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Fr, 1. März 2024, 7:45 Uhr

Rohstoffrally hält unvermindert an


15.05.06 10:45
iWatch

Die nunmehr seit März 2003 andauernde Rohstoffrally hält unvermindert an, ist in dieser Berichtswoche sogar abermals in eine neue Beschleunigungsspur übergewechselt, so Uwe Raab von "iWatch".

Der Preis für eine Feinunze Gold sei erstmals seit 26 Jahren oder seit März 1980 oberhalb der Marke von 700 US-Dollar gehandelt worden. Das bisherige Hoch sei mit 726 US-Dollar markiert worden. Zur Erinnerung: Im August 1999 habe die Feinunze Gold mit Niveaus von 250 US-Dollar die zu diesem Zeitpunkt tiefsten Stände seit mehr als 23 Jahren, also seit 1976, markiert.

Mittlerweile sei eine Kursverdreifachung binnen knapp 7 Jahren zu konstatieren, was einer jährlichen Performance von über 20 Prozent entspreche. Den größten Anteil hieran habe allerdings der Kursschub in den vergangenen 12 Monaten von zuvor 450 auf nun knapp 725 US-Dollar, was einem Anstieg von über 60 Prozent entspreche. Die Entwicklungen beim Silberpreis würden ähnliche Konstellationen und Relationen ergeben, die allerdings vom Kupferpreis deutlich in den Schatten gestellt würden.

Die Notierungen der Tonne Kupfer in US-Dollar würden mittlerweile den Charts der Neuen-Markt-Indices während dem Zeitraum Mitte 1998 bis Frühjahr 2000 gleichen. Der Kupferpreis habe am 09. Mai im asiatischen Handel erstmals die Marke von 8.000 US-Dollar übersprungen und sei tags darauf bereits bei 8.500 US-Dollar oder knapp sechs Prozent höher notiert worden. Hier habe das Ausgangsniveau vor drei Jahren bei rund 1.400 US-Dollar je Tonne gelegen und komme nun einer Versechsfachung des damaligen Niveaus gleich.

Anhaltende Nachfrage durch Infrastrukturprojekte in China und eine boomende Weltkonjunktur würden hier für eine üppige industrielle Nachfrage sorgen, die durch spekulative Momente zusätzlich dynamisiert werde. Bereits seit Monaten würden Gerüchte im Markt kursieren, dass einige Marktteilnehmer erhebliche Schieflagen durch Short-Spekualtionen hätten, die bereits auf einem Niveau von 5.000 US-Dollar je Tonne Kupfer aufgebaut worden seien. Jeder US-Dollar Preissteigerung im Kupferpreis tue dieser Investorengruppe natürlich massiv weh.

Die kräftigen Kurssteigerungen in den vergangenen Tagen sollten nun durch Shorteindeckungen genau durch diese Investorengruppe ausgelöst worden sein. Nach dem Motto: Stop the bleeding, also stoppe die Blutung, was das Beenden der ständig steigenden Verluste charakterisiere. Ähnlich wie bei den Neuen Markt Indices, die sowohl beim Nemax 50 und Nemax All Share niemals die Marke von 10.000 Punkten erreicht hätten, könnte auch der Kupferpreis bei Niveaus zwischen 9.000 und 9.500 US-Dollar je Tonne in den Umkehrflug übergehen, da auf diesen Niveaus mit einer Marktbereinigung von Shortspekulanten auszugehen sei.

Eine ähnliche Konstellation braue sich nun bei den Edelmetallpreisen zusammen. Eine übermächtige Nachfrage von asiatischen Zentralbanken, allen voran von der chinesischen, würden hier für einen steten Zufluss von Kapital in den Goldmarkt sorgen, der zurzeit nur auf eine sehr geringe Abgabebereitschaft von Investoren und Goldminen treffe. Die Konsequenzen seien massive Kurssprünge, die aber immer noch nur den Anfang einer Entwicklung darstellen könnten.

