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Mi, 5. Oktober 2022, 3:22 Uhr

Ukraine-Krise: Deutschlands Suche nach neuen Öl- und Gasquellen


25.02.22 13:55
Global X ETFs

New York (www.aktiencheck.de) - Rohan Reddy, Rohstoffanalyst bei Global X, erläutert die möglichen Auswirkungen der Ukraine-Krise auf die europäischen, und vor allem deutschen, Rohstoffpreise.

Obwohl die Ölpreiserhöhungen weltweit zu spüren seien, wäre Europa aufgrund seiner starken Abhängigkeit von russischem Erdgas viel stärker durch Lieferunterbrechungen betroffen als die USA. In Europa seien die Erdgaspreise um mehr als 10% gestiegen, nachdem Deutschland als Reaktion auf den russischen Truppenaufmarsch in der Ukraine die Nord-Stream-2-Pipeline gestoppt habe. Die Preise in Nordwesteuropa seien jetzt fast fünfmal so hoch wie vor einem Jahr. Die Preise für Rohöl der Sorte Brent könnten aufgrund von Versorgungsengpässen auf über 100 Dollar pro Barrel steigen.

Die von den USA, der EU, Großbritannien und anderen westlichen Ländern verhängten Sanktionen würden sich derzeit auf russische Banken und Eliten konzentrieren. Es werde nicht erwartet, dass die US-Regierung von Biden den russischen Öl- und Kraftstoffsektor direkt ins Visier nehme, da sie Bedenken hinsichtlich der Inflation und der Beeinträchtigung der globalen Ölmärkte habe. Daher habe Putin angekündigt, dass Russland Europa weiterhin ununterbrochen mit Gas versorgen werde. Ob es bei dieser Entwicklung bleibe, sei jedoch fraglich.

Ein beträchtlicher Teil der russischen Erdgasexporte werde über Pipelines, die durch die Ukraine verlaufen würden, nach Europa geleitet. Diese aktuelle Situation könnte einen Großteil der europäischen Erdgasversorgung zum Erliegen bringen. Die USA und andere westliche Länder würden über alternative Erdgas- und Erdölquellen diskutieren, um ein russisches Defizit auszugleichen, aber angesichts des bereits angespannten Weltmarktes sei dies derzeit unklar. Katar beispielsweise habe erklärt, dass es schwierig wäre, die russischen Lieferungen nach Europa schnell zu ersetzen, da die meisten seiner LNG-Verkäufe an langfristige Verträge mit anderen asiatischen Ländern gebunden seien. Norwegen, Europas zweitgrößter Erdgaslieferant, sei mit seiner Lieferkapazität voll ausgelastet und könne die fehlenden Lieferungen aus Russland nicht ersetzen.

Im Dezember habe Deutschland 32% seines Gases aus Russland importiert - in manchen Monaten sei es sogar die Hälfte der Gasversorgung gewesen. Deutschland sei also in hohem Maße von russischem Gas abhängig. Es sei wahrscheinlich, dass die deutschen Gaspreise weiter ansteigen würden, insbesondere wenn sich die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen verschlechtern und weitere Sanktionen verhängt würden. Wie stark die Gaspreise ansteigen würden, hänge aber auch von anderen Entscheidungen ab, die Deutschland treffen müsse, nämlich von der Entscheidung über die Kernenergie, aus der es habe aussteigen wollen, sowie über fossile Brennstoffe.

Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran zur Wiederbelebung des Atomabkommens von 2015 würden in die Endphase gehen. Wenn beide Seiten eine Einigung über die Aufhebung der Sanktionen erzielen würden, könnte der Iran rasch Millionen von Barrel Rohöl exportieren und damit die hohen Ölpreise dämpfen. (Ausgabe vom 24.02.2022) (25.02.2022/ac/a/m)




 
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