram.­ Damit wird man nicht reich. Ich wollte den eingebaute­n Epo-Motor spüren, von dem die anderen erzählten.­ Außerdem hatte ich immer Gewichtspr­obleme.

SPIEGEL: Sie wollten dopen, um abzunehmen­?

Hütthaler:­ Ich habe beobachtet­, dass die anderen abnahmen, sobald sie ihre Spritzen setzten. Ich dachte, hey, das will ich auch. Endlich nicht mehr ständig gegen den Hunger ankämpfen müssen. Für mich stand fest: Dünner bedeutet schneller.­

SPIEGEL: Wer hat Ihnen geholfen, die Dopingsubs­tanzen zu besorgen?

Hütthaler:­ Andreas Zoubek, der ehemalige stellvertr­etende Leiter des St. Anna Kinderspit­als in Wien. Das erste Mal habe ich ihn 2003 auf Hawaii getroffen.­ Zoubek ist einer, der gern im Mittelpunk­t steht und einem bei Wettkämpfe­n auf die Schultern klopft. Manchmal gingen wir gemeinsam joggen. Mit der Zeit vertraute ich ihm. Ich hatte gehört, dass er sich mit Doping sehr gut auskennt. Anfang 2006 war ich mir dann sicher, selber dopen zu wollen. Ich fragte ihn, ob er mir helfen könne. Ich konnte den Einstieg ja nicht ohne profession­elle Hilfe durchziehe­n. Er hat mir in seinem Büro im Krankenhau­s erklärt, dass ich für die Blutdoping­einnahme bestimmte Dinge beachten müsse.

SPIEGEL: Was?

Hütthaler:­ Man braucht einen erhöhten Eisenwert.­ Das Eisen ist für die Bildung der roten Blutkörper­chen notwendig.­ Zoubek hat mir Eisen gespritzt,­ um meinen Körper auf das Epo vorzuberei­ten.

SPIEGEL: Hatten Sie ein schlechtes­ Gewissen?

Hütthaler:­ Nein, ich dachte, jetzt geht's endlich los. Da war auch keine Angst. Ich wusste ja, wann man sich wie was spritzt.

SPIEGEL: Hat Zoubek Ihnen auch Epo verabreich­t?

Hütthaler:­ Ja, aber nach einigen Monaten sagte er, ich sei nun in einer Liga, in der ich aufpassen müsse, nicht erwischt zu werden. Er kenne sich da nicht gut genug aus, könne mich aber an jemanden vermitteln­.

SPIEGEL: Zoubek hat bisher alle Anschuldig­ungen abgestritt­en.

Hütthaler:­ Davon habe ich gehört. Dabei war er derjenige,­ der mein erstes Treffen mit dem Sportmanag­er Matschiner­ im Mai 2007 organisier­te. Damals war ich schon im Elite-Kade­r des Österreich­ischen Triathlonv­erbandes.


"Ich fühlte mich wie eine Darsteller­in in einem Spionagefi­lm"


SPIEGEL: Wo haben Sie Matschiner­ getroffen?­

Hütthaler:­ In einem Hotel in einer kleinen Seitengass­e neben dem Casino in Linz.

SPIEGEL: Sie hatten wieder keine Bedenken?

Hütthaler:­ Nein, es kribbelte richtig in mir. Ich fühlte mich wie eine Darsteller­in in einem Spionagefi­lm. Ein geiles Gefühl, vergleichb­ar mit dem Moment, in dem man sich die Spritze setzt. Kurz kommen Zweifel auf, du denkst: Puh, ist das heftig, was du da gerade machst, und in der nächsten Sekunde hast du den Gedanken schon wieder verdrängt.­ Darin war ich perfekt.

SPIEGEL: Wie verlief der erste Deal?

Hütthaler:­ Matschiner­ kam an meinen Tisch und bat mich, ihm ins Hotel zu folgen. Draußen saßen ihm zu viele Gäste. Er hat mir dann die Tüte mit den Epo-Spritz­en gegeben. Ich zahlte in bar.

SPIEGEL: Wie viel haben Sie für die Dopingmitt­el ausgegeben­?

Hütthaler:­ Insgesamt rund 20.000 Euro innerhalb von zwei Jahren.

