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Fr, 19. August 2022, 0:41 Uhr

Intern. Finanzmärkte ohne eindeutigen Trend


16.07.08 11:00
PEH Wertpapier

München (aktiencheck.de AG) - Seit dem Sommer 2007 kam es nicht nur zu starken Einbrüchen bei den Aktien und zu einer scharfen Korrektur bei festverzinslichen Wertpapieren, so die Experten von PEH Wertpapier.

Vollkommen neu sei das Comeback der Inflation. Sie steige in der Eurozone von Monat zu Monat. In Deutschland sei es zuletzt eine Rate von 4,0% gewesen - das sei der höchste Wert seit 1993. Haupttreiber seien Energie- und Lebensmittelpreise, aber auch die Preise für Dienstleistungen würden deutlich zulegen. Die gefühlte Inflation sei noch spürbar höher - je nach der finanziellen Situation der einzelnen Haushalte. Und das wirke direkt auf das Ausgabeverhalten: Der allgemeine Konsum stagniere oder gehe zurück. Von dieser Seite sei also kein zusätzlicher Konjunkturschub zu erwarten.

Die Notenbanken hätten die Anleger rechtzeitig gewarnt. Seit Monaten würden sie jede Gelegenheit nutzen, auf die steigende Inflation und die damit verbundenen Auswirkungen hinzuweisen - das gelte vor allem für die Europäische Zentralbank (EZB). Die Notenbanken täten sich gegenwärtig schwer mit ihren geldpolitischen Entscheidungen. Würden sie die Zinsen erhöhen, so würden sie Gefahr laufen, die Konjunktur vollends abzuwürgen. Würden sie dagegen die Zinsen senken, würde die Inflation zusätzlich angeheizt, die Geldmenge erweitert und die Voraussetzung für die nächste Blasenbildung geschaffen.

Die EZB habe sich verpflichtet, die Inflation im Euroraum mittelfristig im Schnitt unter 2% zu halten. Die tatsächlichen Werte hätten sich von diesen Zielmarken weit entfernt. Insofern sei die soeben beschlossene Zinserhöhung keine Überraschung.

Seit mehr als 20 Jahren seien die Zinsen kontinuierlich gefallen. Das sei definitiv vorbei. Rentenanleger stelle das vor neue Herausforderungen, da eher mit Kursverlusten als mit Kursgewinnen zu rechnen sei. Fehler bei der Laufzeitenwahl würden nicht mehr durch den Markt geheilt, sondern würden sich ins Gegenteil umkehren. Hinzu komme, dass die Wahl des Schuldners eine neue, höhere Bedeutung bekommen habe. Ratings dürfe man nicht mehr so einfach vertrauen, "Kaufen und Halten" sei kein guter Rat mehr. Auslöser sei die steigende Inflation gewesen. Doch nun würden sich die Anzeichen mehren, dass man erst am Beginn eines tief greifenden Umbruchs stehe.

Die Probleme der großen Finanzhäuser seien noch nicht vorbei. Und das schlage auf die Stimmung. Wichtig zu wissen: Die Kreditkrise betreffe ausschließlich Anlagen in US-Dollar, die mit US-Immobilien abgesichert seien. Die Krise sei also keine globale, sondern eine rein amerikanische. Sie beutelt allerdings auch uns Europäer, weil sich solche Anlagen in den Portfolios unserer Banken befinden, so die Experten von PEH Wertpapier.

Die Bilanzen vieler Banken würden auch weiterhin Risikopositionen enthalten - die Sorge um die Bonität einzelner Institute nehme wieder zu. Analysten würden mit weiteren Abschreibungen rechnen. Große, renommierte Institute hätten Teile ihrer stillen Reserven und des Eigenkapitals verloren. Je nach Kapitalausstattung werde das weitere Kapitalerhöhungen nach sich ziehen. Schätzungen würden davon ausgehen, dass sich die europäischen Institute erst 50% bis 60% des Kapitals gesichert hätten, das nötig sei, um die Risiken auszugleichen.

Die aktuell beherrschenden Themen würden nicht einfach verschwinden. Teile des internationalen Finanzsystems seien ernsthaft erkrankt. Rückfälle und Erholungen würden sich abwechseln. Die richtige Medizin sei umstritten, auch wenn die Notenbanken den Verlauf mildern würden.

In Afrika, Nahost und in Lateinamerika gebe es politische Risiken. Positiv allerdings sei, dass sich die Schwellenländer gut halten würden. China wachse weiter um 10% bis 11%, Indien um 8% bis 9% und Brasilien und Russland zwischen 6% und 7%. Das sei eine neue qualitative Entwicklungsstufe - und das mache die Welt insgesamt weniger konjunkturanfällig. Nutznießer seien die Staaten der alten Welt, da sie einen Teil ihrer Geschäfte in den neuen Boomregionen abwickeln würden.

Insgesamt sei kein eindeutiger Trend erkennbar. Es sei wirklich abzuwarten, wie die nächsten Wochen und Monate an den Märkten disponiert würden. Die Börsen hätten auf die schlechte Nachrichtenlage bereits mit Korrekturen reagiert. Insofern bestehe Erholungspotenzial, wenn beim Ölpreis und/oder bei den Banken wieder mehr Ruhe einkehre.

Die Experten von PEH Wertpapier sehen nicht zu. Handeln sei gefragt. Die Experten würden ihre reichhaltige Erfahrung und ausgereifte Analysetools nutzen, um zum richtigen Zeitpunkt das Richtige zu tun. Als verantwortliche Vermögensverwalter hätten sie schon im letzten Jahr die Konsequenzen aus der sich abzeichnenden Entwicklung gezogen. Und sie hätten sich gegen die Herausforderung der Märkte mehr als erfolgreich behauptet. (Ausgabe Juli 2008) (16.07.2008/ac/a/m)




 
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