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Fr, 1. März 2024, 10:10 Uhr

Energie-Monopoly geht weiter


27.02.06 11:33
iWatch

Das Monopoly am europäischen Energie- und Strommarkt ist in eine neue Phase eingetreten, das berichten die Experten von "iWatch".

Der größte deutsche Energiekonzern, E.ON, beabsichtige den spanischen Energieversorger Endesa für 27,1 Milliarden Euro zu übernehmen. Damit würde E.ON seine europäische Spitzenposition, die dieses Unternehmen derzeit mit einem Jahresumsatz von 55 Milliarden Euro einnehme, um weitere 18 Milliarden Euro Jahresumsatz ausbauen. Das deutsche Oligopol im Strommarkt, lediglich vier mächtige Anbieter (E.ON, ENBW, RWE und Vattenfall), würde sich damit auf Westeuropa ausbreiten.

Im Strom- und Gasmarkt existiere zurzeit so gut wie kein Wettbewerb, wie die rasant steigenden Gewinne der Energieunternehmen beweisen würden. E.ON habe in 2005 einen Jahresgewinn von 7,4 Milliarden Euro und damit so viel wie nie zuvor erwirtschaftet. Der Kurs der E.ON-Aktie habe sich kurzzeitig der Marke von 100 Euro angenähert, was einer Marktkapitalisierung von knapp 68 Milliarden Euro entsprochen habe. Zu diesem Zeitpunkt sei E.ON erstmals in seiner Unternehmensgeschichte das teuerste Unternehmen im DAX 30 gewesen, sei zuletzt aber wieder von Siemens überholt worden.

Während man einigen angelsächsischen Investoren das Gebaren und Verhalten einer Heuschrecke, also Auftauchen, Abgrasen und Abhauen, vorwerfe, so sei der Übernahmeversuch von Endesa durch E.ON des eines Bulldozers, gleichzusetzen. Mit einer Urkraft an Kapital werde hier der Versuch unternommen den darwinistischen Kapitalismus zu praktizieren. Only the fittest of the fittest will survive. Also nur der Stärkste unter den Starken werde überleben. Dieser absolute Gau für den Verbraucher, also das Manifestieren von Quasi-Monopolen, wäre die Folge. Es sei deshalb sehr verständlich, dass die spanische Regierung versuche, mittels Interventionen im politischen Bereich diese Übernahme abzuwenden. Doch mit hoher Wahrscheinlichkeit würden die Verlockungen des schnellen Geldes auf mittelfristige Sicht überwiegen und so die Konzentrationen im europäischen Strom und Energiemarkt sehr rasch vorankommen. Die Märkte würden dieses Szenario bereits durchspielen, wie die kräftigen Kurssteigerungen der Energieunternehmen ENI, RWE und Suez darlegen würden.

Dass Wettbewerb funktionieren könne, zeige der europäische Telekommunikationsmarkt. Hier würden die ehemaligen Staatsunternehmen Deutsche Telekom, France Telecom und Telefónica immer weiter unter Druck kommen, was die Aktiennotierungen nahe dem jeweiligen Zwei-Jahrestief belegen würden. Drastischer Margenverfall im Mobilfunkgeschäft und Erosion des Festnetzgeschäftes dürfte für anhaltenden Druck auf die Branche sorgen. Es sei daher nur eine Frage der Zeit, wenn auch im Telekomsektor die nächsten Megaübernahmen anstehen würden, um sich diesen Abwärtstrend durch schlagkräftige Oligopole entgegen zu stellen. Die Übernahme von O2 durch Telefónica dürfte hierbei lediglich der Anfang gewesen sein.

Dieses Treiben sei allerdings nicht nur im Energie- und Telekomsektor zu beobachten, sondern nahezu in allen Branchen wie die Milliarden-Übernahme-Vorhaben im Stahlsektor (Mittal Steel biete 18 Milliarden Euro für Arcelor), Chemiebereich (BASF biete 6 Milliarden US-Dollar für Engelhard) und im Geschäftsfeld Industriegase (Linde biete 11 Milliarden Euro für BOC) belegen würden. Die notwenige Liquidität hierfür sei in den vergangenen Jahren durch die Notenbankpolitik der Europäischen Zentralbank geschaffen worden. Die Niedrigstzinspolitik von 2% seit Juni 2003 bzw. 2,25% seit dem 01. Dezember 2005, habe Unmengen an Liquidität ins das Finanzsystem gespült, welches nun auf der Suche nach einer rentierlichen Anlage sei.

Die nächste Leitzinserhöhung durch die EZB am 02. März 2006 um weitere 25 Basispunkte auf dann 2,50% dürfte diese Entwicklung noch nicht unterminieren können, da Leitzinssätze von unter 3% noch immer stimulierend auf die europäischen Volkswirtschaften wirken würden. Ein neutrales Zinsniveau der Notenbankpolitik würden Volkswirte in etwa im Bereich zwischen 3,25 und 3,75% veranschlagen. Bis die EZB dieses Niveau erreiche, falls sie dies überhaupt vorhabe, würden noch zahlreiche Milliarden-Übernahmen besiegelt und den Konzentrationsprozess in den jeweiligen Branchen forcieren.





 
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