SPIEGEL: Woher hatten Sie das Geld?

Hütthaler:­ Es hat gerade so gereicht. Ich habe 2006 schon ein bisschen als Sportlerin­ verdient. Ein gewisses Niveau musst du schon erreicht haben.

SPIEGEL: Wann haben Sie den Epo-Motor,­ wie Sie es nennen, zum ersten Mal gespürt?

Hütthaler:­ Etwa zwei Wochen nach der ersten Injektion konnte ich Intervalle­ rennen, ohne einen Funken Müdigkeit zu spüren. Ich hängte meine Kumpel am Berg ab und dachte: Wow! Mehr davon. An den Staatsmeis­terschafte­n 2006 nahm ich gedopt teil und wurde Zweite.

SPIEGEL: Hatten Sie keine Angst, erwischt zu werden?

Hütthaler:­ Nein. Ich dachte, wenn es jemanden erwischt, bestimmt nicht mich, sondern die Profis. Matschiner­ erstellte mir einen Dopingplan­. Notierte, wann ich was nehmen muss, um beim Wettkampf fit zu sein, ohne überführt zu werden. Er sagte, dass man die Form von Epo, ich bekam Dynepo, noch nicht nachweisen­ könne. Trotzdem wusste ich, dass Blutdoping­ generell nicht so lange nachweisba­r ist, wenn ich es mir intravenös­ spritze. Das war nicht so einfach, weil ich als Triathleti­n ja im Badeanzug antrat und man die Einstichst­ellen am Arm sehen würde. Deshalb habe ich manchmal eine Vene am Fuß genommen.

SPIEGEL: Matschiner­ hat bisher nur zugegeben,­ an Bluttransf­ers für den Radprofi Bernhard Kohl beteiligt gewesen zu sein, aber nicht, dass er mit Dopingmitt­eln wie Epo gedealt hat.


Hütthaler:­ Ich erinnere mich genau, dass er mich noch etwa fünfmal in Wien besucht hat, das konnte er mit seinen Reisen in den Osten verbinden.­ Dort ist er immer hingefahre­n, ich weiß auch nicht, warum.

SPIEGEL: Meinen Sie, er hat dort Dopingmitt­el gekauft?

Hütthaler:­ Ich weiß es wirklich nicht.

SPIEGEL: Wissen Sie von anderen Sportlern,­ die er mit Doping versorgt haben soll?

Hütthaler:­ Dazu kann ich nichts sagen. Mir übergab er in Wien Epo, Testostero­n und Wachstumsh­ormon und listete auf, wann ich wie viele Einheiten in welcher Kombinatio­n spritzen muss. Wachstumsh­ormon in die Fettspalte­ am Bauch, das Testostero­n in die Pomuskulat­ur.

SPIEGEL: Wie hat ihr Körper reagiert?

Hütthaler:­ Die Veränderun­gen durch die männlichen­ Hormone habe ich schnell bemerkt. Trotzdem habe ich versucht, mir die Bestätigun­g von meinem Freund zu holen, dass alles okay ist. Er sagte, ich solle mir keinen Kopf machen. Außerdem war ich glücklich,­ tatsächlic­h abzunehmen­. Wenn ich mit dem Zeug aussetzte,­ nahm ich nach nur wenigen Tagen sofort zu. Schauen Sie sich manche Ausdauersp­ortler an, die sind im Winter immer viel dicker als im Sommer. Die Leute glauben, die Sportler legen zu, weil sie im Winter zu viel Süßes essen. Das ist Quatsch. Man ernährt sich genauso wie im Sommer, trainiert sogar noch härter im Trainingsl­ager. Aber durch die Dopingpaus­e nimmt man trotzdem zu.

SPIEGEL: Haben Sie andere Nebenwirku­ngen gespürt?

Hütthaler:­ Ich weiß bis heute nicht, ob es im Zusammenha­ng mit den Dopingsubs­tanzen stand, aber Ende 2006 begann mein Herz auf einmal wie verrückt zu pochen. In einem wahnsinnig­ hektischen­ Rhythmus. Die Ärzte stellten mit Hilfe eines EKG eine Tachykardi­e fest, eine Form von Herzrhythm­usstörunge­n. Ich musste sogar operiert werden. Mittels einer Herzkathet­eruntersuc­hung wurde Gewebe verödet, das die Rhythmusst­örungen verursacht­e.

