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Mo, 30. Januar 2023, 15:13 Uhr

Steigende Corona-Zahlen verschlechtern die ohnehin gedämpfte wirtschaftliche Lage zusätzlich


03.12.21 10:35
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die steigenden Corona-Fallzahlen in Deutschland und anderen Staaten Europas verschlechtern die ohnehin gedämpfte wirtschaftliche Lage zusätzlich, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Für die deutsche Wirtschaft werde ein negatives Wachstum in Q4 damit immer wahrscheinlicher. Neben der Industrie und den Dienstleistungssektoren würden immer stärker auch der Handel und der Bau unter anhaltenden Lieferengpässen leiden. Einer Umfrage zufolge würden 78 Prozent aller befragten Einzelhändler unter Lieferproblemen leiden. Besonders gravierend sei die Situation im Handel mit Spielwaren, Fahrrädern, im KfZ-Handel und bei Baumärkten. Zuletzt habe auch die Konsumentenstimmung gemäß GfK-Konsumklimaindex nachgegeben. Die Menschen in Deutschland würden angesichts zunehmender Unsicherheit und trotz deutlich erhöhter Inflation planen, wieder mehr zu sparen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwarte für Deutschland in 2021 nur noch ein Wachstum in Höhe von 2,9 Prozent. Im nächsten Jahr sollte sich dann allerdings mit 4,1 Prozent ein deutlich dynamischeres Wachstum ergeben. Grundannahme dafür sei, dass sich sowohl die pandemiebedingten Einschränkungen als auch die Lieferkettenprobleme im Laufe des ersten Halbjahres 2022 sukzessive auflösen würden. Für die Weltwirtschaft, die USA und China würden die OECD-Experten mit einem nachlassenden Wachstum im kommenden Jahr rechnen.

Vor allem für China seien die Wachstumserwartungen deutlich auf nur noch 5,1 Prozent reduziert worden. Hier sei der Hintergrund unter anderem ein geringerer Wachstumsbeitrag des Immobiliensektors. Die OECD verweise jedoch auch auf nennenswerte Risiken, die für eine schlechter als erwartete Entwicklung sorgen könnten. Neben einer ausgeprägten Wachstumsschwäche in China seien vor allem anhaltend hohe oder noch steigende Inflationstendenzen als Folge eines dauerhaften Nachfrageüberhangs bei begrenztem Angebot sowie fortgesetzte Energieengpässe relevant.

Weltweit hätten die Inflationsraten auch im November erneut deutlich angezogen, in Deutschland bis auf 5,2 Prozent bzw. sogar 6,0 Prozent für den Harmonisierten Verbraucherpreisindex, der einen internationalen Vergleich zulasse. Inflationstreibend seien erneut massiv ansteigende Erzeugerpreise gewesen, die mit einem Plus in Höhe von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat und 18,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr den stärksten Anstieg seit 1951 zu verzeichnen gehabt hätten.

Die Zinsen für deutsche und US-Staatsanleihen hätten im November nachgegeben und würden eine bereits seit Monaten zu beobachtende ungewöhnliche Diskrepanz im Vergleich zur stetig steigenden Inflation untermauern. Es sei daher davon auszugehen, dass die Zinsen in den kommenden Monaten sukzessive ansteigen würden, obwohl der Inflationsdruck zumindest leicht nachgeben dürfte.

Folglich sei schon ab Dezember mit einer zügigeren Reduktion der monatlichen Wertpapierkaufvolumina durch die US-Notenbank FED zu rechnen. Eine erste Leitzinserhöhung werde in den USA derzeit für das zweite Quartal 2022 erwartet. Der Euro dürfte daher zunächst schwach tendieren, bis voraussichtlich im Laufe des ersten Quartals auch vonseiten der EZB ein weniger expansiver geldpolitischer Kurs angekündigt werde.

Die Bundesbank verweise in ihrem jüngst veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht 2021 unter anderem auf zunehmende Risiken durch hohe Immobilienpreise und ein im Zuge der Coronakrise stark ausgeweitetes Kreditvolumen. Zudem bestehe die Gefahr, dass "sich bei Marktakteuren die Erwartung stärker verankert hat, dass die Entkopplung gesamtwirtschaftlicher und einzelwirtschaftlicher Risiken dauerhaft Bestand hat und selbst im Falle makroökonomischer Krisen kaum individuelle Verluste zu erwarten sind", so die Bundesbank. Sofern die EZB diese Risiken ähnlich einschätze und vor dem Hintergrund der immer stärker steigenden Inflation, müsste zeitnah analog zur FED in den USA eine geldpolitische Wende vorbereitet werden.

Die Aussichten für die Kapitalmärkte würden vorerst kaum verändert bleiben: tief negative Realzinsen würden reale Anlageklassen wie Aktien, Edelmetalle oder Immobilien grundsätzlich unterstützen. Allerdings würden geldpolitische Kurswechsel, unsichere Konjunkturperspektiven und die anhaltende Corona-Pandemie verstärkte Unsicherheiten mit sich bringen. Es sei daher in den kommenden Monaten immer wieder mit kleineren Rückschlägen zu rechnen. Mehr als noch im laufenden Jahr werde es wichtig sein, in jeder Anlageklasse die richtigen Einzelanlagen auszuwählen. (03.12.2021/ac/a/m)




 
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