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Mo, 26. September 2022, 2:01 Uhr

Nikkei 225

WKN: A1RRF6 / ISIN: JP9010C00002

Japan: Wie geht es nun weiter?


08.01.13 09:18
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Seit 20 Jahren Deflation - so ist die Bilanz in Japan seit dem Platzen der großen Immobilien- und Börsenblase in den Jahren 1989/1990, so die Analysten der DONNER & REUSCHEL AG.

Innerhalb dieser Tristesse seien die Preise seit 1992 konstant gesunken und der Aktienindex Nikkei 225 habe 80 Prozent vom Top bei knapp 40.000 Punkten verloren. Mittlerweile seien gut drei Viertel der ehemals 2.000 Banken vom Markt verschwunden und 6 Billionen USD Vermögensverluste würden nach der Restrukturierung der Immobilienbranche jetzt auf dem Staat lasten. Japan habe damit einen der stärksten ökonomischen Abschwünge der Nachkriegszeit exerziert.

Japans Bürger hätten sich die LDP zurückgewählt und würden das Land so wieder ein Stück nach rechts rücken. Zwar hätten die bisherigen Regierungen auch zum konservativen Lager gehört, trotzdem habe sich an Japans Schulden- und Wachstumsproblemen seit einigen Jahren nichts zum Besseren geändert. Nun stehe die Staatsverschuldung bei atemberaubenden 237 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (geschätzte 5,95 Billionen USD im Jahr 2012) - Tendenz steigend.

Im Gegensatz zu Griechenland, wo die Schuldenquote bei 185 Prozent des BIP angekommen sei, würden sich die Gläubiger Japans vor allem im Inland befinden. Das mache die Sache zwar nicht besser, treffe aber über zukünftig höhere Abgaben- und Steuerlasten primär das eigene Volk und nicht internationale Geldgeber. Der Spielraum sei gegeben: Mit 30 Prozent Durchschnittsbelastung bestehe noch einiges an Luft, denn auch die Mehrwertsteuer von 5 Prozent sei weltweit kaum so niedrig wie in Japan. In den Jahren des Abschwungs habe die japanische Bevölkerung ihr privates Sparverhalten sogar noch verstärkt, was die Rezession weiter manifestiert, aber das Dauer-Staatsdefizit letztlich tragbar gemacht habe.

Mit der Wiederwahl der LDP starte Shinzo Abe, der schon von 2006 bis 2007 Regierungschef gewesen sei, in eine neue Legislaturperiode und das mit einer knappen Zweidrittelmehrheit im Unterhaus. Shinzo sei für seine aggressive Geldpolitik bekannt, man dürfe davon ausgehen, dass der große fiskalische und monetäre Trickkasten wiederbelebt werde, ein Politikansatz, den die LDP aus der Historie trefflich verstehe.

Die Bank of Japan, die bislang noch nie unabhängig gewesen sei, werde nun wohl gänzlich zum Instrument politischer Gestaltungswünsche. Die Aussichten für den Japanischen Yen stünden also auf Sturm, der Entwertungsprozess der vergangenen drei Monate werde sich sukzessive fortsetzen und vermutlich dynamisieren. Ganz im Interesse der japanischen Industrie, deren Exportgüter ihre Chancen auf den Weltmärkten verbessern würden. Arg gebeutelt habe es die einstigen Elektronikriesen Sony, Sharp und Panasonic in den letzten zehn Jahren. Kurz nach der Wahl seien die Aktien um bis zu 12 Prozent nach oben gesprungen.

Die Hoffnungen auf die neue Regierung würden noch weiter reichen. Neben einer lockeren Geldpolitik erwarte die Börse in Tokio auch ein Infrastrukturprogramm im Bau- und Energiesektor, der Fall Fukushima habe 2011 den Erneuerungsbedarf eindrucksvoll belegt. Allerdings möchte die LDP auch stillgelegte Atommeiler wieder in Betrieb nehmen, um die Energiekosten für die Industrie zu senken. Der Eindruck dränge sich auf, dass man in vielen Dingen schon wieder eine Rolle rückwärts mache und neugewonnene Erkenntnisse über Bord werfe.

In Sachen Geldpolitik möchte der designierte Regierungschef neben unbegrenzten Anleihenkäufen Negativzinsen implementieren und das Inflationsziel verdoppeln. Mit dieser Politik befinde man sich in guter Gesellschaft mit den westlichen Notenbanken. Wenn dann im April eine neue Bank-of-Japan-Spitze gewählt werde, dürften auch die letzten Hindernisse der Vorgängerpartei DPJ beseitigt sein. Die Bondmärkte in Japan würden die Deflation seit Jahren einpreisen, die Rendite betrage niedrige 0,7 Prozent im zehnjährigen Bereich.

Wenn Japan den Streit mit China um die ostchinesischen Felseninseln nicht beilegen könne, könnte der wichtigste Exportmarkt bald zum Problem werden. Auch wenn sich die Stimmung nach der Wahl auf dem Höchststand befinde, Japan habe noch kein Problem gelöst und sei bei weitem nicht über den Berg.

Von China aus gesehen, liege Japan im Osten. Aus dieser Perspektive gehe dort die Sonne auf. Vergleiche man die Dynamik des gelben Riesen auf dem asiatischen Kontinent mit den Rahmenbedingungen Japans, dann werde der vorgelagerte Inselstaat im Pazifik schon bald ökonomisch überrundet werden. Politisch sei China geeint, Japan hingegen sei seit Jahren in der Sackgasse. Die japanische Version des "fiscal cliff" sei unter Shinzo Abe ungleich gewaltiger als in den USA. Die Welt tue gut daran, sich an den chinesischen Blickwinkel zu gewöhnen. (Anlagebrief 1. Quartal 2013) (08.01.2013/ac/a/m)




 
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