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Di, 31. Januar 2023, 21:21 Uhr

Chinas schwächelnde Wirtschaft belastet auch Europas Aussichten


26.04.22 10:25
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Ende der Woche werden in China die staatlich ermittelten April-Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen veröffentlicht, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Beide seien zuletzt mit 49,5 bzw. 48,8 schwächer ausgefallen und damit auch unter die wichtige Schwelle von 50 Punkten. Mit nur 48,1 Punkten sei im März auch die Indikation des vom Wirtschaftsmagazin Caixin ermittelten Einkaufsmanagerindex, eine Umfrage unter kleineren und mittleren Unternehmen, schwach ausgefallen. Dabei sei die Dienstleistungskomponente sogar auf 42 Punkte gefallen, den niedrigsten Wert seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020. Auch in diesem Fall sei es die wirtschaftliche Schwäche auf die Pandemie zurückzuführen. Denn China kämpfe gerade gegen eine neue schon Wochen anhaltende Welle steigender Neufallzahlen. Dabei sei der Schutz der chinesischen Bevölkerung vergleichsweise schlecht, denn ausgerechnet in älteren Bevölkerungsgruppen seien die Impfquoten gering.

Ohnehin hätten bisher nur gut 50 Prozent eine Booster-Impfung erhalten. Zudem würden die verabreichten chinesischen Impfstoffe schlechter als westliche MRNA-Vakzine gegen die derzeit grassierende Omikron-Variante schützen. Auch deshalb halte die chinesische Regierung an ihrer bisherigen "No-Covid-Strategie" fest, allerdings mit mäßigem Erfolg. Während die Neufallzahlen in den Millionenstädten nur langsam sinken würden, würden sich die durch fehlende Konsummöglichkeiten, geschlossene Fabriken und stockende Abfertigungen an den Container-Terminals wirtschaftlichen Folgen bereits deutlich bemerkbar machen. Seit Anfang April sei der öffentliche Nahverkehr in Shanghai nahezu zum Stillstand gekommen, die Abfertigungsstaus in den Häfen von Shanghai, Zhejiang und anderen Städten würden allerdings wieder deutlich zunehmen.

Das Wachstum der Anlageinvestitionen und die Industrieproduktion seien im März bereits schwächer ausgefallen als in den Vormonaten. Der Einzelhandelsumsatz sei sogar um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Nach dem für chinesische Verhältnisse nur moderaten Wirtschaftswachstum im ersten Quartal in Höhe von 1,3 Prozent drohe im laufenden zweiten Quartal sogar ein Null- oder Negativwachstum, womit das Wachstumsziel der Regierung für das Gesamtjahr 2022 in Höhe von 5,5 Prozent kaum noch erreichbar wäre. Für die deutsche Wirtschaft seien neben ausfallender Produktion und stockendem Absatz von Produkten in China vor allem die negativen Auswirkungen auf die ohnehin noch stark gestressten globalen Lieferketten problematisch. Die global zwangsweise auf unbewegten Schiffen nicht verfügbaren Güter dürften kurzfristig die Knappheit an Vorprodukten diverser Unternehmen noch einmal verschärfen und die Kosten zusätzlich zu den explodierenden Energie- und Rohstoffpreisen antreiben. Viele Unternehmen dürften vor diesem Hintergrund in der laufenden Quartalsberichtssaison nur vage Ausblicke mit vielen Nebenbedingungen abgeben. (26.04.2022/ac/a/m)