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Di, 6. Dezember 2022, 5:09 Uhr

Inflation

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Stagflationärer Schock und Lieferkettenprobleme sorgen für sinkende Wachstums- und steigende Inflationsprognosen


03.06.22 14:36
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Der stagflationär wirkende Schock der Ukrainekrise sowie die globalen Lieferkettenprobleme durch die Corona-Restriktionen in China sorgen weiterhin für sinkende Wachstums- und gleichzeitig steigende Inflationsprognosen, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

So habe das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) kürzlich die Erwartung für das Wirtschaftswachstum in Deutschland im laufenden Jahr auf nur noch 1,7 Prozent reduziert, gefolgt von 2,5 Prozent im Jahr 2023. Der Anstieg der Verbraucherpreise werde für 2022 auf 6,7 Prozent im Jahresmittel taxiert. Damit bleibe aber die Grundannahme, dass trotz diverser Belastungsfaktoren eine Rezession vorerst vermieden werden könne.

Die erneute Wachstumsabschwächung sei in Deutschland vor allem auf wieder zunehmende Lieferengpässe für wichtige Vorprodukte zurückzuführen. Gemäß Umfragen des ifo-Instituts hätten zuletzt 77 Prozent der befragten Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe von Lieferkettenproblemen berichtet. In für die deutsche Volkswirtschaft besonders wichtigen Segmenten wie dem Maschinenbau, der Elektro- und Automobilindustrie liege der Wert sogar bei rund 90 Prozent. Trotzdem seien die Geschäftserwartungen der Automobilindustrie zuletzt erneut gestiegen. Einerseits würden steigende Kosten weiter auf die Endverbraucherpreise durchgereicht. Zudem seien die Unternehmen in der Lage, Engpässe durch den Umbau von Lieferketten zu kompensieren.

Im Einzelhandel würden sogar 80 Prozent aller befragten Unternehmen von Lieferengpässen berichten. Der positive Effekt der aufgehobenen Corona-Restriktionen werde durch massiv steigende Verbraucherpreise teilweise ausgebremst. Trotzdem sei davon auszugehen, dass der private Konsum angesichts krisenbedingt hoher Ersparnisse der letzten Jahre auf gesamtwirtschaftlicher Ebene konjunkturstützend wirken werde. Dazu trage auch die Perspektive von im Jahresverlauf stärker steigenden Löhnen sowie die weitere Reduktion der Kurzarbeit in Deutschland - nach ifo-Schätzungen auf nur noch 277.000 im Mai - bei. Offensichtlich würden sich die Unternehmen nicht auf eine lang anhaltende wirtschaftliche Schwächephase einstellen, sondern sich schon jetzt auf den folgenden wirtschaftlichen Wiederaufschwung fokussieren.

Da gleichzeitig die Preiserwartungen der Unternehmen zuletzt leicht gesunken seien, sei im Laufe des Sommers mit einem Überschreiten der Inflationsspitze in Deutschland und der Eurozone zu rechnen. Die EZB werde trotzdem vorerst einen restriktiveren geldpolitischen Kurs mit der Beendigung der Nettowertpapierkäufe im Juni und einer ersten Anhebung der Einlagenzinsen für Banken ab Juli ansteuern. In der Sitzung des EZB-Rates am 9. Juni werde mit besonderer Spannung auf die Anpassung der Wachstums- und Inflationsprojektionen der Notenbank für die kommenden Jahre geachtet werden, um Rückschlüsse auf die weitere geldpolitische Ausrichtung zu erhalten.

Aus europäischer Perspektive sollten Anleger auch die am 12. Und 19. Juli stattfindenden Parlamentswahlen in Frankreich im Blick behalten. Umfragen würden derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Präsidentschaftspartei Macrons mit einem Linksbündnis andeuten. Sollte Macron einen Mehrheit im Parlament verfehlen, wäre zwar eine deutlich geringere Reformdynamik vonseiten Frankreichs zu erwarten. Allerdings bestünde für die grundsätzlich proeuropäische Ausrichtung der französischen Politik keine Gefahr. Auch die US-Volkswirtschaft habe sich zuletzt leicht abgekühlt, befinde sich aber gemäß ISM-Einkaufsmanagerindices weiterhin deutlich im expansiven Bereich. In den USA dürfte die Inflationsspitze bereits überschritten sein, so dass die US-Notenbank FED nach zwei weiteren Zinsschritten um jeweils 50 Basispunkte bis September eine Pause einlegen könnte. Damit sinke die Wahrscheinlichkeit eines Abrutschens der US-Konjunktur in eine Rezession.

Sofern es kurzfristig nicht zu weiteren Eskalationen im Zuge des Ukrainekrieges und bspw. einem kompletten Gaslieferstopp Russlands nach Europa komme, dürfte sich die Erholungstendenz der Aktienmärkte und des Euro aufgrund der im Vergleich zu den Vorwochen etwas optimistischeren Aussichten fortsetzen. (03.06.2022/ac/a/m)




 
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