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Mi, 1. Februar 2023, 4:55 Uhr

Flaschenhals-Rezession der deutschen Industrie


08.10.21 13:10
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die Wachstumsdynamik der deutschen Industrie wird zunehmend durch anhaltende Lieferengpässe, knappe Transportkapazitäten und stark steigende Strom- und Energiepreise ausgebremst, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Nach einem erneuten Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindex im September würden nun auch die jüngsten volkswirtschaftlichen Datenveröffentlichungen ein klares Bild des Industrieabschwungs zeichnen. So hätten die Auftragseingänge im August um 7,7 Prozent nachgegeben. Vor allem die Aufträge für Investitionsgüter aus dem nicht-europäischen Ausland seien deutlich gefallen. Entsprechend schwach seien auch die Industrieproduktion mit einem Minus von vier Prozent sowie die Exporte mit einem Rückgang von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat ausgefallen.

Das ifo-Institut spreche in diesem Zusammenhang von einer Flaschenhals-Rezession der deutschen Industrie. Zwar halte sich die Produktion im Dienstleistungssektor weiter auf hohen Niveaus, allerdings sei trotzdem ein deutlich schwächeres Wachstum der Gesamtwirtschaft für das vierte Quartal absehbar.

Auch die aktuell deutliche Abschwächung des Wachstums in China würden die kurzfristigen Aussichten deutscher Unternehmen belasten. Damit ergebe sich für die kommenden Monate sogar ein Szenario der Stagflation, denn die wirtschaftliche Schwäche werde derzeit durch anhaltend hohe Produktionskostensteigerungen sowie erhöhte Inflationsraten begleitet. Es bleibe jedoch die Basisannahme, dass diese Schwäche nur vorübergehend sein werde und die Weltwirtschaft sich nach dem Überwinden der aktuellen Engpässe im ersten Halbjahr nächsten Jahres wieder auf den Erholungspfad nach der Corona-Rezession einschwenken werde.

In den USA werde der heutige Arbeitsmarktbericht einen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Notenbank FED über die anstehende Drosselung der monatlichen Wertpapierkäufe (Tapering) haben. Nach einer mit 568.000 neu geschaffenen Stellen im September über den Erwartungen liegenden ADP-Beschäftigungsänderung sowie gesunkenen Erst- und Folgeanträgen auf Arbeitslosenunterstützung werde eine positive Entwicklung am US-Arbeitsmarkt - mit einer deutlichen Steigerung der Beschäftigung und einer sinkenden Arbeitslosenquote - erwartet. Damit wäre der Weg frei für eine Tapering-Ankündigung im November und dem voraussichtlichen Start im ersten Quartal 2022. Angesichts der derzeit bestehenden wirtschaftlichen Unsicherheiten sei jedoch mit einem langsamen Abbau der Wertpapierkaufvolumina zu rechnen. Damit sei die Frage, ob es im Laufe des zweiten Halbjahres 2022 tatsächlich zu ersten Leitzinserhöhungen in den USA kommen könne, weiterhin offen.

An den Kapitalmärkten dürfte sich die jüngste Tendenz zu steigenden Zinsen fortsetzen. Aufgrund zunächst anhaltend hoher Inflationsraten würden die Realzinsen aber tief negativ bleiben, wodurch Aktien und andere reale Anlageklassen grundsätzlich unterstützt bleiben würden. An den Aktienbörsen dürfte sich die volatilere Seitwärtsbewegung ohne ein Erreichen neuer Allzeithochs fortsetzen, bis konkrete Fortschritte im Zuge der Beschaffungsengpässe absehbar seien. (08.10.2021/ac/a/m)





 
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