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Mi, 1. Februar 2023, 17:53 Uhr

Wirecard

WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060

Wirecard: Jetzt ist es soweit!


08.12.22 22:48
Der Aktionär

Kulmbach (www.aktiencheck.de) - Wirecard-Aktienanalyse von "Der Aktionär":

Markus Bußler vom Anlegermagazin "Der Aktionär" nimmt in einer aktuellen Aktienanalyse die Wirecard-Aktie (ISIN: DE0007472060, WKN: 747206, Ticker-Symbol: WDI, Nasdaq OTC-Symbol: WRCDF) unter die Lupe.

Lange habe es gedauert, jetzt sei es soweit: Zweieinhalb Jahre nach der Milliardenpleite des Aschheimer Zahlungsdienstleisters habe der Strafprozess um den mutmaßlich größten Betrugsfall in Deutschland seit 1945 begonnen. Vor dem Landgericht München I habe der Vorsitzende Richter Markus Födisch heute die Verhandlung gegen den früheren Vorstandschef Markus Braun und seine zwei Mitangeklagten eröffnet.

Die Staatsanwaltschaft werfe dem seit zweieinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzenden Braun vor, mit seinen Komplizen im Vorstand, weiteren Managern des mittlerweile abgewickelten DAX-Konzerns und externen Geschäftspartnern eine Betrügerbande gebildet, Bilanzen gefälscht und die Kreditgeber um 3,1 Mrd. Euro geprellt zu haben - das wäre der höchste Betrugsschaden in Deutschland seit 1945.

Laut Anklage seien die Hälfte der Umsätze und über 90% des Vorsteuergewinns erfunden. Noch nie sei die Chefetage eines ehemaligen DAX-Konzerns beschuldigt gewesen, als kriminelle Bande agiert zu haben. Die vierte Strafkammer des Landgerichts München I habe in dem unterirdischen Verhandlungssaal neben der JVA Stadelheim über 100 Verhandlungstage angesetzt. Mit Braun angeklagt seien der ehemalige Chefbuchhalter des Konzerns sowie Oliver Bellenhaus, ehemals Leiter der Wirecard-Tochtergesellschaft in Dubai.

Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass die "zu einem nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt vor dem Jahr 2015" gegründete Bande wesentlich größer gewesen sei: Beteiligt gewesen seien laut Anklage ein 2017 ausgeschiedener früherer Finanzvorstand, der untergetauchte Vertriebsvorstand Jan Marsalek sowie weitere Mittäter im In- und Ausland. Nicht eingeweiht gewesen seien demnach zwei Vorstände, die 2018 in die Konzernspitze gerückt seien.

Die Hauptfrage sei: Sei Braun Betrüger oder Betrogener gewesen? Aussage werde hier gegen Aussage stehen: Der Ex-Vorstandschef sehe sich als Opfer, seinerseits geprellt von Kriminellen im Unternehmen. Widerpart Brauns und Kronzeuge sei der frühere Dubai-Geschäftsführer Bellenhaus.

Zur Eröffnung des Verfahrens habe Braun lediglich seine Personalien bestätigt. "Absolut richtig", habe der österreichische Manager auf die Frage geantwortet, ob er in Bayerns größtem Gefängnis untergebracht sei. Zu den Vorwürfen aussagen solle Braun kommende Woche. Im Gerichtssaal sei er etwas abgemagert, aber keineswegs verhärmt erschienen, gekleidet wie einst bei öffentlichen Auftritten in Jackett und schwarzem Rollkragenpulli.

Über das Tochterunternehmen Cardsystems Middle East in Dubai habe Wirecard laut Anklage erfundene "Drittpartner"-Umsätze in Milliardenhöhe verbucht. Diese Drittpartner seien Firmen gewesen, die im Wirecard-Auftrag Zahlungen abgewickelt hätten. Vor der Pleite im Sommer 2020 habe das Unternehmen mutmaßliche Scheinbuchungen i.H.v. 1,9 Mrd. Euro eingeräumt, das Geld werde bis heute vermisst.

Kronzeuge Bellenhaus wolle in vollem Umfang kooperieren: "Er wird seine Schuld eingestehen", habe vor Verhandlungsbeginn Florian Eder, einer von Bellenhaus' Verteidigern, gesagt. Im Gegenzug würden sich die Verteidiger die Entlassung aus der Untersuchungshaft und im Urteil einen "sehr deutlichen Strafnachlass" für ihren Mandanten erhoffen. Die Kammer habe in der Verhandlung eine Verständigung darüber zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt.

