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Fr, 23. Februar 2024, 15:13 Uhr

Mini-Crash erschüttert die Märkte


22.05.06 09:17
iWatch

Wie gewonnen, so zerronnen, so lautet das Fazit des bisherigen Börsenjahres. Binnen nur einer Woche wurde nahezu der komplette Jahresgewinn der internationalen Aktienmärkte pulverisiert, so Uwe Raab von "iWatch".

Wie ein Dieb in der Nacht sei die Korrekturbewegung über die Kapitalmärkte hereingebrochen und habe mehrere hunderte von Milliarden US-Dollar respektive Euro Marktkapitalisierung an sich gerissen. Die Verunsicherung über die weitere Zinspolitik der Federal Reserve sei so überbordend, dass sich große Marktteilnehmer wie Versicherungen, Pensionsfonds und Hedge-Fonds dazu entschlossen hätten im Wochenverlauf das Lager zu wechseln bzw. sich ihre Aktienkäufe einzustellen, was letztendlich und per saldo mit Abgabedruck einhergegangen sei.

Die Frage laute nun, ob das bislang Geschehene der Auftakt einer andauernden Trendumkehr oder lediglich die Korrektur in einem immer noch intakten mittelfristigen Aufwärtstrend sei. Der Schlüssel für die Antwort liege zu 95 Prozent in den Händen der US-Notenbank. Weitere Zinserhöhungen über das bislang erreichte Maß von 5,00 Prozent hinaus, dürften das Kartenhaus wohl tatsächlich zum Einsturz bringen. Der Markt habe am 10. Mai ein eindeutiges Signal für einen Zinserhöhungs-Stopp erwartet und dieses nicht bekommen.

Zu hoch würden einige Vertreter der FED, insbesondere FED-Governor Lacker, die Inflationsrisiken werten, um bereits jetzt die Zinserhöhungen auszusetzen. Diese Betrachtungsweise sei pures Gift für die internationalen Kapitalmärkte und lasse letztendlich auf eine pragmatische Vorgehensweise von Ben Bernanke hoffen. Die US-Wirtschaft sei auf pulsierende Kapitalmärkte angewiesen wie keine andere Volkswirtschaft dieser Erde. Ein weiterer massiver Verfall der US-Aktienmärkte bis zum nächsten Zinsentscheid am 29. Juni 2006 erhöhe allerdings tendenziell die Erwartungshaltung, dass keine weiteren Zinsschritte mehr erfolgen würden.

Unterdessen zeige der sukzessive Liquiditätsentzug der internationalen Notenbanken auch einen Rückgang der Hauspreise in den USA, sowie deutlich nachgebende Aktien-Kurse in Japan und Europa sowie allen Emerging-Markets. Der Treibstoff für anhaltend steigende Kurse neige sich dem Ende, falls die US-Notenbank sich dazu durchringe die Zinszügel noch weiter zu straffen.

Sollte sich tatsächlich, die in den vergangenen Jahrzehnten beobachtete Situation durchsetzen, dass die FED die Leitzinsen solange erhöhe bis etwas kaputt gehe? Es also zu einem Crash an den Kapitalmärkten komme, wie es in der Zinserhöhungsphase im Frühjahr 2000 der Fall gewesen sei. Zur Erinnerung: Das Leitzinsniveau habe zu diesem Zeitpunkt 6,50 Prozent betragen und sich als zu hoch für das damalige Kapitalmarktumfeld erwiesen.

In der Tat liege das Wohl und Wehe des weiteren Verlaufs der Kapitalmärkte in der Hand eines Mannes. Mit Helikopter Ben habe sich ein neuer Typ an die erste Stelle der FED gestellt, der von den Kapitalmärkten noch nicht so richtig eingeschätzt werden könne. Niemand habe von ihm erwartet, dass er der Inflationsbekämpfung Vorrang vor einem Börsencrash gebe. Auch Greenspan habe sich im Jahre 1987 zwei Monate nach seinem damaligen Amtsantritt mit einem Börsenkrach konfrontiert gesehen. Am 19. Oktober 1987 sei der Dow Jones binnen 24 Stunden um über 22 Prozent eingebrochen. Im Moment mache Ben Bernanke alles, um seinen Vorgänger diesen Einstand nachzuahmen.

Weitere US-Zinserhöhungen würden unweigerlich einen gewaltigen Börsencrash provozieren. Ein klares Signal für einen Zinserhöhungsstopp würden die Kapitalmärkte rasch wieder auf die Beine bringen. Die Eintrittswahrscheinlichkeit für das eine oder andere Ereignis liege leider bei jeweils 50 Prozent. Der mutige Anleger bleibe investiert. Der risikoaverse Investor müsse sich zurückziehen, da die Gefahr weiterer massiver Rückschläge gegeben sei.





 
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