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Fr, 2. Dezember 2022, 20:41 Uhr

Hohe Energiekosten belasten die Konjunktur


16.09.22 10:35
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Trotz der deutlich gesunkenen Großhandelspreise bzw. Börsenkurse für Gas und Strom in Europa, bleiben die weiterhin hohen Energiekosten ein wesentlicher Belastungsfaktor für die Konjunktur im Winterhalbjahr, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Die bisher vor allem auf Ebene der Importeure und Versorger auflaufenden Mehrkosten würden in den kommenden Monaten sukzessive, aber in noch nicht abschätzbarer Höhe an die Endverbraucher durchgereicht.

Dadurch entstehe auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ein bedeutender Wohlfahrtsverlust für die meisten europäischen Volkswirtschaften. Einige Private sowie Unternehmen würden zudem vor existenzielle Probleme gestellt, die durch staatliche Stützungsmaßnahmen nur teilweise abgefedert werden könnten. Die Zahl der Insolvenzen werde damit weiter ansteigen und die ungewöhnlich niedrigen Niveaus seit Beginn der Coronakrise verlassen. Auch dürften die Arbeitslosenquoten in vielen europäischen Staaten anziehen, auch wenn dieser Effekt nur moderat ausfalle. Einerseits würden nach wie vor staatliche Stützungsmaßnahmen greifen, andererseits würden Unternehmen versuchen, ihre Mitarbeiter - angesichts des umfassenden Mangels an qualifizierten Arbeitskräften - zu halten.

Die von einigen Wirtschaftsforschungsinstituten zuletzt erneut deutlich nach unten revidierten Wachstumsprognosen und gleichzeitig gestiegenen Inflationserwartungen insbesondere für das kommende Jahr 2023 würden verdeutlichen, dass die bisherigen Stärken der deutschen Volkswirtschaft aktuell nicht mehr tragen würden. Vielmehr würden Handelskonflikte, pandemie- und kriegsbedingte Lieferkettenunterbrechungen sowie explodierende Rohstoffpreise die Abhängigkeit von günstigen (Energie-)Rohstoffen, diversen Vorleistungen aus dem Ausland sowie den Export von Industrieprodukten offenbaren. Damit würden gleichzeitig einige wesentliche Stützen des jahrzehntelang funktionierenden Erfolgsmodell Deutschlands wegbrechen.

Das ifo-Institut habe in diesem Zusammenhang jüngst eine Adjustierung des "Geschäftsmodells Deutschland" gefordert. Unternehmen und Politik stünden damit nicht nur vor der Herausforderung, die akuten Probleme im kommenden Rezessions-Winterhalbjahr zu überstehen, sondern sich auf ein in den kommenden Jahren funktionierendes Modell zu transformieren. Dafür müssten bestehende erfolgskritische Abhängigkeiten reduziert und trotzdem die enge Kooperation und internationale Arbeitsteilung mit verlässlichen Partnern forciert werden.

Verglichen damit sei die US-Volkswirtschaft in einer komfortableren Situation, da die Abhängigkeit von Rohstoffimporten deutlich geringer sei. Insbesondere bei Energierohstoffen sei man nahezu autark und in nur geringem Maße von Sanktionen gegenüber Russland betroffen. Hinzu komme eine deutlich geringere Abhängigkeit von internationalen Exportmärkten und damit globalen Lieferketten. Die wesentlichste Stütze der US-Konjunktur sei hingegen der inländische private Konsum, den die US-Notenbank FED - die im Vergleich zur EZB den Vorteil habe, nur für eine einzige Volkswirtschaft die passende Geldpolitik umsetzen zu müssen - über die Veränderung der Leitzinsen gut steuern könne. Schon heute hätten die stark gestiegenen Zinsen seit Anfang 2022 für erhebliche Korrekturen bei Vermögenspreisen, bspw. Aktien und Immobilien, gesorgt und würden so die konjunkturelle Dynamik dämpfen. Sollte die Wirtschaft zu stark abgewürgt werden, könnte die FED schnell wieder auf einen weniger restriktiven geldpolitischen Kurs umschwenken, vorausgesetzt die Inflationsdynamik nehme wie zuletzt weiter ab. (16.09.2022/ac/a/m)




 
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