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So, 3. März 2024, 7:59 Uhr

Deutschland: Wirtschaftsleistung in Q3 geschrumpft - technische Rezession im Winter möglich


13.11.23 17:10
Nord LB

Hannover (www.aktiencheck.de) - Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im Sommer wie erwartet geschrumpft, so die Analysten der Nord LB.

Das reale Bruttoinlandsprodukt sei gemäß der ersten Schätzung von Destatis jedoch "nur" um -0,1% Q/Q gesunken, zudem seien die Werte für die Vorquartale leicht nach oben revidiert worden. Im laufenden Jahr ergebe sich somit mehr oder weniger Stagnation, was unter Berücksichtigung des statistischen Unterhangs infolge des schwachen vierten Quartals 2022 sowie des negativen Arbeitstageeffekts in diesem Jahr einen moderaten Rückgang der Wirtschaftsleistung von voraussichtlich -0,4% ergebe. Der leicht erhöhte Prognosewert sei einzig auf die jüngste Aufwärtsrevision der historischen Daten in der amtlichen Statistik zurückzuführen. Die Prognose für die nähere Zukunft und insbesondere den Nowcast für das laufende Quartal hätten die Analysten hingegen unverändert gelassen.

In der Tat bleibe die konjunkturelle Dynamik vorerst schwach, eine leichte technische Rezession sei in diesem Winter durchaus möglich. Enttäuscht hätten die für den Berichtsmonat September gemeldeten harten Konjunkturindikatoren. Die Industrieproduktion sei um -1,4% M/M und damit den vierten Monat in Folge geschrumpft. In allen Hauptgruppen sei der Output gesunken, besonders kräftig jedoch bei den Konsumgütern (-4,9% M/M). Die Bauproduktion habe hingegen im September stagniert, was angesichts der Belastungen durch das veränderte Zinsniveau schon fast positiv zu werten sei. Insgesamt starte damit die Produktion mit einem Unterhang von 0,9% ins vierte Quartal. Ähnlich schwach hätten sich bis zuletzt die Einzelhandelsumsätze gezeigt. Immerhin mache der zuletzt deutliche Inflationsrückgang Hoffnung auf eine Stärkung des realen Privaten Konsums in 2024 über dann wieder höhere Reallöhne.

Der ifo-Geschäftsklimaindex sei im Berichtsmonat Oktober das erste Mal nach fünf Rückgängen in Folge gestiegen, und zwar überraschend deutlich auf nun 86,9 Punkte. Die Indikatoren würden jedoch auf historisch niedrigen Niveaus notieren, so dass bislang nur von einer Bodenbildung gesprochen werden könne. Erst im Laufe des kommenden Jahres sei aus Sicht der Analysten mit einer leichten Belebung der konjunkturellen Dynamik zu rechnen.

Im Oktober hätten die Unternehmenslenker ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser als im September bewertet. Mit 89,2 Punkten liege dieser Teilindex allerdings immer noch auf dem niedrigsten Niveau seit rund drei Jahren. Immerhin hätten sich zugleich auch die Geschäftserwartungen verbessert: Mit einem leichten Anstieg auf 84,7 Punkte würden die Aussichten für die kommenden Monate aber ausgesprochen trist bleiben. Immerhin habe der ifo-Geschäftsklimaindex damit die zuletzt ebenfalls verbesserten Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten (ZEW, sentix) bestätigt.

Auf sektoraler Ebene seien im September zwar leichte Verbesserungen im Verarbeitenden Gewerbe (auf -15,9 Saldenpunkte) und im Dienstleistungssektor (-1,5) festzustellen gewesen, allerdings jeweils ausgehend von sehr niedrigen Ausgangswerten. Die Stimmung im Handel (-27,2) habe sich hingegen wieder nach einer leichten Aufhellung im September verschlechtert. Das Sentiment im Bauhauptgewerbe bewege sich nach der zehnten Zinsstraffung der EZB mit -31,1 Punkten nahezu seitwärts und befinde sich damit weiterhin auf dem tiefsten Niveau seit Anfang 2009 während der globalen Finanzkrise.

Die konjunkturelle Grundstimmung sei trotz der leichten Aufhellungen am aktuellen Rand insgesamt weiterhin schlecht. Gemäß der Befragung unter Einkaufsmanagern verharre die deutsche Industrie im Berichtsmonat Oktober trotz minimaler Verbesserungen noch immer klar im Kontraktionsbereich. Im Dienstleistungsbereich sei es sogar zu einer überraschend deutlichen Verschlechterung gekommen.

Die Inflation sei im Oktober auf 3,8% Y/Y und damit auf den niedrigsten Stand seit August 2021 gefallen. Die Jahresrate des für europäische Zwecke harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) sei sogar auf 3,0% Y/Y gesunken. Zudem habe die von der EZB besonders beachtete Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) erneut auf nun 4,2% Y/Y nachgegeben. Der binnenwirtschaftliche Preisdruck sei somit zwar noch relativ hartnäckig, nehme inzwischen aber ebenfalls sukzessive ab. Die deutschen Inflationszahlen würden sich in den allgemeinen Trend im Euroraum einreihen, für den Eurostat als Teuerungsrate nun sogar wieder eine Zwei vor dem Komma ausweise (2,9% Y/Y).

Aufgrund der zugespitzten Lage im Nahen Osten würden nun der Ölpreis bzw. Energiepreise insgesamt wieder verstärkt in den Blick rücken. Zwar sei zuletzt der Preis für ein Barrel der Sorte Brent entgegen vielfacher Befürchtung auf die Niveaus von Anfang Oktober zurückgekehrt, doch bestehe nach wie vor ein erhebliches Eskalationspotenzial im Nahostkonflikt mit möglichen Auswirkungen auf das Ölangebot. Entsprechend habe auch die EZB im Oktober die Aufwärtsrisiken für die Inflation betont. (Ausgabe November 2023) (13.11.2023/ac/a/m)