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Mo, 30. Januar 2023, 15:46 Uhr

Chinesische Konjunkturdynamik trübt sich weiter ein


09.11.21 09:50
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die zuletzt veröffentlichten volkswirtschaftlichen Daten aus China untermauern das Abbild der letzten Monate: Mit 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat fiel das Wirtschaftswachstum bereits im dritten Quartal verhalten aus, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Das Wachstum der Industrieproduktion habe im September nur noch 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr betragen, habe den seit März anhaltenden Trend sinkender Werte nahtlos fortgesetzt und befinde sich deutlich unter den Vorkrisen-Durchschnittswerten von etwa 5,5 Prozent. Auch das Wachstum der Anlageinvestitionen sei mit 7,3 Prozent schwächer ausgefallen als im Vormonat, während die Einzelhandelsumsätze mit 4,4 Prozent zwar etwas besser, aber im historischen Kontext ebenfalls nur moderat angestiegen seien.

Auch das Importwachstum sei - mit 20,6 Prozent im Oktober - relativ schwach gestiegen und deute auf eine derzeit relativ schwache Binnennachfrage hin. Offensichtlich würden die derzeit wieder vermehrt vollzogenen sehr strikten Maßnahmen zur Eindämmung kleinerer Corona-Neuinfektionsherde zusammen mit der weiterhin bestehenden Unsicherheit rund um die Evergrande-Pleite für eine Verunsicherung privater Verbraucher sorgen. Ebenfalls schwächer und unterhalb der entscheidenden Expansionsmarke von 50 Punkten sei zuletzt der staatlich erhobene Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe mit 49,2 veröffentlicht worden.

Einziger Lichtblick sei derzeit die noch robuste Stimmung im Dienstleistungssektor, der mittlerweile immerhin für mehr als 50 Prozent der chinesischen Wertschöpfung stehe, mit einem Wert des entsprechenden Einkaufsmanagerindex von 53,8 Punkten. Trotz der erneuten wirtschaftlichen Abschwächung seien bisher keine weiteren staatlichen Stimuli angeordnet worden. So habe die Chinesische Zentralbank günstige Kreditkonditionen für Banken angekündigt, um die Dekarbonisierung der Wirtschaft zu unterstützen. Konkret sollten Maßnahmen von Unternehmen zur Senkung der CO2-Emissionen verstärkt von den Geschäftsbanken finanziert werden. Neben der Unterstützung für die schwächelnde Wirtschaft möge diese Ankündigung auch ein Versuch sein, die internationale Kritik an der Nicht-Teilnahme Chinas am Weltklimagipfel in Glasgow zu beschwichtigen.

Vorerst dürfte die wirtschaftliche Dynamik Chinas verhalten bleiben. Die Rolle als Lokomotive der Weltwirtschaft werde in den kommenden Monaten den USA zukommen. (09.11.2021/ac/a/m)