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Di, 6. Dezember 2022, 22:15 Uhr

Bahn frei für Porsche Börsengang


03.10.22 09:24
Feingold-Research

Das Warten hat ein Ende: der Börsengang des deutschen Sportwagenherstellers Porsche steht in den Startlöchern. Bis anhin war der Sportwagenhersteller eine vollständige Tochtergesellschaft der Volkswagen-Konzerns. Mit dem Erlös aus dem Börsengang erhält Volkswagen finanzielle Mittel für die angestrebte Transformation. Außerdem möchte die Porsche-Gründerfamilie den direkten Einfluss auf den Sportwagenhersteller erhöhen.


Bei vielen Autoliebhabern schlägt das Herz höher, sobald sie auf der Straße einen Porsche erblicken. Bekannt ist der Sportwagenhersteller vor allem für ein bestimmtes Modell: den 911. 1963 wurde der Sportwagen der Öffentlichkeit vorgestellt und genießt bis heute einen besonderen Status. Seit der Einführung bildet der 911 das Herzstück des Unternehmens. Während andere Modellreihen gekommen und wieder gegangen sind, ist der 911 stets geblieben.


Geschichte von Porsche

Die Ursprünge des Unternehmens gehen auf das Jahr 1931 zurück. Zu Beginn wurden noch keine Fahrzeuge unter eigenem Namen produziert. Die Geburtsstunde der Marke Porsche erfolgte schließlich 1948, als der erste Porsche eine Straßenzulassung erhielt.


Fast 75 Jahre nachdem der Grundstein der Marke gelegt wurde, folgt dieses Jahr ein weiteres, geschichtsträchtiges Ereignis. Ende September soll die Porsche AG, das Unternehmen hinter den Sportwagen, wieder an die Börse zurückkehren.


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Ungewöhnliche Eigentümerstruktur

Normalerweise wird ein Börsengang durchgeführt, um frisches Kapital zu sammeln und, dass bestehende Aktionäre ihre Anteile veräußern können. Diese Gründe treffen nur teilweise auf den Börsengang der Porsche AG zu.


Ausschlaggebend für den Porsche-Börsengang ist die bisherige Eigentümerstruktur. Denn diese fällt im Vergleich mit anderen, börsenkotierten Unternehmen etwas spezieller aus. Die Porsche AG ist bzw. war bis zum Börsengang vollständig im Besitz der Volkswagen AG. Dies ist auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches, denn Volkswagen ist der Mutterkonzern von mehreren Marken. Interessant wird es, wenn die Aktionärsstruktur der Volkswagen AG näher betrachtet wird.


 


Der aktuell größte Einzelaktionär der Volkswagen AG ist nämlich die Porsche Automobil Holding SE (fortführend Porsche SE). Diese Holding ist eine börsenkotierte Beteiligungsgesellschaft, wovon die Mitglieder der Familien Porsche und Piëch alle Stimmrechte besitzen. Die Holding ist an mehreren Unternehmen beteiligt, jedoch stellt die Volkswagen Beteiligung das größte Engagement dar.


Die Porsche SE ist im Besitz von 31.9% des Aktienkapitals und hält gleichzeitig 53.3% der Stimmrechte der Volkswagen AG. Weitere bedeutende Einzelaktionäre sind das Bundesland Niedersachsen mit rund 12% des Aktienkapitals bzw. 20% der Stimmrechte, sowie der Staatsfond Katars mit 10.5% bzw. 17%.


Im Umkehrschluss bedeutete die Beteiligung an Volkswagen für die Porsche SE bisher eine indirekte Beteiligung an der Porsche AG. Zudem konnte die Porsche SE und somit die Familien Porsche und Piëch nur indirekt Einfluss auf die Porsche AG nehmen.


Direkte Beteiligung und mehr Einfluss der Gründerfamilien

 


Die Gründe des Börsengangs hängen von den involvierten Unternehmen ab. Die Gründerfamilien Porsche und Piëch möchten mithilfe der Porsche SE direkt an der Sportwagenmarke beteiligt sein, um somit wieder mehr Einfluss nehmen zu können.


Volkswagen möchte die Erlöse aus dem Börsengang für die Finanzierung der industriellen und technologischen Transformation des Konzerns einsetzen.


Durch den Schritt verspricht sich die Porsche AG mehr Unabhängigkeit und unternehmerische Freiheit. Allerdings soll die bisherige Zusammenarbeit von Volkswagen und der Porsche AG fortgeführt werden.


Aktionärsstruktur der Porsche AG

Ein Großteil des Aktienkapitals der Porsche AG wird weiterhin bei Volkswagen bleiben, während die Porsche SE allerdings eine bedeutende Position einnehmen wird. Nur ein kleiner Teil des Aktienkapitals wird institutionellen Investoren und Privatanlegern angeboten.


