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Mo, 30. Januar 2023, 15:14 Uhr

Wo bleibt die Corona-Insolvenzwelle?


16.11.21 10:45
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im August 1.029 Unternehmensinsolvenzen an deutschen Amtsgerichten beantragt, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Das seien 2,1 Prozent weniger gewesen als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit 1992. Im August 2019, also dem Vergleichsmonat vor der Corona-Pandemie, seien sogar noch 1.626 Unternehmensinsolvenzen beantragt worden. Auch die Anzahl der Hinweise auf die künftige Entwicklung von Unternehmensinsolvenzen (Regelinsolvenzverfahren) sei im Vergleich zum Vorjahr um 15,1 und im Vergleich zu 2019 sogar um 39,2 Prozent gesunken. Damit setze sich der seit Anfang 2010 bestehende Abwärtstrend fort und sei bleibt trotz der seit Mai ausgelaufenen Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ungebrochen worden. Die Insolvenzwelle als Auswirkung der Pandemie habe offensichtlich durch die umfangreichen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen verhindert werden können.

Auch international seien ähnliche Trends erkennbar. Der Kreditversicherer Euler Hermes schätze, dass in Westeuropa jede zweite, in den USA jede dritte Pleite habe verhindert werden können. Zweifellos habe aber ein noch länger anhaltender wirtschaftlicher Einbruch, der millionenfache Verlust von Jobs sowie erhebliche negative Auswirkungen auf Banken und Kapitalmärkte durch ausfallende Fremdkapitalfinanzierungen und noch stärker kollabierende Aktienkurse vermieden werden können. Diesen Zeitgewinn müssten Volkswirtschaften jetzt nutzen. Dazu gehöre, staatliche Hilfeleistung nicht länger als notwendig aufrechtzuhalten, um marktwirtschaftliche Prozesse nicht länger als nötig auszuhebeln.

Die Rückzahlung der staatlichen Kredite durch die Lufthansa sei in diesem Zusammenhang eine wegweisende Entscheidung. Unternehmen müssten sich ohnehin auf erhebliche Veränderungen einstellen und ihre Geschäftsmodelle zukunftssicher gestalten. Klimawandel, Digitalisierung, Demografie und geopolitische Entwicklungen würden ihre Spuren in allen Branchen hinterlassen. Da nicht alle Unternehmen diesen Prozess erfolgreich gestalten könnten, werde die Anzahl der Insolvenzen in den kommenden Jahren wieder sukzessive steigen. Für Anleger werde es nun entscheidender denn je, die richtigen Unternehmen auszuwählen. Der Staat sollte die Transformation nicht durch direkte Subventionen, sehr wohl aber durch das Setzen klarer Zielgrößen, regulatorischer Leitplanken und Gesetzgebungen, eine schnellere und schlagkräftigere Verwaltung sowie durch begleitende Investitionen - wie Forschung, Bildung und Infrastruktur - unterstützen.(16.11.2021/ac/a/m)