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Fr, 3. Februar 2023, 5:23 Uhr

Globale Wachstumsdynamik lässt im dritten Quartal deutlich nach


05.11.21 11:15
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die globale Wachstumsdynamik hat im dritten Quartal deutlich nachgelassen, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

So habe China im Vergleich zum Vorquartal nur noch ein Wachstum von 0,2 Prozent verzeichnet. Die US-Wirtschaft habe um ca. 0,5 Prozent zugelegt, während Deutschland 1,8 Prozent vermeldet habe. In den anderen großen Volkswirtschaften der Eurozone sei das Wachstum teilweise deutlich höher ausgefallen - so zum Beispiel Frankreich mit drei Prozent, Italien mit 2,6 Prozent oder Spanien mit zwei Prozent - wodurch die Eurozone insgesamt noch um 2,2 Prozent zugelegt habe.

Für das vierte Quartal sei in Deutschland mit einer gesamtwirtschaftlichen Stagnation, also in etwa einem Nullwachstum zu rechnen. Darauf würden jüngste Umfragen unter Unternehmen deuten, wie der ifo-Geschäftsklimaindex. Hintergrund seien vor allem die anhaltenden Engpässe bei diversen Vorprodukten, Transportkapazitäten und Rohstoffen, die es der Industrie und zunehmend auch Unternehmen aus den Bereichen Handel und Dienstleistungen nicht ermöglichen würden, die hohe Nachfrage zu bedienen. Dabei seien die Auftragseingänge für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland - aufgrund einiger Großaufträge für den Maschinenbau aus dem außereuropäischen Ausland - im September um 1,3 Prozent gestiegen. Das ifo-Institut schätze den durch Lieferengpässe verursachten Verlust an Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland auf 38 Mrd. Euro. Die Aufholung dürfte erst langsam im Laufe des ersten Halbjahres 2022 stattfinden.

Im Zusammenhang mit der im Oktober erneut deutlich gestiegenen Inflation in Deutschland in Höhe von 4,5 Prozent würden hierzulande von einem stagflationsähnlichen Szenario sprechen. Im Vergleich zu Stagflationsphasen der 1970er Jahre bestehe der entscheidende Unterschied jedoch in der vielerorts niedrigen Arbeitslosenquote. Grundsätzlich sei davon auszugehen, dass die Weltwirtschaft im Laufe des ersten Halbjahres den dynamischen Nach-Corona-Wachstumspfad wiederaufnehmen könne.

Im Gegensatz hierzu nehme die US-Wirtschaft schon im vierten Quartal wieder an Fahrt auf. Entsprechende Einkaufsmanagerindices würden sich weiterhin im expansiven Bereich befinden und hätten für den Bereich der Dienstleistungen deutlich zulegen können. Mit sinkenden Erst- und Folgeanträgen auf Arbeitslosenunterstützung sowie 571.000 neu geschaffenen US-Beschäftigungsverhältnissen habe es im Oktober auch positive Nachrichten vom Arbeitsmarkt gegeben. Angesichts der sehr hohen Inflationsdynamik (5,4 Prozent im September) sei dies der Anlass für die Notenbank FED, noch im November mit der Reduktion der Wertpapierkaufvolumina (Tapering) um 15 Mrd. US-Dollar pro Monat zu beginnen.

Sollte die FED diesen Kurs durchhalten, würde sie die Wertpapierkäufe bis Juli 2022 komplett zurückfahren. Angesichts der derzeit hohen Inflation wären dann erste Leitzinserhöhungen wahrscheinlich. Gemäß CME Fed Watch Tool würden für das zweite Halbjahr zwei Leitzinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte erwartet. Nicht auszuschließen sei aber eine schnellere geldpolitische Straffung, sofern die Inflation in den ersten Monaten des kommenden Jahres weiter sehr deutlich anziehen sollte. Stark steigende Inflationserwartungen, weiter anziehende Energiepreise und zuletzt vergleichsweise hohe Lohnsteigerungen würden eine steigende Wahrscheinlichkeit dafür untermauern.

An den internationalen Kapitalmärkten habe die lange vorbereitete konkrete Ankündigung des Tapering kaum für Bewegung gesorgt. Negative Realrenditen dürften weiterhin für eine generell hohe Nachfrage nach realen Anlagen sorgen. Allerdings würden der langsam nachlassende geldpolitische Stimulu, die Aussicht auf geringere fiskalische Unterstützung in den USA sowie anhaltende konjunkturelle Unsicherheiten in China das Kurspotenzial für Aktien in den kommenden Monaten senken, wenngleich eine kurzfristige momentumgetriebene Jahresendrallye nicht auszuschließen sei. Der Euro dürfte im Vergleich zum US-Dollar vorerst nicht deutlich aufwerten. (05.11.2021/ac/a/m)




 
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