Das Aktienkapital der Porsche AG wird in je 50% Stamm- und Vorzugsaktien unterteilt. Der Unterschied der beiden Aktienklassen besteht darin, dass Stammaktien mit Stimmrechten ausgestattet sind. Insgesamt wird es 911 Millionen Aktien geben, eine Anspielung auf den bekannten Sportwagen.


Die Porsche SE wird 25% der Stammaktien plus eine Aktie der Porsche AG erwerben. Damit hält die Porsche SE dann mehr als 25% der Stimmrechte und besitzt somit eine Sperrminorität. Mit einer Sperrminorität kann ein Aktionär mit Minderheitsbeteiligung wichtige Unternehmensbeschlüsse verhindern. Es wurde sich darauf geeinigt, dass die Porsche SE den Ausgabepreis zusätzlich einer Prämie von 7.5% zahlen wird, um die Beteiligung zu erhalten.


Eine Zuteilung von 25% der Vorzugsaktien wird an Institutionelle Investoren und Privatanleger gehen. Somit hält diese Gruppe 12.5% des Aktienkapitals, gleichviel wie die Porsche SE, aber ohne Stimmrechte.


Details zum Porsche-Börsengang

Der erste, börsliche Handel der Vorzugsaktien wird gemäß Unternehmensangaben am oder um den 29. September 2022 erfolgen. Die Aktien werden an der Frankfurter Börse kotiert.


Da der Börsengang schon bald stattfindet, wurden neue Details bekannt. Die Vorzugsaktien werden in einer Preisspanne zwischen 76.5 und 82.5 Euro platziert, womit mit Einnahmen zwischen 8.7 und 9.4 Milliarden Euro gerechnet wird. Anhand dieser Angaben ergibt sich eine Firmenbewertung von 70 bis 75 Milliarden Euro.


Außerdem hat Volkswagen angekündigt, dass 49% des Erlöses aus dem Verkauf der Vorzugsaktien mittels einer Sonderdividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden soll.


 


Geschäftsverlauf und Kennzahlen von Porsche

Im vergangenen Geschäftsjahr lieferte Porsche fast 302’000 Fahrzeuge aus, 21’000 mehr als im Jahr 2019. Geografisch gesehen sind die Regionen Asien-Pazifik, Afrika und Nahost mit 131’000 Auslieferungen die wichtigsten Absatzmärkte. In den restlichen Regionen, Amerika und Europa, wurden jeweils ungefähr 85’000 Fahrzeuge ausgeliefert.


Die höchste Nachfrage verzeichnet die Marke in der Kategorie Sport und Nutzfahrzeug (SUV), wovon rund 171’000 Stück ausgeliefert wurden. Vom neusten Mitglied der Modellfamilie, dem 2019 vorgestellten vollelektrischen Modell, wurden knapp 41’000 Stück abgesetzt, was mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Das eigentliche Herzstück der Marke, der 911, wurde rund 38’000 mal ausgeliefert. Die Absätze der herkömmlichen Limousine und der Einstiegsmodelle erreichten 51’000 Stück.


Erfolgszahlen von Porsche

Der Umsatz lag 2021 bei 33.1 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 15 Prozent entspricht. Das operative Ergebnis (EBIT) betrug 5.3 Milliarden Euro, eine Erhöhung von 27% mit einer operativen Marge von 16%.


Gemäß Unternehmensangaben strebt Porsche für das Jahr 2022 einen Umsatz von ungefähr 38 bis Milliarden Euro an, mit einer operativen Marge zwischen 17 und 18%. Mittelfristig wird eine kumulierte jährliche Wachstumsrate von 7 bis 8% und eine operative Marge von 17 bis 19% in Aussicht gestellt. Langfristig möchte die Marke eine Umsatzrendite von mehr als 20% erreichen.


Fazit zum Börsengang von Porsche

Mit dem Börsengang der Porsche AG möchten sich die ursprünglichen Gründerfamilien wieder direkt am Sportwagenhersteller beteiligen. Volkswagen wird einen Teil des Erlöses für die industrielle und technologische Transformation einsetzen und den Rest an die Aktionäre zurückführen. Volkswagen bleibt weiterhin der größte Aktionär der Porsche AG. Die Porsche SE, die Beteiligungsgesellschaft der Familien, hält nach dem Börsengang etwas mehr als 25% der Stimmrechte und besitzt eine Sperrminorität. Ein kleiner Teil, 12.5% des Aktienkapitals, wird institutionellen Investoren und Privatanlegern angeboten.


Quelle: Vontobel



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