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So, 29. Januar 2023, 13:26 Uhr

Ölindustrie vor Probe


12.05.05 16:18
GOLDINVEST.de daily

Als Reaktion auf die besorgte Äußerung des Ölministers von Katar, über OPECs Fähigkeit zur Deckung des Ölbedarfs im kommenden Winter, stieg der Ölpreis am Dienstag wieder kräftig an, so die Experten von "GOLDINVEST.de daily".

Die OPEC habe in den letzten Monaten ihre Förderung um 30 Millionen Barrel pro Tag erhöht. Dieser Produktionsanstieg beunruhige einige Analysten. Sie würden befürchten, dass die OPEC für unvorhergesehene Förderausfälle keine freien Kapazitäten mehr besitze.

"Ich denke, dass das kommende vierte Quartal die Ölindustrie auf die Probe stellen wird, da die Ölproduzenten nicht in der Lage sein könnten, den für dieses Quartal erwarteten Weltbedarf von 86 Millionen Barrel pro Tag zu decken," habe der CEO der Talisman Energy Inc., Jim Buckee, zu Reportern auf der Jahreshauptversammlung des Unternehmens gesagt.

Das knappe Ölangebot, das auf Grund eines Mangels an neuen Entdeckungen, Ausgabenkürzungen bei den Ölgesellschaften, da sie sich auf eine Gewinnsteigerung konzentrieren würden, und der eingeschränkte Zugang zu Explorationsgebieten in vielen Ländern, rege die Diskussion an, ob der Höhepunkt der Ölproduktion kurz bevorstehe.

Die International Energy Agency habe für die kommenden 25 Jahre einen Ölbedarf von 121 Millionen Barrel pro Tag projiziert. In 2004 habe die Weltproduktion 82,5 Millionen Barrel pro Tag betragen, als die Ölproduzenten alle ihre überschüssigen Kapazitäten ausgenutzt hätten.

Während einige argumentieren würden, dass es weltweit noch ausreichend Öl gebe, so habe Buckee gesagt, dass er überrascht sein würde, falls die Weltölproduktion 90 Millionen Barrel pro Tag erreichen würde. Laut Buckee seien bereits die zusätzlichen Fördermengen von schlechter Qualität, entweder sei es schwefelhaltiges Öl oder Schweröl.

Bei einer jährlichen Erschöpfung der Ölfelder um 5% müsse in 20 Jahren die Hälfte der Nachfrage durch neue Quellen gedeckt werden.

"Falls die Nachfrage auf 120 Millionen Barrel steigen sollte, benötigen wir zusätzliche 60 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht ungefähr der Kapazität von sechs Saudi-Arabien. Was meiner Meinung nach sehr unwahrscheinlich ist," habe Buckee erklärt.

Die Nachfrage habe bis jetzt noch nicht auf die hohen Preise reagiert, aber sie würden eventuell zu einer Reduzierung des Energieverbrauchs führen. Dies dürfte nach Meinung von Analysten im Energiesektor erst bei einem Preis von über 80 USD pro Barrel eintreten.

Talisman sei in einer guten Ausgangslage, diesen Balanceakt zwischen knappem Angebot und steigender Nachfrage auszunutzen.

Die hohen Energiepreise hätten dabei geholfen, den Gewinn des Unternehmens im ersten Quartal 2005 um 18% auf 258 Millionen Kanadische Dollar (CAD) oder 70 kanadische Cent je Aktie zu erhöhen, verglichen mit 218 Millionen CAD (57 kanadische Cent je Aktie) im Vorjahr. Der Cashflow habe sich von 770 Millionen CAD (2,01 CAD je Aktie) im ersten Quartal 2004 um 25% auf 960 Millionen CAD (2,59 CAD je Aktie) in diesem Jahr erhöht.

Buckee habe den Aktionären berichtet, dass er dieses Jahr für Talisman einen Produktionsanstieg auf 455.000 bis 485.000 Barrel pro Tag und einen Anstieg des Cashflow auf 4 Milliarden CAD erwarte.

Laut Talisman, das in Westkanada, der Nordsee und Südostasien nach Öl und Gas exploriere und produziere, werde dieser Produktionsanstieg aus der Optimierung seiner Projekte stammen und nicht durch Akquisitionen erzielt werden.

Nach Worten von Herrn Buckee bestehe ein starker Wettbewerb bei der Akquisition von Ölliegenschaften durch nationale Ölgesellschaften aus Indien und China und in steigenden Maßen durch Explorationsunternehmen aus den USA. In Kanada komme der Wettbewerb von Seiten der Investmentfonds und Junior-Ölgesellschaften.

Talisman plane nicht, sich an einer Ausbeutung der Ölsande in der kanadischen Provinz Alberta zu beteiligen, die auf Grund der riesigen Ölvorräte von anderen großen Ölgesellschaften begehrt seien.

Ein Großteil der besten Abbauflächen sei bereits in der Vergangenheit durch ExxonMobil Corp. und Royal Dutch/Shell Group gesichert worden. Aus diesem Grund müssten viele Unternehmen mit weniger guten Abbaugebieten vorlieb nehmen und die Letzten bekämen die schlechtesten Gebiete.

"Die Gewinne sind nur gering, außer es ist ein Raffinierungsprozess mit eingeschlossen. Wir denken, dass wir bessere Gewinne durch eine konventionelle Produktion auf unseren Projekten erzielen können," habe Buckee gesagt.

Für die Analysten von BMO Nesbit Burns Research sei Talisman weiterhin attraktiv und sie sähen die jüngste Schwäche im Aktienpreis als eine Kaufgelegenheit. Sie würden glauben, dass auf Grund der diversifizierten Projekte und dem starken Wachstumsprofil die Aktien des Unternehmens unterbewertet seien und bei einem Preisziel von 50 CAD (Schlussnotierung am 10.5.05 39,55 CAD) an ihrer Bewertung "outperform" weiter festhalten.