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Mi, 10. August 2022, 13:38 Uhr

Internationale Börsen seitwärts erwartet


25.04.07 10:28
Dr. Lux & Präuner Research

Grünwald (aktiencheck.de AG) - Die Analysten von Dr. Lux & Präuner Research stellen sich die Frage nach dem folgenden Dilemma: Da laufen die Börsen so wie erhofft und prophezeit, doch gerade das macht stutzig.

Schließlich lehre die Erfahrung: Kurse würden sich nicht so verhalten, wie alle erwarten würden. Sonst wäre die Börse eine Gelddruckmaschine.

Die letzten Wochen seien dafür ein markantes Beispiel. Monatelang hätten Anleger auf die Korrektur gewartet, getreu dem Motto, dass sich der Aufschwung nur mit einem Rücksetzer solide untermauern lasse. Im Februar sei es endlich dazu gekommen. Der DAX sei innerhalb von zwei Wochen um 8% gefallen. Anschließend hätten die Kurse mustergültig nach oben gedreht - genauso wie im Frühjahr vergangenen Jahres. Nach der erhofften und notwendigen Korrektur gehe die Rally also weiter - wie im letzten Jahr. Allein das sei schon erstaunlich, denn Geschichte wiederhole sich selten in so gleicher Form. Die Skeptiker, die das Marktumfeld etwas anders sehen würden, hätten den schwarzen Peter.

Dennoch würden Zweifel bleiben, ob Anleger die Probleme der Weltwirtschaft mit diesem kleinen Rücksetzer ausreichend gewürdigt hätten. Schließlich sei die seit Jahren beschriebene und jetzt erstmals präsente Immobilienblase in den USA eine echte Gefahr für die Konjunktur. Die von Ex-Notenbankchef Alan Greenspan befürchtete Rezession - immerhin beziffere er die Wahrscheinlichkeit mit 30% - runde das negative Szenario ab. Nicht minder sorgenvoll stimme die vage Äußerung seines Nachfolgers, der Unsicherheiten für die US-Wirtschaft hervorhebe. Als ob sich Ben Bernanke im Nachhinein vom Altmeister habe überzeugen lassen. Vor den Äußerungen Greenspans habe er nämlich noch optimistischere Töne angeschlagen.

Wie dem auch sei, Wolken am Horizont seien unverkennbar. Ständige Favoritenwechsel in den Indices, heftige Kursreaktionen nach Gerüchten, Spekulationen und Fusionsabsichten rund um die Autobauer und Versorger sowie das ausufernde Übernahmefieber der Private-Equity-Fonds seien ein typisches Indiz dafür, dass der lange Börsenaufschwung einen Großteil seiner Strecke hinter sich habe.

Aber nicht jede Rally ende in einem Absturz. Anders als die jüngste Vergangenheit lehre, als nach der Jahrtausendwende der Boom im Crash gemündet sei, würden diesmal Szenarien wahrscheinlich erscheinen, wonach die Unternehmensgewinne künftig weniger dynamisch steigen, bisweilen stagnieren, in Einzelfällen sogar sinken, aber keinesfalls einbrechen würden. Dasselbe gelte für die Börsen: Seitwärts nach vier Jahren rasantem Anstieg - so laute momentan die wahrscheinlichste Variante angesichts solider Bilanzen, hoher Gewinne, geringer Verschuldung, aber einer künftig schwierigeren Weltwirtschaft.

Insofern seien die heftige, aber kurze Korrektur im Februar und der ebenso heftige Kursanstieg zurück auf das ursprüngliche Niveau womöglich gar keine Zwischenstation. Vielmehr biete die Börse damit den Vorgeschmack auf künftige Zeiten - unruhiger, uneinheitlicher und vor allem unberechenbarer. (Ausgabe April 2007) (25.04.2007/ac/a/m)