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Di, 31. Januar 2023, 22:01 Uhr

IWF erwartet weiterhin dynamisches Wachstum der Weltwirtschaft


22.10.21 13:55
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - In vielen Volkswirtschaften bereiten die zuletzt wieder steigenden Corona-Neufallzahlen Sorgen. So Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

So sei bspw. für Russland - wo nur etwa 33 Prozent vollständig geimpft seien - die erste Novemberwoche als arbeitsfrei angeordnet worden, um die aktuelle Infektionswelle zu brechen. Obwohl die Situation aufgrund der sehr viel niedrigeren Impfquote nicht vergleichbar sei, werde trotzdem deutlich, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie ein Risikofaktor für die weltwirtschaftliche Entwicklung bleiben würden.

Trotzdem erwarte der Internationale Währungsfonds IWF gemäß seines jüngsten World Economic Outlook weiterhin ein dynamisches Wachstum der Weltwirtschaft um 5,9 Prozent in diesem und 4,9 Prozent im kommenden Jahr. Da jedoch sowohl für das dritte als auch das laufende vierte Quartal bereits deutliche Bremsspuren in vielen Volkswirtschaften erkennbar seien, könnten sich die Prognosen für 2021 als zu positiv erweisen.

So habe die Wirtschaft in China im dritten Quartal nur noch um 0,2 Prozent zulegen können, habe also nahezu stagniert. Die Wachstumsraten der Industrieproduktion und der Anlageinvestitionen hätten im Vergleich zum Vormonat erneut nachgegeben, während immerhin die Einzelhandelsumsätze leicht stärker hätten zulegen können. In den USA sei die Industrieproduktion im September um 1,3 Prozent gesunken. Basisannahme bleibe aber, dass sich die bestehenden Lieferengpässe und Produktionskostenexplosionen im ersten Halbjahr 2022 sukzessive auflösen würden und die Wirtschaft dann wieder zu dem dynamischen Nach-Corona-Wachstumspfad zurückkehren werde.

Ebenfalls habe der IWF seinen aktuellen Global Financial Stability Report veröffentlicht. Neben wesentlichen Fortschritten für die weltwirtschaftlichen Perspektiven, wie bspw. stark erholten Unternehmensgewinnen, einem verbesserten Kreditumfeld und unterstützender Finanzierungsbedingungen für Staaten würden aber auch gewichtige Risikofaktoren benannt, vor allem die derzeit nachlassende Wachstumsdynamik, die Gefahr inflationsbedingt stärker steigender Zinsen und das Platzen möglicher Immobilienpreisblasen.

Vor diesem Hintergrund empfehle der IWF der Fiskalpolitik weiterhin zielgerichtete Unterstützungsmaßnahmen für die Stabilisierung der Volkswirtschaften, regulatorische Beschränkungen zur Vermeidung von Preisblasen und insbesondere für Schwellenländer Strukturreformen. Den Notenbanken werde nahegelegt, die Normalisierung der geldpolitischen Ausrichtung vorsichtig anzugehen, um die Finanzierungskonditionen weltweit nicht zu schnell und zu stark ansteigen zu lassen. Gleichzeitig solle aber auch ein zu starker Anstieg der Inflationserwartungen vermieden werden. Es werde die Quadratur des Kreises verlangt, mit der sich die Notenbanken nachvollziehbarerweise schwertun würden.

Erkennbar sei das besonders an der extrem vorsichtigen Kommunikation der US-Notenbank FED nach deren letzter Zinssitzung, in der Jerome Powell, der FED-Präsident, angedeutet habe, dass im Falle weiterer Fortschritte bei der Erreichung des Inflationsziels und des Ziels der Vollbeschäftigung möglicherweise zeitnah der Zeitpunkt für eine Reduzierung der Wertpapierkaufvolumina erreicht sein könnte. Obwohl die Arbeitsmarktdaten zuletzt eher gemischt ausgefallen seien, sei angesichts des erheblichen Inflationsdrucks davon auszugehen, dass in der nächsten Sitzung des FED-Entscheidungskomitees (FOMC) Anfang November der Beginn des Tapering ab dem ersten Quartal 2022 beschlossen werde. An den Kapitalmärkten dürften daraus kaum nennenswerte Reaktionen entstehen, nachdem dieser Schritt schon lange erwartet werde.

Für ein Agieren der FED spreche auch der zuletzt erkennbare Anstieg der Inflationserwartungen in den USA. Bei einem weiteren Zögern würde die Notenbank Gefahr laufen, sehenden Auges eine sich verselbständigende Inflationsspirale zuzulassen. Ohnehin dürften die massiven Lieferengpässe trotz sukzessiver Auflösung ab 2022 noch anhaltend für erhöhten Preisdruck sorgen. Auch die Energiepreise würden angesichts des anstehenden Winterhalbjahres auf der Nordhalbkugel der Erde und verschiedener bestehender Produktionsbeschränkungen vorerst erhöht bleiben.

Die Perspektiven für Kapitalmärkte würden damit kaum verändert bleiben: trotz leicht steigender Zinsen unterstützen grundsätzlich niedrige Zinsniveaus weiterhin reale Anlageklassen, wie Aktien, Edelmetalle und Immobilien. Neben der Corona-Pandemie und der kurzfristigen wirtschaftlichen Schwäche seien Fehler der Geld- oder Fiskalpolitik ein zunehmendes Kernrisiko, durch das die Gefahr vermehrter Kursrücksetzer zunehme. (22.10.2021/ac/a/m)





 
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