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Di, 6. Dezember 2022, 4:45 Uhr

Fester US-Dollar wird zum Problem für die globale Konjunktur


27.09.22 10:30
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - An den internationalen Devisenmärkten braut sich ein weiterer Destabilisierungsfaktor für viele Volkswirtschaften zusammen, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Der US-Dollar werte seit Monaten auf, zuletzt sogar massiv beschleunigt gegenüber einer ganzen Reihe anderer Währungen. Das zeige eindrucksvoll der Anstieg des "US Dollar Currency Index", bestehend aus Euro, Japanischem Yen, Britischem Pfund, Kanadischem Dollar, Schwedischer Krone und dem Schweizer Franken, um 21,5 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten. Die Hintergründe seien vielfältig: wie gewohnt diene der US-Dollar auch in dieser unsicheren Zeit mit einer globalen Konjunkturabkühlung, mehreren geopolitischen Brandherden sowie außer Kontrolle geratener Inflationsraten als sicherer Hafen der Kapitalanlage, zumal die Auswirkungen der globalen Lieferkettenprobleme und der steigenden Energiekosten in den USA nur eine untergeordnete Rolle spielen würden.

Zudem halte die US-Notenbank FED aufgrund der bisher nur leicht nachgebenden Inflation vorerst an ihrem sehr dynamischen Zinsanhebungszyklus fest. Dadurch gewinne die Kapitalanlage im Dollarraum noch weiter an Attraktivität. Nicht zuletzt besteche die Konjunktur in den USA trotz erster zinsinduzierter Abkühlungstendenzen weiterhin durch eine erstaunliche Robustheit. So sei der S&P Global Markit Einkaufsmanagerindex für die US-Volkswirtschaft zuletzt deutlich angestiegen, während die Wachstumsdynamik in der Eurozone und in Großbritannien nachgegeben habe. Gegenüber dem Pfund habe die US-Währung dabei sogar besonders stark zugelegt, allein auf Sicht von einem Monat um 10 Prozent bzw. um 28 Prozent im Vorjahresvergleich.

Der Hauptgrund dafür sei gewesen, dass die neue britische Regierung unter Liz Truss massive Steuersenkungen und steigende Staatsausgaben angekündigt habe, um unter anderem den Gaspreisdeckel zu finanzieren. Die Aufwertung des US-Dollars verschärfe jedoch sowohl in Großbritannien wie auch in der Eurozone und vielen anderen Staaten, die auf Importe von Rohstoffen und Energie angewiesen seien, die ohnehin zumeist massiven Erzeuger- und Verbraucherpreissteigerungen. Damit dürften die jeweiligen Notenbanken künftig weitere deutliche Leitzinsanhebungen vornehmen und damit die wirtschaftliche Dynamik zusätzlich abschwächen.

Existenziell könnte der Mix aus festem US-Dollar und schnell steigenden Zinsen jedoch für einige Schwellenländer werden, die in Dollar denominierte Staatschulden refinanzieren müssten. Damit dränge sich die Frage auf, ob eine Neuauflage des Plaza-Accords von 1985 möglich wäre, mit dem die Notenbanken der USA, Deutschlands, Frankreichs, Japans und Großbritanniens eine massive Aufwertung des Dollar beendet hätten.

Zwar sei die Situation heute allein aufgrund der viel stärkeren globalwirtschaftlichen Verflechtungen deutlich komplexer. Dennoch kämen in besonderen Zeiten auch außergewöhnliche politische Methoden zum Einsatz, wie die vergangenen Jahre in vielfacher Hinsicht immer wieder gezeigt hätten. Auszuschließen sei der Versuch einer konzertierten Aktion daher nicht, zumal der Alleingang der Bank of Japan mit einer Intervention zur Stützung des Yen in der letzten Woche nur kurzfristigen Erfolg gebracht habe. (27.09.2022/ac/a/m)





 
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