Suchen
Login
Anzeige:
Mo, 4. Juli 2022, 14:56 Uhr

FX-Märkte weiter unter Anspannung


22.08.07 11:23
HypoVereinsbank

München (aktiencheck.de AG) - Der Status Quo hat an den internationalen Finanzmärkten weiter Bestand, berichten die Analysten der HypoVereinsbank.

Fünf Tage nach der überraschenden FED-Aktion bleibe festzustellen, dass sich über den ersten Impuls hinaus bislang nichts weiter getan habe und lediglich eine leidliche Stabilisierung eingetreten sei. Diese falle jedoch in den einzelnen Asset-Klassen unterschiedlich aus. Während die FX-Märkte durchaus wieder den Willen zur Risikobereitschaft erkennen lassen würden, aber die Skepsis natürlich überwiege, würden die Aktienmärkte noch völlig unentschlossen scheinen. An den Bondmärkten komme die anhaltende Skepsis bezüglich einer schnellen Überwindung der Subprime-Krise, bzw. der Risikoaversion besonders stark zum Ausdruck. Die Renditen würden nach wie vor gen Süden neigen.

Die Geldmärkte seien ebenfalls noch weit von geordneten Verhältnissen entfernt (abgesehen von O/N-Quotierungen). Die Liborsätze würden weit über den aktuellen Leitzinsen notieren und den derzeit vorhandenen (Pseudo)-Liquiditätsengpass dokumentieren. Aber gleichzeitig seien entweder für die entsprechenden Zentralbanken Zinssenkungen eingepreist, bzw. zuvor erwartete Zinsanhebungen weitgehend ausgepreist. Die Optionsvolatilitäten für Aktien und Währungen hätten zwar ihre extremen Höchststände verlassen, aber die Korrektur nicht so weit fortgesetzt, wie es notwendig wäre, um auch nur eine Spur von Risikobereitschaft auszulösen.

Die Marktzurückhaltung und die Stimmungslage zwischen Hoffnung und Skepsis seien neben der Angst vor weiteren Schreckensmeldungen vom gesamten Subprime-Komplex auch auf das Spekulieren über weitere Zentralbank-Aktionen zurückzuführen. Für die meisten Marktteilnehmer sei nach den Liquiditätsspritzen mehrerer Zentralbanken und der Senkung des FED-Diskontsatzes eine FED-Leitzinssenkung die logische Konsequenz. Das gestrige Treffen zwischen US-Treasury Secretary Paulson, FED-Chairman Bernanke und dem Chairman des Senat-Bankenausschusses Dodd habe bereits Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Zinssenkung aufkommen lassen. Im Vorfeld dieses Treffens habe der USD daher auch wieder leicht schwächer notiert.

Ein ausschließliches Sondierungsgespräch scheine die Zusammenkunft zumindest nicht gewesen zu sein. Dodd habe in einer Pressekonferenz anklingen lassen, Bernanke habe ihm versichert, zur Stabilisierung der Finanzmärkte notfalls alle verfügbaren Instrumente einzusetzen. Später habe Richmond FED-Präsident Lacker allerdings erklärt, er sehe die Chancen für eine FED-Zinssenkung eher gering und erwarte sie nur dann, falls sich die Aussichten für Wachstum und Inflation deutlich ändern würden.

Die Devisenmärkte müssten also weiter in dem Spannungsfeld zwischen Subprime-Krise und all ihren möglichen Auswirkungen einerseits, und der Unsicherheit hinsichtlich der Zentralbankenpolitik andererseits, zurechtkommen. Wie von dem Chef-Volkswirt der HypoVereinsbank Marco Annunziata des Öfteren bereits gefordert, wäre seitens der Zentralbanken eine deutlich verbesserte Kommunikation, bzw. Transparenz über deren Einschätzungen der Krisensituation und beabsichtigter Lösungsmöglichkeiten absolut notwendig.

So, wie es die Zentralbanken gegenwärtig betreiben würden, müssten sich die Märkte mit Spekulationen auseinandersetzen, was die Unruhe eher noch erhöhe anstatt die Lage zu beruhigen. Die Analysten würden somit eine Fortsetzung der eingangs beschriebenen Verhaltensmuster erwarten: Aktien und Währungen seitwärts, Bondrenditen bestenfalls stabilisiert und verstärkte Einpreisung von Zinssenkungen, insbesondere der FED, bzw. weitere Auspreisung von Zinsanhebungen, insbesondere der EZB (Europäische Zentralbank), BoC (Bank of Canada), BoE (Bank of England). Betreffend die Hauptwährungsparitäten würden die Analysten an ihren gestern dargestellten Ranges für den Wochenverlauf festhalten.

Datenbekanntgaben wie gestern die Inflationszahlen und Einzelhandelsumsätze aus Kanada, die ZEW-Indices für Deutschland und die Eurozone, oder heute früh Japans Handelsbilanz, seien in diesem Zusammenhang völlig uninteressant. Dies betreffe genauso alles, was sich in der Peripherie abspiele. Also auch Chinas gestrige, abermalige Zinserhöhung (1Y Deposit 3,60%, 1Y Lending 7,02%). Relativ gelassen dürfte ebenso die morgen anstehende Zinsentscheidung der Bank of Japan (BoJ) aufgenommen werden. Die Analysten der HypoVereinsbank würden angesichts der gegenwärtigen Finanzmarktsituation mit einer erneuten Verzögerung des geldpolitischen Normalisierungsprozesses rechnen, ohne dass sich BoJ-Gouverneur Fukui präzise Angaben über den Zeitpunkt des nächsten Schrittes entlocken lassen dürfte. (22.08.2007/ac/a/m)




 
Werte im Artikel
0,00010 plus
0,00%
7,60 minus
-3,80%