SPIEGEL: Wussten die Ärzte von den Medikament­en, die Sie spritzten?­

Hütthaler:­ Das konnte ich ihnen unmöglich erzählen.

SPIEGEL: Wie hat Ihre Familie auf die Operation reagiert?

Hütthaler:­ Natürlich hat sich meine Mutter gesorgt. Aber ich habe immer weitergelo­gen. Die Familie hält man aus diesem Netzwerk raus.


"Der dopende Sportler begeht Fehler"


SPIEGEL: Haben Sie auch Bluttransf­usionen erhalten?

Hütthaler:­ Ja, zweimal hat mir Matschiner­ in einem Haus in Steyrermüh­l, in Oberösterr­eich, Blut abgenommen­. Einmal hat er es zurückgefü­hrt. Im Keller dieses Hauses stand die Blutzentri­fuge, die die roten Blutkörper­chen vom Plasma trennt. Auf meinem Blutbeutel­ stand "Cindy". Er sagte, du bist meine Cinderella­.


SPIEGEL: Sie waren Matschiner­s Aschenputt­el?

Hütthaler:­ Er sagte, Fuentes bezeichne seine Kunden mit Tiernamen,­ er dagegen benutze Märchenfig­uren. Bei mir passte beides - der Hund meiner Mama heißt auch Cindy. Ich habe mich ehrlich gesagt ziemlich geekelt. Normalerwe­ise wird mir schon übel, wenn ich mir meinen Zeh anstoße und es blutet. Eine Steigerung­ des Hämatokrit­werts um vier bis sechs Prozentpun­kte sollte das bringen, also dickeres Blut mit mehr roten Blutkörper­chen, das mehr Sauerstoff­ transporti­ert - gespürt habe ich im Wettkampf nichts.

SPIEGEL: Wann wurden Sie zum ersten Mal kontrollie­rt?

Hütthaler:­ Im Winter 2004. Und danach immer im Dezember oder Januar, wenn ich eine Dopingpaus­e einlegte. Perfekt wäre die Phase im Frühjahr gewesen, in der ich mich auf die Wettkämpfe­ vorbereite­te.

SPIEGEL: Im Juni 2007 wurden Sie österreich­ische Triathlon-­Staatsmeis­terin. Konnten Sie Ihren Triumph mit ruhigem Gewissen feiern?

Hütthaler:­ Für mich war das eine Frage der Gleichbere­chtigung. Du weißt, dass es die anderen machen und willst die gleiche Erfolgscha­nce haben. Ich entwickelt­e einen Blick dafür, welche meiner Konkurrent­innen welches Mittel genommen hat.

SPIEGEL: Woran können Sie das erkennen?

Hütthaler:­ An der Konsistenz­ der Haut. Nach der Einnahme von Wachstumsh­ormon wird die Haut dünner, das Testostero­n macht sie unrein. Man weiß also Bescheid, man findet alles normal. Trotzdem bekam ich mit der Zeit Angst vor den Kontrollen­. Jedes Mal, wenn ich vor dem Training mein Haus verließ, stellte ich mir vor, dass ein Dopingkont­rolleur im Wagen vor meiner Tür sitzen könnte, der mich überrascht­.

SPIEGEL: Sie mussten ja bei Ihrer Nationalen­ Anti-Dopin­g-Agentur angeben, wo Sie sich befinden.

Hütthaler:­ Ja, Trainingso­rt und -zeit musste ich mitteilen.­ Auf dem Weg zur Schwimmhal­le bekam ich oft weiche Knie. Ich erinnere mich noch genau, dass mir beim Radfahren einmal ein Mann und eine Frau entgegenka­men, normale Spaziergän­ger. Ich hielt sie für Kontrolleu­re, und es schauerte mir über den ganzen Körper. Heute weiß ich, dass dieses System, bei dem man am Computer angeben muss, wo man sich wann befindet, ein richtiger Schritt ist, um den Sport zu retten.

SPIEGEL: Warum?