Braun habe seinen ehemaligen Untergebenen bereits vor Prozessbeginn krimineller Machenschaften beschuldigt. Nach Brauns Darstellung hätten die seit 2020 vermissten Milliarden existiert, seien jedoch unter Beteiligung Bellenhaus' veruntreut worden. "Wenn derartige Angriffe kommen, sind das schlichtweg Nebelkerzen", habe Bellenhaus' Anwalt dazu gesagt. Ohne die angeblichen Erlöse des Drittpartnergeschäfts sei Wirecard defizitär gewesen, habe Staatsanwalt Matthias Bühring bei der mehrstündigen Verlesung des 89-seitigen Anklagesatzes gesagt. Die Milliardenkredite seien laut Anklage notwendig gewesen, "um den Kollaps des Unternehmens zu verhindern".

Wirecard habe als Zahlungsdienstleister an der Schnittstelle zwischen Kreditkartenfirmen und Banken sowie Einzelhändlern und sonstigen Verkäufern gegen Gebühr elektronische Zahlungen abgewickelt. Das Unternehmen habe jahrelang rasant steigende Umsätze gemeldet und sei 2018 an der Frankfurter Börse in den DAX aufgestiegen. Braun sei als größter Aktionär Milliardär geworden.

Im Sommer 2020 sei der Konzern zusammengebrochen und habe Insolvenz angemeldet. Die britische "Financial Times" sei zuvor in jahrelanger Recherche den mutmaßlichen Manipulationen auf die Spur gekommen. Zweifel an den Wirecard-Bilanzen habe Braun bis ganz kurz vor dem Kollaps in Bausch und Bogen zurückgewiesen. Im Prozess werde der Ex-Vorstandschef sich auf bohrende Fragen zu seiner Opferrolle einstellen müssen.

So habe Staatsanwalt Bühring eine E-Mail des früheren Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann an Braun vom 21. April 2020 vorgelesen. Der Kontrolleur habe kategorisch die Veröffentlichung einer Ad-hoc-Mitteilung gefordert, dass eine Sonderprüfung schwere Mängel zu Tage gefördert habe, dass die Nachweise für das Drittpartnergeschäft gefehlt hätten. Braun habe jedoch das Gegenteil getan: Er habe die Finanzwelt wissen lassen, es gebe keinen Nachweis für Bilanzmanipulation.

Das sei nach derzeitigem Stand Anfang 2024 zu erwarten, so Markus Bußler vom Anlegermagazin "Der Aktionär" in einer aktuellen Aktienanalyse. (Analyse vom 08.12.2022)

(Mit Material von dpa-AFX)

Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link.

Börsenplätze Wirecard-Aktie:

Börse Hamburg-Aktienkurs Wirecard-Aktie:
0,0127 EUR -15,33% (06.05.2022, 17:00)

ISIN Wirecard-Aktie:
DE0007472060

WKN Wirecard-Aktie:
747206

Ticker-Symbol Wirecard-Aktie Deutschland:
WDI

Nasdaq OTC Ticker-Symbol Wirecard-Aktie:
WRCDF

Kurzprofil Wirecard AG:

Die Wirecard AG (ISIN: DE0007472060, WKN: 747206, Ticker-Symbol: WDI, Nasdaq OTC-Symbol: WRCDF) ist einer der weltweit führenden unabhängigen Anbieter von Outsourcing- und White-Label-Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr. Wirecard unterstützt Unternehmen dabei, elektronische Zahlungen aus allen Vertriebskanälen anzunehmen. Über eine globale Multi-Channel-Plattform stehen internationale Zahlungsakzeptanzen und -verfahren mit ergänzenden Lösungen zur Betrugsprävention zur Auswahl.

Für die Herausgabe eigener Zahlungsinstrumente in Form von Karten oder mobilen Zahlungslösungen stellt die Wirecard Gruppe Unternehmen die komplette Infrastruktur inklusive der notwendigen Lizenzen für Karten- und Kontoprodukte bereit.

Am 25.06.2020 stellte das Unternehmen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. (08.12.2022/ac/a/nw)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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