Suchen
Login
Anzeige:
Di, 6. Dezember 2022, 4:23 Uhr

Internationale Kapitalmärkte im Korrekturmodus


02.09.22 15:08
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die internationalen Kapitalmärkte durchleben derzeit einen nahezu alle Segmente umfassenden Korrekturmodus, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei DONNER & REUSCHEL AG.

Sowohl die wichtigsten europäischen, asiatischen und US-Aktienindices als auch Rohöl, Gold und Bitcoin würden sich aus charttechnischer Sicht in kurz-, mittel- und teilweise langfristigen Abwärtstrends befinden. Auch die Kurse von Staatsanleihen hätten zuletzt überwiegend mit der Folge steigender Renditen in der Eurozone und in den USA korrigiert. Da überwiegend noch keine Bodenbildungen erkennbar seien, sollten Anleger vorerst vorsichtig positioniert bleiben und bestehende Investments durch enge Stopps absichern.

Diese Entwicklung an den Börsen sei Ausdruck der nach wie vor schwachen Perspektiven für die globale Konjunkturdynamik. In China hätten angesichts erneut steigender Corona-Neufallzahlen die Lockdowns ganzer Millionenmetropolen wieder zu - mit entsprechenden Belastungen der wirtschaftlichen Aktivität. In Europa würden steigende Gas- und Strompreise sowie die Aussicht auf die künftig stärkere Überwälzung auf die Endkunden der Versorger die Investitionsbereitschaft von Unternehmen und den privaten Konsum belasten. Gleichzeitig sei die angekündigte Unterstützung von politischer Seite zumindest in Deutschland noch nicht klar genug umrissen, so dass eine enorme Unsicherheit die wirtschaftliche Entwicklung dämpfe. Vor allem Menschen und Unternehmen, die aufgrund des Energiepreisanstiegs in existenzielle Not geraten könnten, sollten umfassende Hilfe bekommen. Kontraproduktiv wären pauschale Entlastungen, wie etwa durch Preisdeckel, da sie den dringend benötigten Anreiz zum Einsparen von Energie abschwächen würden.

Die in den letzten Tagen deutlich nachgebenden Großhandelspreise an den europäischen Gas- und Strombörsen dürften nicht als dauerhafte Entlastung verstanden werden. Vielmehr zeige sich dadurch welch enorme Verunsicherung am Markt herrsche. Dabei komme es auch zu spekulativen Überreaktionen nach oben, die durch kurzfristige erhebliche Verlustphasen korrigiert werden könnten. Die an der Börse gehandelten Preise für Strom und Gas würden noch nicht die tatsächliche Knappheit widerspiegeln, sondern die Möglichkeit künftig notwendiger Rationierungen. Deren Wahrscheinlichkeit und Ausmaß sei aber kaum zu prognostizieren, woraus die gerade erkennbaren heftigen Schwankungen resultieren würden. Kurzfristig besonders relevant für die weitere Preisentwicklung sei die Frage, ob nach der derzeitigen wartungsbedingten Lieferunterbrechung über die Gaspipeline Nord Stream 1 tatsächlich wieder ab Samstag Gas fließe. Falls ja, sollte - trotz des bereits deutlich fortgeschrittenen Lagerbestandsaufbaus in Deutschland auf 84 Prozent der maximalen Kapazität - die Unsicherheit über einen möglichen kompletten Gaslieferstopp und daher drohende Rationierungen im Winterhalbjahr bestehen bleiben würden.

Jüngste Äußerungen von Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, sowie Jerome Powell, Präsident der US-Notenbank FED, würden verdeutlichen, dass viele Notenbanken sich derzeit zuvorderst auf die Bekämpfung der stark erhöhten Inflationsdynamiken fokussieren würden. Eindeutig sei dabei auch die Inkaufnahme einer Rezession in Aussicht gestellt worden. Nagel habe betont, dass man jetzt dafür sorgen müsse, dass sich Inflationserwartungen nicht auf erhöhten Niveaus verfestigen würden und es damit immer schwieriger wäre, die Inflation in den Griff zu bekommen. Er habe daher sogar ein "Front-Loading" in Aussicht gestellt, also die Möglichkeit, die Leitzinsen sogar etwas schneller und stärker als notwendig anzuheben. Da sich andere EZB-Ratsmitglieder zuletzt ähnlich geäußert hätten, liege die Erwartung an die kommende Ratssitzung am 8. September mittlerweile bei einer Leitzinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte. Auch diese Perspektive habe letztlich zur breiten Kurskorrektur an den Börsen beigetragen. Allerdings gehöre genau diese sehr falkenhafte Rhetorik der Notenbanken auch zu deren Standard-Instrumentarium und dürfte tatsächlich dazu beitragen, dass die Inflationserwartungen gedämpft würden. Ob tatsächlich, wie von Powell avisiere, eine lang anhaltende geldpolitisch restriktive Phase daraus resultiere, könne angesichts der sehr unsicheren und dynamischen Zukunftsaussichten für die weltwirtschaftliche Entwicklung derzeit kaum prognostiziert werden. Die Notenbanken würden sich somit vor allem durch die künftigen volkswirtschaftlichen Datenveröffentlichungen leiten lassen. (02.09.2022/ac/a/m)





 
Werte im Artikel
1,25 plus
+150,00%
0,030 plus
+18,31%
-    plus
0,00%
17.040 minus
-0,10%
10,00 minus
-3,85%