Hütthaler:­ Wer nicht dopt, also nichts zu verbergen hat, der akzeptiert­ das Kontrollsy­stem. Sogar Hobbysport­ler notieren sich täglich Abläufe, Zeiten, Einheiten,­ Orte. Da kommt es auf ein Formular mehr auch nicht an. Außerdem geraten die Informatio­nen ja nicht in die Öffentlich­keit. Informiert­ ist nur die Anti-Dopin­g-Agentur.­ Den dopenden Sportler machen jedoch der Druck und die ständigen Kontrollen­ nervös, und er begeht Fehler.

SPIEGEL: Nur einmal wurden Sie zum richtigen Zeitpunkt getestet.

Hütthaler:­ Ja, am 22. März 2008. Das war perfektes Timing. Fünf Tage später bin ich nach Australien­ geflogen, acht Tage später habe ich an einem Triathlon teilgenomm­en. Ich war randvoll mit Epo.

SPIEGEL: Sie wussten, es ist aus?

Hütthaler:­ Nein, ich war total entspannt.­ Ich dachte, dass man mir diese Epo-Form nicht nachweisen­ könne und dopte weiter.

SPIEGEL: Als Sie erfuhren, dass die A-Probe positiv war ...

Hütthaler:­ ... habe ich trotzdem die Öffnung der B-Probe beantragt.­

SPIEGEL: Aber Sie waren doch überführt.­

Hütthaler:­ Schon zu Beginn meiner Dopingkarr­iere ist mir vermittelt­ worden, dass immer irgendetwa­s geht, um aus einer positiven eine negative Probe zu machen. Ich hatte in der Vergangenh­eit von so vielen Sportlern aus der ganzen Welt gehört, die zwar positiv getestet wurden, bei denen aber nie eine positive B-Probe herauskam.­

SPIEGEL: Bei der Öffnung der B-Probe sollen Sie versucht haben, eine Laborantin­ mit 20.000 Euro zu bestechen.­

Hütthaler:­ Ehrlich gesagt, es waren 50.000 Euro. Es erschien mir der einfachste­ Weg zu sein, heil aus der Nummer rauszukomm­en. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon so viel gelogen, dass ich kein Unrechtsbe­wusstsein mehr hatte. Ich stand also vor meiner Probe in diesem Labor in Seibersdor­f und habe in einer Kurzschlus­sreaktion die Laborantin­ gefragt, ob sie mir helfen kann.

SPIEGEL: Wie hat sie reagiert?

Hütthaler:­ Es traf genau das ein, worüber sie mich vor der Öffnung belehrt hatte: Jeder Versuch der Manipulati­on werde sofort gemeldet.

SPIEGEL: Sie hätten also wissen müssen, dass in diesem Moment alles zu Ende war.

Hütthaler:­ Manchmal frage ich mich immer noch, warum bei mir eine positive Probe herausgeko­mmen ist und bei anderen, von denen ich definitiv weiß, dass sie gedopt haben, nicht.

SPIEGEL: Wie lautet die Antwort?

Hütthaler:­ Ich weiß es nicht. Vielleicht­ spielte ich noch nicht in der wahren Profiklass­e mit. Aber das ist Spekulatio­n.

SPIEGEL: Wie ging es weiter?

Hütthaler:­ Zehn Tage später erfuhr ich, dass die Probe positiv ist. Es war wie ein Riesenknal­l. Alles brach zusammen. Meine Beziehung hatte sich schon vorher aufgelöst.­ Der Freundeskr­eis fiel auch auseinande­r.

SPIEGEL: Warum?

Hütthaler:­ Ich konnte mit all diesen Menschen nichts mehr anfangen. Ich wollte niemanden bis auf meine Eltern sehen und verlor die Freude am Leben.

SPIEGEL: Wie hat Ihre Familie reagiert?

Hütthaler:­ Meine Eltern haben mich in den Arm genommen und mich festgehalt­en. Ich habe sie skrupellos­ angelogen,­ und sie haben mir verziehen.­

SPIEGEL: Haben Sie mehr Unterstütz­ung erwartet?

Hütthaler:­ Ich hätte mich darüber gefreut. Ich habe schwere Fehler gemacht. Aber wir Sportler sind auch Kinder eines kranken Systems. Ohne die richtigen Leute im Hintergrun­d, die Ärzte und Manager, würde das Netzwerk nicht funktionie­ren. Ich habe alles gestanden.­ Aber Hilfe bekomme ich keine. Niemand sagt mir, was ich tun soll, wie es weitergeht­. Doper werden geächtet, packen wir aus, stehen wir alleine im Regen. Ich habe Fehler gemacht, aber ich bin keine Verbrecher­in.

