Suchen
Login
Anzeige:
Fr, 23. Februar 2024, 14:57 Uhr

Energiewerte im Wochenrückblick


08.05.06 09:54
iWatch

Die E.ON-Aktie schloss am Donnerstag, 04. Mai 2006 auf Schlusskursbasis erstmals oberhalb der 100-Euro-Marke und repräsentierte zu diesem Zeitpunkt einen Börsenwert von 70 Milliarden Euro, so Uwe Raab von "iWatch".

Damit sei E.ON derzeit das teuerste Unternehmen im DAX-30 und verweise die Unternehmen Siemens mit 63 Milliarden Euro und die Deutsche Telekom mit 61 Milliarden Euro auf die Plätze. Alleine die Beteiligung von 6,5 Prozent von E.ON an den russischen Energieriesen Gazprom sei zuletzt mehr als 14 Milliarden Euro Wert gewesen. Ohnehin schicke sich Gazprom nun an, das teuerste Unternehmen der Welt zu werden. Durch den Kurssturz von über 12 Prozent von Microsoft habe sich Gazprom nun mit einer Marktkapitalisierung von über 280 Milliarden US-Dollar an der dritten Stelle im Welt-Ranking etabliert. Lediglich Exxon Mobil und General Electric mit Börsenbewertungen von oberhalb 360 Milliarden US-Dollar würden Gazprom noch davon abhalten den Olymp des kapitalistischen Wettbewerbs zu erklimmen.

Gazprom-Chef Miller habe im Laufe der Woche erneut seine Ambitionen wiederholt, das erste Unternehmen der Wirtschaftsgeschichte sein zu wollen, welches die Marke von Milliarden US-Dollar, also eine Billion US-Dollar Marktwert, erreiche. Hierzu bedürfe es einer nochmaligen Kursverdreifachung. Letztmals habe zur Jahrtausendwende 2000/2001 mit Cisco Systems ein Unternehmen dieses Ziel gehegt, welches aber bei einem Niveau von 600 Milliarden US-Dollar abrupt zum Stehen gekommen sei. Zur Zeit dümple Cisco Systems mit einem Marktwert von 120 Milliarden US-Dollar weit ab von diesem Kursniveau entfernt herum.

Gazprom allerdings recke seine Tentakeln immer weiter nach Westeuropa aus, was die Ambitionen, einen britischen Energieversorger übernehmen zu wollen, unterstreichen würden. Auch die zum Teil finanziell sehr maroden deutschen Stadtwerke kämen immer stärker in den Übernahme-Fokus von Gazprom. Der russische Energiemulti beabsichtige durch diese Strategie die gesamte Wertschöpfungskette im Energiesektor einzunehmen und damit optimal abzuschöpfen. Im Fachjargon spreche man hier vom Up-Stream- und Down-Stream-Business, welches zum einen die reine Förderung des Gases oder Rohöls (Up-Stream) und dem originären Vertrieb der verarbeiteten Energie mittels Tankstelle bzw. Haushaltsanschluss (Down-Stream) charakterisiere.

Anhaltend hohe, ja sogar stetig steigende Öl- und Gaspreise für den Endverbraucher wären die Konsequenz, da sich die Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee sehr rasch zum Ende neigen würden und bereits in 15 Jahren vollkommen Versiegen könnten. Mit der bereits im Bau befindlichen Ost-See-Pipeline, welche im Jahre 2010 ihren Betrieb aufnehmen solle, sichere sich Gazprom massiven Einfluss auf die Geschicke der Energieversorgung Westeuropas in der kommenden Dekade. Da die Pipeline nicht über das Territorium Polens verläufe, würden polnische Regierungspolitiker bereits mit einem neuen Hitler-Stalin-Pakt polemisieren.

Kurzum: Gazprom sei in der Tat in der Lage bereits in Bälde zum teuersten Unternehmen der Welt aufzusteigen. Denn im Gegensatz zu Exxon Mobil verfüge Gazprom selbst über die Förderstätten, während Exxon Mobil als amerikanisches Unternehmen auf heimischem Territorium in den USA nur noch über geringe eigene Lagerstätten verfügen könne und derzeit nur mit dem Erwerb von sehr teuren Förderlizenzen weitab vom heimischen amerikanischen Kontinent seine Zukunftsfähigkeit abzusichern versuche.

Unter diesem Aspekt gewinne auch der zur Zeit stark schwelende Konflikt um die iranischen Bemühungen Uran anzureichern und damit zum Atomstaat aufzusteigen eine neue Qualität. Mit einem erneuten militärischen Konflikt in der Region, die zwei Drittel der Welterdölreserven in sich berge, könnten sich die USA einen entscheidenden Einfluss in dieser Region für das 21. Jahrhundert endgültig sichern.





 
Werte im Artikel
17.397 plus
+0,15%
-    plus
0,00%