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Fr, 19. August 2022, 0:16 Uhr

Devisenmärkte im Fokus


10.08.07 10:50
HypoVereinsbank

München (aktiencheck.de AG) - Auch gestern bescherten uns die Devisenmärkte einen unvergesslichen Tag, so die Analysten der HypoVereinsbank.

Zunächst hätten Gerüchte und neue negative Nachrichten vom Subprime-Sektor deren Weg gepflastert und zu einem abrupten Stopp der tags zuvor neu etablierten Carry-Trade-Aktivitäten geführt. Eine französische Großbank habe massive Probleme dreier ihrer Fonds gemeldet, die von der Krise am US-Hypothekenmarkt schwer getroffen worden seien. Darüber hinaus habe es Spekulationen über eine Krisensitzung der EZB gegeben. Ganz so schlimm sei es dann nicht gewesen, aber immerhin habe sich die EZB veranlasst gesehen, ähnlich wie die BoJ heute Nacht, den in Panik geratenen Finanzmärkten mittels eines Extra-Tenders Liquidität bereit zu stellen.

Weiterhin habe das US-Treasury-Department gesagt, es beobachte sehr genau die Marktaktivitäten. Wie auch die Bank of Canada, die zudem betont habe, ständig mit anderen Zentralbanken in Kontakt zu stehen. Als sich dann im weiteren Tagesverlauf an den globalen Aktienmärkten erneute massive Einbrüche abgezeichnet hätten, habe die Stimmung an den Devisenmärkten vollends gedreht und zu einem kompletten Abbau der neu etablierten Carry-Trade-Positionen geführt. Die großen Gewinner seien JPY und CHF gewesen, wohingegen AUD (Australischer Dollar), NZD (Neuseeländischer Dollar) und der EUR (wegen der sich häufenden Meldungen über Subprime-Engagements europäischer Finanzinstitute) auf der Verliererseite gestanden hätten.

Als Resultat habe der Euro sogar gegenüber dem ansonsten immer noch anfälligen USD deutlich an Boden verloren. Allerdings habe die US-Währung auch durch den Carry-Trade-Unwinding-Prozess Unterstützung erhalten. Noch tags zuvor sei genau das Gegenteil zu beobachten gewesen, als der USD nach Wiederaufnahme der Carry-Trade-Aktivitäten extrem unter Druck geraten sei.

Retrospektiv würden die Analysten der HypoVereinsbank ihre mehrmals geäußerte Einschätzung bestätigt sehen, dass sich die Finanzmärkte keinesfalls schon in einer ausreichend stabilen Verfassung befinden würden, um ständig neue Schreckensmeldungen vom Subprime-Sektor locker zu verkraften. Ein Lern- oder gar Gewöhnungsprozess zu diesem frühen Zeitpunkt sei kaum vorstellbar. Solange die Optionsvolatilitäten für Aktien und Währungen extrem hoch bleiben würden, werde jeder Versuch, neu etablierte Carry-Trade-Positionen länger als ein paar Tage zu halten und somit das Blatt zu überreizen, gnadenlos bestraft.

Angesichts der unverändert bestehenden Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten, vor allem der wiederholt abwärts gerichteten globalen Aktienmärkte, rechne man auch für heute mit einer Fortsetzung des Carry-Trade-Unwinding-Prozesses. Die Volatilitäten seien sogar noch steigerungsfähig. In diesem Kontext entstünde selbst für EUR/USD ein wenig mehr Abwärtspotenzial, da die beachtlichen Kurseinbrüche bei den Hochzinswährungen NZD und AUD dem USD ebenfalls zugute kämen.

Dennoch erwarte man spätestens bei 1,3620 eine Bodenbildung. Konjunkturdaten aus den USA und Euroland seien in diesem Zusammenhang völlig uninteressant. Dies dürfte sich erst nächste Woche mit Bekanntgabe der US-Hausbaubeginne, der Hausbaugenehmigungen und des NAHB-Wohnungsmarkt-Indexes ändern. (10.08.2007/ac/a/m)