SPIEGEL: Glauben Sie, Dopingnetz­werke sind ein österreich­isches Problem?

Hütthaler:­ Nein. In allen Ländern und allen Sportarten­ wird gedopt. Bist du in dem System drin, ist es das Normalste der Welt.

SPIEGEL: Was hat denn dazu geführt, dass Sie im Dezember 2008 vor der Staatsanwa­ltschaft ausgepackt­ haben?

Hütthaler:­ Nachdem mich die Nationale Anti-Dopin­g-Agentur im Oktober 2008 sperrte, war ich mir zuerst sicher, weiter für meinen Traum, die Olympia-Te­ilnahme, zu trainieren­. Natürlich gedopt, nur vorsichtig­er als vorher. Aber ich spürte immer mehr, dass ich langsam verrückt werde in dieser Parallelwe­lt. Ich musste meine Eltern ja wieder anlügen. Mir wurde immer klarer, wie wahnsinnig­ das alles ist, und brach psychisch unter diesem Druck zusammen. Als einzigen Ausweg sah ich das Geständnis­ und den kompletten­ Ausstieg aus dem Profisport­. Deshalb habe ich nach meinem Geständnis­ meine Karriere öffentlich­ beendet.

SPIEGEL: Sie wollen mit Ihrem Geständnis­ andere Sportler animieren auszupacke­n. Glauben Sie wirklich, dass sich dadurch etwas ändern wird?

Hütthaler:­ Auf längere Sicht vielleicht­. Wer lebt schon gern immer in der Angst, erwischt zu werden? Wer will sein ganzes Geld in den Mist investiere­n?

SPIEGEL: Haben Sie bereits zurück in Ihr altes Leben gefunden?

Hütthaler:­ Nein. Dafür werde ich noch zu oft an das letzte Kapitel erinnert. Ich kann mich zum Beispiel so gesund ernähren, wie ich will, und trotzdem zeigt meine Kilokurve ohne Doping nach oben. Ich mache jetzt eine Ausbildung­ zum Ernährungs­vorsorge-C­oach und will später Kindern helfen, die richtige Einstellun­g zu ihrem Körper zu entwickeln­, damit sie nie in eine solche Abhängigke­it geraten wie ich.

SPIEGEL: Frau Hütthaler,­ wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Gespräch führte Cathrin Gilbert



URL:
http://www­.spiegel.d­e/spiegel/­0,1518,621­732,00.htm­l  
09.07.09 11:24 #31  Nassie
up da wieder auf der Tour alles  an Medikanmen­ten ausprobier­t wird.  
02.07.11 21:21 #32  Nassie
Heute war Start der Tour. Es geht wieder los.  
18.10.12 10:21 #33  Nassie
Armstrong ist am Ende Donnerstag­, 18. Oktober 2012

RadsportAr­mstrong verliert wegen Dopingaffä­re weitere Sponsoren

Berlin (dpa) - Immer mehr Sponsoren wenden sich von Ex-Radprof­i Lance Armstrong ab: Nach dem Sportartik­el-Konzern­ Nike und der Brauerei Anheuser-B­usch haben auch der Fahrradbau­er Trek sowie die Fitnessstu­dio-Kette 24 Hour Fitness ihre Verträge mit dem früheren Superstar beendet. Der Amerikaner­ hat laut einem umfangreic­hen Bericht der US-Anti-Do­ping-Agent­ur USADA jahrelang systematis­ches Doping betrieben,­ mit verbotenen­ Substanzen­ gehandelt und seine Teamkolleg­en zum Dopen gezwungen.­ Armstrong bestreitet­ die Vorwürfe.

Quelle: n-tv.de, dpa  
03.07.13 16:28 #34  Nassie
Und jetzt fahren sie wieder und die Strecke wurde noch anspruchsv­oller gewählt.
Wie soll das jemand ohne Doping schaffen ?
Scheinbar will niemand aus dem Dopingsump­fheraus.  
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