Im Gegensatz zum Kupferpreis notiere Gold noch deutlich unterhalb dem Allzeithoch von 851 US-Dollar je Feinunze, welches am 31. Januar 1980 markiert worden sei. Inflationsbereinigt stelle dieses Niveau einen Goldpreis von über 1.800 US-Dollar je Feinunze dar, was als erstes faire Kursziel zu erachten sei, wenn man von dem Szenario ausgehe, dass die durch die Staaten der westlichen Hemisphäre, also Europa und insbesondere durch die vereinigten Staaten von Amerika, aufgehäuften Staatsschulden nie mehr getilgt werden könnten und eines Tages durch einen Kapitalschnitt, der in der Form einer staatlich verordneten Entwertung der Vermögen erfolge.

Die chinesischen Zentralbanken, also Hongkong, Taiwan und Zentral-China hätten für so einen Fall dann natürlich lieber ihre Reserven in einer physischen Ersatzwährung wie es eben Gold noch immer darstelle oder potenziell in einer alternativen Papierwährung wie es Euro und Yen darstellen würden. Kurzum: Die zu beobachtende Dynamik des Goldpreisanstieges lasse darauf schließen, dass bereits in Bälde von neuen Allzeithöchststände von oberhalb der Marke von 850 US-Dollar je Feinunze auszugehen sei und selbst noch die Marke von 1.000 US-Dollar im Jahresverlauf 2006 erreicht werden dürfte. Bei einer nochmaligen Dynamisierung des skizzierten Prozesses sei im Jahresverlauf 2007 bis 2010 mit Goldpreisständen zwischen 1.000 und 3.000 US-Dollar je Feinunze Gold durchaus zu rechnen.

Hierbei gelte es allerdings zu bedenken, dass die zuletzt genannte Zahl von 3.000 US-Dollar nach oben völlig offen sei, da eine theoretisch unbegrenzte Zahl von US-Dollars in Form von Papiergeld einer naturgegeben kontingentierten Menge an Gold gegenüberstehe. Um von diesem Szenario optimal zu profitieren sei es nicht immer ratsam in Goldminenaktien zu investieren. Viele Goldminenunternehmen seien in den vergangenen Jahren dazu übergegangen ihre Fördermengen bereits im Voraus zu verkaufen. Diesen nutze dann ein stetig steigender Goldpreis nichts mehr. Im Gegenteil: Im inflationären Umfeld von steigenden Löhnen und Rohstoffen würden steigende Förderkosten und die durch die Vorausverkäufe limitierten Umsätze für einen Gewinnrückgang bei Goldminenunternehmen sorgen.

Als Alternative würden sich Gold-Index-Zertifikate anbieten, die in etwa die Performance des Goldpreisanstieges widerspiegeln würden. Für einen europäischen Anleger würden sich Gold-Quanto-Zertifikate anbieten, da hier das Währungsrisiko, welches sich aus dem in US-Dollar fakturierten Goldpreis für einen Euro-Anleger ergebe, ausgeschaltet werde. Nachteil dieser Zertifikate sei, dass in den Anlagebedingungen meist ein Recht des Emittenten verankert sei, der im Falle von Störungen am Markt durch Volatilitätssprünge oder terroristischen bzw. kriegerischen Akten, ein Sonderkündigungsrecht vorsehe, das zu einem unbestimmten Preis vorgenommen werden könne. Also im Worst-Case-Szenario habe der Investor erneut nur Papier in der Hand, während physisches Gold einen erheblichen Wert reflektiere.

Unter der Prämisse der sicheren Aufbewahrung lohne es sich vielleicht irgendwann doch, ein paar Feinunzen Gold am besten gleich ein paar Barren Gold in der Hinterhand zu haben. Aber: Gold mache weder satt noch spende es Wärme, sondern lebe auch nur von seinem inzwischen mehrere jahrtausende alten Mythos.





 
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