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Mo, 30. Januar 2023, 15:39 Uhr

Außergewöhnliche Fülle an erheblichen Belastungsfaktoren für die globale Konjunktur


06.05.22 11:35
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Die aktuelle Situation ist geprägt von einer außergewöhnlichen Fülle an erheblichen Belastungsfaktoren für die globale Konjunktur und für die Kapitalmärkte, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

Neben den allgemeingültigen Belastungen - wie die steigenden Energie- und Rohstoffpreise - könne für die drei globalwirtschaftlich bedeutenden Regionen China, Europa und die USA auch jeweils ein individuelles Kernrisiko identifiziert werden:

- China: die bisher wenig erfolgreiche Bekämpfung der Omikron-Welle durch die Null-COVID-Strategie der Regierung in Peking belaste derzeit den inländischen Konsum, die Produktion und die Lieferketten massiv.

- Europa: die Verunsicherung durch deutlich steigende Verbraucherpreise und vor allem den in unmittelbarer Nachbarschaft entbrannten Krieg mit ungewissem weiterem Fortgang sowie fehlende Vorprodukte und Rohstoffe aufgrund angespannter globaler Lieferketten.

- USA: die massiv steigenden Erzeuger- und Verbraucherpreise zusammen mit einer intakten Lohn-/Preisspirale, den dadurch deutlich steigenden Druck auf die US-Notenbank FED, einen außergewöhnlich harten Kurswechsel hin zu einer restriktiven Geldpolitik zu vollziehen und die resultierenden rasant steigenden Zinsen über alle Laufzeiten hinweg.

Diese Gemengelage habe schon in den letzten Wochen zu deutlichen Revisionen von Wachstumserwartungen geführt. Noch sei das Basisszenario positiv, wenngleich mit jedem Tag anhaltender Unsicherheit die Wahrscheinlichkeit zunehme, dass eine der Regionen doch noch in eine Rezession abrutschen könnte. Sollte dieser Fall eintreten, würde auch für die anderen Regionen und Weltwirtschaft die Rezessionsgefahr noch einmal steigen.

Obwohl einzelne Indikatoren (bspw. der AAII-Bull-/Bear-Spread für den S&P 500) bereits vereinzelt Überreaktionen an den Kapitalmärkten andeuten würden, würden vor dem genannten Hintergrund bestehende Trends (v.a. schwache Aktienmärkte, steigende Zinsen und ein sehr fester US-Dollar) kurzfristig intakt bleiben. Man dürfe jedoch nicht vergessen, dass kommende Entwicklungen an den Börsen etwa sechs Monate vorab eingepreist würden. Damit bestehe die Möglichkeit, dass bei einer besseren Entwicklung der genannten Belastungsfaktoren, zumindest zwischenzeitlich eine unerwartet positive Marktentwicklung eintrete.

Langfristig würden die aktuellen Unsicherheitsfaktoren aber auch einen erheblichen Veränderungs- und Wandlungsdruck bewirken. Wie schon lange die Digitalisierung, die Dekarbonisierung und die Demografie würden akut entstandene Notwendigkeiten, wie die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen - v.a. russischen - Energien, der Umbau von Lieferketten, verstärkte Investitionen in Gesundheitssysteme, Infrastruktur, Bildung und Sicherheit sowie die teils notwendige Umstellung von Geschäftsmodellen, Absatzkanälen oder Einkaufsstrategien aufgrund geopolitischer Verschiebungen einschneidende Veränderungen mit sich bringen. In einem solchen Umfeld seien Volkswirtschaften, Unternehmen und Gesellschaften oftmals zu entscheidenden Entwicklungsschritten in der Lage gewesen, die immer auch für Anleger große Chancen böten.

Trotz der berechtigten Sorge angesichts der Belastungsfaktoren, dürfe diese Perspektive nicht aus dem Blick geraten. Wer sich also kurzfristig aus dem Markt verabschiedet habe, sollte sich bereits heute überlegen, welche Unternehmen von den perspektivischen Wandel langfristig profitieren würden. (06.05.2022/ac/a/m)