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Fr, 9. Dezember 2022, 16:57 Uhr

Rezession könnte Chancen für Aktienanleger verbessern


28.06.22 11:08
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Unternehmensstimmungsindices, wie der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland oder die global für verschiedene Regionen erhobenen Markit-Einkaufsmanagerindices zeichnen derzeit ein einheitliches Bild: die Wirtschaftsdynamik schwächt sich im Sommer deutlich ab, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Handel und in der Baubranche würden die Geschäftserwartungen auf sehr niedrigen Niveaus verharren. Neben den bekannten Lieferkettenproblemen und Kostenexplosionen belaste auch ein sinkender Auftragseingang die Perspektiven. Zudem könnten gestiegene Kosten nur noch in geringerem Ausmaß an Endverbraucher durchgereicht werden, da deren Budgets durch die stark steigenden Lebenshaltungskosten begrenzt seien. Gerade in der deutschen Industrie werfe auch eine möglicherweise drohende Gasknappheit ihre Schatten voraus. Sollte es zu Gas-Rationierungen im Winterhalbjahr kommen, wäre spätestens dann eine Rezession in Deutschland nicht mehr vermeidbar. Nur ohne dieses Szenario und ohne Corona-Restriktionen ab Herbst , könnte mit Unterstützung des noch vergleichsweise stabilen Dienstleistungssektors ein leicht positives Wachstum erhalten bleiben.

Sehr deutlich werde der wirtschaftliche Bremseffekt derzeit auch in den USA, wo neben der hohen Inflation vor allem die bereits stark gestiegenen Zinsen die private Konsumnachfrage drücken würden. Letztlich könne aber genau dieser leichte wirtschaftliche Abschwung einigen Druck aus dem hochkochenden Inflationskessel ablassen. Eine geringere Nachfrage entlaste angespannte Lieferketten und relativiere zu geringe Produktionskapazitäten bei vielen Rohstoffen. Zudem werde der vor allem in den USA stark gestiegene Lohndruck abnehmen. Erste Unternehmen würden bereits berichten, dass freie Stellen wegen der unsicheren Geschäftsaussichten nicht mehr nachbesetzt würden. Damit entstehe die Möglichkeit, dass die Inflationsraten nicht nur kurzfristig ihren Höhepunkt überschreiten würden, sondern im zweiten Halbjahr sogar stärker als derzeit erwartet nachgeben könnten. Daraus resultierender, etwas geringerer Leitzinserhöhungsdruck wiederum wäre positiv für die Aktienmärkte, wie schon die ungewöhnlich gute Wertentwicklung von US-Technologieaktien in der letzten Woche gezeigt habe. Solange keine lang anhaltende und tiefe Rezession wahrscheinlich sei, würden sich für Aktienanleger gute Chancen auf eine bessere Kursentwicklung im zweiten Halbjahr eröffnen. (28.06.2022/ac/a/m)


 
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