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Mo, 26. Februar 2024, 23:19 Uhr

Merger-Mania bekommt mehr Dynamik


27.03.06 10:24
iWatch

Das Monopoly der Global Player hat nun auch den Pharmasektor erreicht, so Uwe Raab von "iWatch".

Hätten vor wenigen Wochen noch die Riesen im Energiesektor im Rampenlicht gestanden, so kämen nun auch andere Branchen in den Fokus der Merger-Mania. Dieses Szenario der sich beschleunigenden Konzentrationsprozesse innerhalb den jeweiligen Branchen hätten die Experten bereits vor vier Wochen angedeutet, da das definitive Ende des sehr billigen Geldes durch die internationalen Notenbanken gekommen sei. Sowohl die amerikanische Federal Reserve, als auch die EZB, würden in den kommenden Wochen und Monaten ihre Leitzinsen weiter nach oben schrauben.

Im Falle der US-Notenbank bereits am Dienstag, 28. März 2006, also auf der nächsten turnusmäßigen Sitzung der FED-Governor's. Der Markt preise mit einer Erwartungshaltung von 100 Prozent einen Zinsschritt von 25 Basispunkten auf dann 4,75 Prozent ein. Dies wäre die 15. Leitzinserhöhung in Folge, nach dem die erste am 30. Juni 2004 erfolgt sei. Mit dem Ende des sehr billigen Geldes kämen die Unternehmen unter Druck ihre Konzentrationsprozesse zu beschleunigen, da mit einem weiteren Zuwarten die Finanzierungskosten von Übernahmen stetig weiter steigen würden. Für den Euroraum würden gegen Ende 2006 Leitzinssätze zwischen 3,00 und 3,25 Prozent erwartet, was deutlich oberhalb dem momentanen Niveau von 2,50 Prozent liege.

In dieser Woche habe die Merck KGaA mitgeteilt, dass die für das Angebot zur Übernahme von der Schering AG, Berlin, erforderlichen Barmittel von der Deutsche Bank AG, Bear Stearns International Limited und Goldman Sachs International eingeräumte Kreditfazilität in Höhe von 16,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt worden sei. Diese Nachricht sei allerdings am Donnerstagabend gegen 21:30 Uhr MEZ getoppt worden, als Bayer ad hoc verkündet habe seinerseits ein Übernahmeangebot an Schering zu offerieren.

Die Bayer AG, Leverkusen, beabsichtige über eine 100prozentige Tochtergesellschaft (Dritte BV GmbH, Leverkusen), den Aktionären der Schering AG sowie den Inhabern von American Depositary Shares (ADS) der Schering AG ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot gegen Zahlung von 86 Euro in bar pro Schering-Aktie bzw. pro ADS zu unterbreiten. Das Angebot entspreche einem Transaktionswert von 16,3 Mrd. Euro und liege damit 12 Prozent oder über 1,7 Milliarden Euro über der Offerte der Merck KGaA, Darmstadt.

Gegenstand des Angebotes seien auf den Inhaber lautende und unter der ISIN DE0007172009 gehandelte Stückaktien der Schering AG sowie in American Depositary Receipts verbriefte und unter der CUSIP: 806585 20 4/ISIN US 8065852043 gehandelte American Depositary Shares der Schering AG. Das Übernahmeangebot der Dritte BV GmbH werde unter dem Vorbehalt der üblichen in der Angebotsunterlage noch mitzuteilenden Bestimmungen und Bedingungen ergehen. Zu diesen Bedingungen werde aller Voraussicht nach das Erreichen einer Mindestannahmequote von 75 Prozent gehören.

Die Finanzierung der Übernahme solle durch bestehende Barmittel in Höhe von rund 3 Milliarden Euro sowie durch eine von der Credit Suisse und der Citigroup zur Verfügung gestellte Kreditlinie sichergestellt werden, die zu einem späteren Zeitpunkt durch eine Kombination von Eigen- und Fremdkapital bzw. Hybridkapital-Instrumenten refinanziert werden solle. Die geplanten Eigenkapitalmaßnahmen würden sich in Abhängigkeit von der Annahmequote und der Zusammensetzung des Fremdfinanzierungspaketes auf bis zu 4 Milliarden Euro erstrecken. Außerdem plane Bayer, sich zur weiteren Finanzierung von den beiden Tochtergesellschaften H.C. Starck und Wolff Walsrode aus dem Bereich Bayer MaterialScience zu trennen.

Es sei nun nur noch eine Frage der Zeit, wenn Merck seine Offerte aufstocke, da es sich um eine strategische Weichenstellung im 21. Jahrhundert für alle beteiligten Unternehmen handle.

Auch der Telekomsektor beschleunige seinen Konzentrationsprozess. Völlig überraschend habe die Lucent Technologies Inc. bekannt gegeben, dass eine Fusion unter Gleichen mit dem französischen Telekomausrüster, Alcatel S. A., beabsichtigt sei. Das US-Unternehmen, Lucent, sei der weltweit größte Telekommunikations-Ausrüster und vertreibe Systeme, Software und Serviceleistungen für Kommunikationsnetze. Lucent und Alcatel hätten bereits im Frühjahr 2001 über eine Transaktion verhandelt. Damals sei ein Zusammenschluss jedoch gescheitert, nachdem man sich nicht über die entsprechende Form habe einigen können.

Bei den aktuellen Verhandlungen solle ein möglicher Zusammenschluss zu Marktpreisen erfolgen, was bedeuten würde, dass keine Prämien auf Aktien gezahlt würden. Es gebe jedoch keine Garantie, so die Unternehmen, dass man sich auf ein Abkommen verständigen werde. Darüber hinaus werde man sich bis zum Abschluss der Verhandlungen nicht weitergehend äußern. Sollte es zu einer transatlantischen Fusion kommen, so würde ein Global Player in der Telekomausrüsterbranche mit einer Marktkapitalisierung von rund 33 Milliarden US-Dollar entstehen.

Welche Mega-Zusammenschlüsse würden in den kommenden Wochen bekannt gegeben? Die Frage sei in der Tat nur noch das Wann und nicht mehr das Ob. Der Tipp der Experten laute auf den Bankensektor. Der Citigroup würden bereits Gerüchten zufolge eindeutige Avancen in Richtung Société Générale unterstellt, die sich überraschend hartnäckig am Markt halten würden.