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Di, 6. Dezember 2022, 3:54 Uhr

Konjunkturelle Dynamik nimmt deutlich ab


01.07.22 10:25
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die jüngsten Umfragen unter Unternehmen - insbesondere die Schnellschätzungen der Markit-Einkaufsmanagerindices für Europa und die USA - zeichnen ein klares Bild: die konjunkturelle Dynamik nimmt deutlich ab, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch bei Dienstleistern würden sich die aggregierten Umfragewerte nur noch knapp oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten befinden, ab der eine zunehmende Produktion für die kommenden Monate zu erwarten sei. Die derzeitigen Kern-Belastungsfaktoren seien wie gehabt explodierende Energie- und Rohstoffpreise, steigende Zinsen, stockende Lieferketten und daher fehlende Vorprodukte sowie massiv steigende Lebenshaltungskosten, die den privaten Konsum ausbremsen würden. Neu hinzu sei allerdings gekommen, die zunehmende Schwierigkeit der Unternehmen, die hohen Kosten an die Endverbraucher durchzureichen und dass der Zufluss an neuen Aufträgen ins Stocken gerate.

Für den weiteren Verlauf seien vor allem zwei Faktoren entscheidend:

Für Europa die Frage, ob die derzeit - offiziell wartungsbedingt - deutlich gedrosselten Gasliefermengen aus Russland zeitnah wieder angehoben würden oder möglicherweise ganz versiegen würden. Letzteres Szenario hätte unvermeidbar eine Rezession zur Folge, deren Dauer und Ausmaß derzeit kaum abgeschätzt werden könne. Denn sollte die höchste Stufe des "Notfallplans Gas" der Bundesregierung ausgerufen werden und es zu Gasrationierungen für einzelne Industrieunternehmen kommen, würden über zusätzlich fehlende Vorprodukte ohnehin belastete Lieferketten unterbrochen werden und diverse weitere Unternehmen müssten ihre Produktion kürzen.

Für die USA die Frage, wie stark die bereits durch die Notenbank FED erfolgten Leitzinsanhebungen die wirtschaftliche Dynamik und damit auch den Inflationsdruck abbremsen würden. Davon hänge ab, ob die FED den Leitzins tatsächlich bis auf 3,50 oder 4,00 Prozent p.a. bis Jahresende anheben werde und ob die US-Volkswirtschaft im Winterhalbjahr in eine Rezession abrutschen könnte.

In China hingegen deute sich das konjunkturelle Licht zaghaft am Horizont an. Sowohl die jüngste Entscheidung der chinesischen Regierung, die Quarantänephase für Ankommende aus dem Ausland deutlich zu verkürzen, als auch die zunehmende Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, bspw. in Shanghai, würden eine etwas gelockerte Umsetzung der nach wie vor maßgeblichen "Null-Covid"-Strategie erkennen lassen, die der Wirtschaft eine Erholung ermöglichen könnte. Passend dazu hätten die chinesischen Einkaufsmanagerindices sowohl für die Industrie als auch für Dienstleister zuletzt deutlich zugelegt und jeweils die Marke von 50 Punkten überschritten. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dürfte davon auch die weltweit stockende Containerabfertigung profitieren und wie schon einmal am Jahresanfang eine langsame Besserung der Lieferkettenprobleme starten, die wiederum auch der deutschen Industrie eine Produktionssteigerung ermöglichen würde.

Für Anleger bleibe die Situation nach einem historisch schlechten ersten Halbjahr an den internationalen Börsen damit vorerst sehr schwierig. Kurzfristig könnten aufgrund unberechenbarer politischer Entscheidungen, vor allem in Russland, massive weitere Belastungsfaktoren hinzukommen, die bestehende Abwärtstrends zunächst untermauern würden. Die globale wirtschaftliche Abkühlung dürfte jedoch auch den nachfrageseitig vorhandenen Inflationsdruck dämpfen und weiteren starken Zinssteigerungen den Boden entziehen. Das wiederum würde Realzinsniveaus anhaltend tief halten, wodurch die Nachfrage nach realen Anlagen steigen sollte. An den Aktienmärkten seien seit Mai positive Entwicklungen in China erkennbar, die sich mit einer Konkretisierung der anfänglichen wirtschaftlichen Erholung dort fortsetzen dürften. (01.07.2022/ac/a/m)




 
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