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Mi, 1. Februar 2023, 4:22 Uhr

Unsicherheit belastet zunehmend die globale Wachstumsdynamik


19.04.22 09:15
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Der vierteljährlich vom Internationalen Währungsfonds (IWF) ermittelte "World Uncertainty Index" unterstreicht die negative Wirkung des Ukrainekonflikts auf die globale Wirtschaft, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Zwar seien durch direkte Handelsrestriktionen und den Rückzug von Unternehmen aus Russland vor allem europäische Volkswirtschaften betroffen, während explodierende Nahrungsmittel-, Rohstoff- und Energiepreise weltweit spürbar seien. Doch je länger der Konflikt anhalte, umso stärker steige die globale Unsicherheit zu den weiteren wirtschaftlichen Perspektiven, wie die jüngste Veröffentlichung des in 143 Ländern ermittelten Unsicherheitsindex unterstreiche. Dadurch könnte das Weltwirtschaftswachstum in diesem Jahr um 0,35 Prozent geringer ausfallen, so die IWF-Experten - vorausgesetzt, es komme nicht zu einer weiteren Eskalationen, wie einem kompletten Lieferstopp für russische Energierohstoffe nach Europa. Auch eine mögliche Verschärfung der Nahrungsmittelknappheit, bspw. durch Missernten in anderen Regionen, könnte die wirtschaftlichen Aussichten noch stärker eintrüben.

Passend dazu sei im Rahmen der von den führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten erstellten Gemeinschaftsdiagnose die diesjährige Wachstumsprognose für Deutschland auf nur noch 2,7 Prozent nach unten revidiert worden. Die Inflationsprognose für den Jahresdurchschnitt 2022 sei hingegen mit 6,1 Prozent höher als noch im Herbst veranschlagt worden. Aufgrund der außergewöhnlichen Unsicherheiten hätten die Konjunkturforscher neben diesem noch relativ positiven Basisszenario ein Risikoszenario vorgestellt, demzufolge im Falle eines Stopps russischer Gaslieferungen das Wachstum in diesem Jahr nur 1,9 Prozent betragen und in 2023 sogar deutlich negativ ausfallen würde. Die Inflation würde in diesem Fall auf 7,3 Prozent ansteigen. Nehme man weitere schwelende Unsicherheitsfaktoren, wie die Corona-Pandemie, die noch immer massiv gestörten globalen Lieferketten und die bereits begonnene Zinswende in Europa und den USA hinzu, ergebe sich eine kaum berechenbare Gemengelage für die kommenden Monate. Mehr Klarheit für die Geschäftsaussichten und Einschätzungen der Unternehmen würden am Ende dieser Woche die Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindices für Deutschland, die Eurozone und die USA bringen. Zumindest in Europa dürfte sich die Stimmung der Unternehmen erneut eintrüben. (19.04.2022/ac/a/m)