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Fr, 3. Februar 2023, 5:31 Uhr

Sicherer Kurs für eine Stagflation?


26.10.21 09:55
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Sowohl die jüngsten Schnellschätzungen der Markit-Einkaufsmanagerindices für Deutschland und die Eurozone als auch der ifo-Geschäftsklimaindex sprechen eine klare Sprache: die wirtschaftliche Dynamik schwächelt, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Dabei werde die deutsche Industrie, insbesondere der Automobilsektor, durch anhaltende Lieferengpässe und resultierende Produktionsdrosselungen ausgebremst. Die Kapazitätsauslastung habe zuletzt um 2,1 Prozentpunkte auf 84,7 Prozent nachgegeben. Auch in den Sektoren Dienstleistungen und Handel würden zunehmende Lieferengpässe auf die Geschäftsaussichten der Unternehmen drücken, sodass die ifo-Konjunkturuhr mittlerweile sogar eine wirtschaftliche Abkühlung, also eine Kombination aus einer überdurchschnittlichen Lage- und einer nachgebenden Erwartungskomponente, anzeige.

Das ebenfalls nachgebende Wachstum der Auftragseingänge verdeutliche, dass sich die globale Abschwächung zunehmend auch auf die Nachfrageseite auswirke - und gerade in Deutschland auf die Exportnachfrage durch die konjunkturelle Schwächephase Chinas. Schon im August seien rückläufige Auftragseingänge für das Verarbeitende Gewerbe vor allem auf nachgebende Orders für Investitionsgüter aus dem nichteuropäischen Ausland zurückzuführen gewesen.

Insgesamt sei in Deutschland für das vierte Quartal eine wirtschaftliche Stagnation wahrscheinlich. Auf europäischer Ebene sei ebenfalls eine Abkühlung der wirtschaftlichen Dynamik zu verzeichnen, wenngleich diese weniger stark ausfalle. Als zusätzlicher Grund werde gemäß Einkaufsmanagerindices die Befürchtung wieder steigender Corona-Fallzahlen mit negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft befürchtet. Andererseits widerspreche die Zunahme der Beschäftigungsrate der These einer beginnenden Stagflation. Trotz wirtschaftlicher Schwächesignale sei bei der Inflation allerdings vorerst keine Entlastung zu erwarten.

In dieser Woche würden für Deutschland und die Eurozone die Oktober-Verbraucherpreisindices sowie der Anstieg der deutschen Importpreise veröffentlicht. Erwartet werde jeweils ein erneut stärkerer Anstieg, der schon in den letzten Wochen für steigende Zinsen bei Staatsanleihen gesorgt habe. Damit rücke auch die Sitzung des EZB-Rates in den Vordergrund. Zwar sei keine veränderte Einschätzung der Inflationserwartungen der EZB wahrscheinlich, doch werde eine Indikation zur weiteren Handhabung des Ende März auslaufenden PEPP-Anleihekaufprogramms erwartet.

Angesichts des steigenden Inflationsdrucks sei davon auszugehen, dass nach der US-Notenbank FED ab dem zweiten Quartal auch die EZB die Volumina ihrer Anleihekäufe reduziere. Während die Zinsen sukzessive weiter anziehen dürften, würden sich die Aussichten für Aktien zunehmend eintrüben. (26.10.2021/ac/a/m)