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Mi, 1. Februar 2023, 2:45 Uhr

Briefing zum Wochenausklang: Das Basisszenario für die Weltwirtschaft bleibt vorerst positiv


22.04.22 11:24
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Obwohl die Wachstumsprognosen weitgehend nach unten korrigiert wurden, bleibt das Basisszenario für die Weltwirtschaft vorerst positiv, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Die Reihe an Konjunkturprognosen habe zuletzt der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem erwarteten globalen Wachstum in Höhe von 3,6 Prozent für 2022 sowie 2023 ergänzt. Für Deutschland und die Eurozone würden die IWF-Experten von einem Wachstum in Höhe von 2,1 bzw. 2,8 Prozent in 2022 ausgehen.

Die derzeitigen Hauptbelastungsfaktoren seien die unberechenbaren Auswirkungen der Ukrainekrise, die sich verstärkenden Lieferkettenprobleme aufgrund von Corona-Restriktionen in China sowie die Aussicht auf sehr deutlich steigende Zinsen, vor allem in den USA. Mit jedem Tag anhaltender Unsicherheiten nehme die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des Risikoszenarios - einer Rezession in der Eurozone sowie ggf. in den USA - zu. Ziemlich sicher, wäre diese Entwicklung im Falle eines kompletten Stopps von Rohstofflieferungen aus Russland nach Europa. Besonders leidtragend seien dabei viele Schwellenländer.

Derzeit würden ausschließlich die rohstoffexportierenden Volkswirtschaften von den massiv gestiegenen Rohstoffpreisen profitieren. Die meisten Schwellenländer seien allerdings von Rohstoff- und vor allem Nahrungsmittelimporten abhängig. Nach einer ohnehin nur sehr schleppenden Erholung von der Corona-Rezession drohe jetzt mit einer absehbaren Nahrungsmittelknappheit und der Perspektive stark steigender US-Dollarzinsen ein erneuter sozialer und wirtschaftlicher Rückschlag. Jahrelange Bemühungen, die Wohlstandsniveaus der Schwellenländer näher an die Industrienationen heranzuführen, würden damit zunichtegemacht. Seit zwei Jahren sei vielmehr eine stark zunehmende Divergenz der Entwicklungen festzustellen.

Trotz des derzeitigen, stagflationär wirkenden Schocks mit der Folge sinkender Wachstums- und gleichzeitig deutlich steigender Inflationserwartungen sei die Gefahr des Abrutschens in eine jahrelange Stagflationsphase gering. Dagegen spreche die sehr hohe Investitionsnachfrage von Staaten und Unternehmen zur Umsetzung der Dekarbonisierung und zur Steigerung der Resilienz von Lieferketten, Gesundheitssystemen und der Energieversorgung. Aber auch die Konsumnachfrage bleibe angesichts positiver Entwicklungen an den Arbeitsmärkten, dem Trend zu steigenden Löhnen - auch durch demografische Effekte - sowie dem coronabedingten Nachfragestau stabil hoch. Sobald sich die bestehenden Unsicherheiten und angebotsseitigen Verzögerungen auflösen würden, dürfte die Wachstumsdynamik daher wieder schnell und deutlich zulegen.

Aufgrund des steigenden politischen und gesellschaftlichen Drucks dürfte auch die EZB künftig einen weniger expansiven bzw. gegen Jahresende sogar einen leicht restriktiven geldpolitischen Kurs einschlagen - vorausgesetzt es komme nicht kurzfristig zu einer Rezession in der Eurozone. Es sei davon auszugehen, dass im dritten Quartal die Nettowertpapierkäufe beendet würden und spätestens im vierten Quartal eine oder zwei erste Leitzinserhöhungen umgesetzt würden. Dadurch dürfte der Eurokurs im Vergleich zum US-Dollar gestützt werden.

Kapitalanleger müssten künftig mit weiter steigenden Renditen für Staatsanleihen sowie notenbankinduziert auch mit steigenden Zinsen im Geldmarktsegment rechnen. Die Aktienmärkte würden sich derzeit überwiegend in kurzfristigen Abwärtstrends befinden, wenngleich sich die Kurse trotz massiv negativer Nachrichtenlage noch relativ stabil halten würden. Sobald sich daher Besserungen bei einzelnen der genannten Belastungsfaktoren abzeichnen würden, seien erneut steigende Notierungen wahrscheinlich.

Die Stichwahl um das Präsidentschaftsamt in Frankreich dürfte mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zugunsten des Amtsinhabers Macron ausgehen, obwohl durch eine möglicherweise geringe Wahlbeteiligung auch eine Überraschung zugunsten Marine Le Pens möglich wäre. Sollte ein Sieg Le Pens eintreten, wäre dies ein politischer Belastungsfaktor für die Bemühungen um ein geschlossenes Auftreten Europas gegenüber Russland und dürfte auch dem Euro sowie den Aktienmärkten kurzfristig eine negative Richtung geben. Zumindest an den Ertragserwartungen der Unternehmen dürfte aber selbst dieses Szenario nur wenig ändern, sodass andere Einflussfaktoren schnell wieder in den Fokus rücken dürften. (22.04.2022/ac/a/m)




 
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