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Do, 11. August 2022, 13:46 Uhr

Deutschland nach der Wahl


23.09.05 11:32
Dr. Lux & Präuner Research

Die Analysten von Dr. Lux & Präuner Research sehen fast ein Déjà-vu zur letzten Bundestagswahl: Was im Vorfeld als entschieden schien, ist im Nachhinein alles hinfällig.

Die alte Regierung sei zwar abgewählt worden, jedoch sei keine neue gewählt worden. Zwei Kandidaten, die von sich behaupten würden, allein das Mandat zu haben, Deutschland zu regieren und die Wirtschaftsmacht aus der Krise zu führen. Das Wahlergebnis erinnere an die gewaltige Unsicherheit, die die USA nach dem Rennen zwischen Bush und Gore 2004 erlebt habe. Damals habe der Kampf damit geendet, dass George Bush ins Präsidentenamt eingezogen sei, die Steuern gesenkt worden seien, die Armut gewachsen und ein Krieg geführt worden sei. All das wäre unter einem Präsidenten Al Gore anders gekommen.

Der Ausgang des Machtkampfes in Berlin sei ähnlich entscheidend. Den deutschen Wählern habe der Mut gefehlt, Angela Merkel ein klares Mandat zu geben. Eine große Gelegenheit zur wirklichen Reformierung des Staatswesens sei verpasst worden. Die einzige gute Nachricht sei, dass die Wirtschaft bestärkt worden sei, die Arbeitslosigkeit und die Reform der Deutschland AG allein anzugehen. Volkswagen und Siemens würden es vormachen: Weitere Verschlankung im Inland und radikaler Abbau unrentabler Bereiche. Genau das, was auch der deutsche Staat bräuchte. Doch jedes demokratische Land verdiene wohl die Regierung, die es bekomme.

Am Aktienmarkt dürften das überraschende Wahlergebnis, die knappen Mehrheitsverhältnisse und die äußerst schwierigen Koalitionsverhandlungen in den nächsten Wochen für Unsicherheit und Volatilität sorgen. Zunächst einmal sei nach dem überraschenden Ergebnis mit Gewinnmitnahmen vor allem von ausländischen Investoren zu rechnen, wobei das Rückschlagspotential nicht unbedingt sehr groß ausfallen müsse. Denn trotz deutlicher Kurssteigerungen seit der Ankündigung von Neuwahlen sei die Bewertung des DAX immer noch auf einem historisch niedrigen Niveau. Im Ländervergleich habe der Markt zwar seinen Bewertungsabschlag teilweise abgebaut, sei aber immer noch auf einem Stand, der langfristig weiteres Kurspotenzial anzeige. Daher würden deutsche Titel interessant bleiben, deren Bilanz- und Ertragsstärke überzeuge, die erfolgreich global handeln und von politischen Reformen profitieren könnten. Der Reformprozess werde ohnehin in welcher Form auch immer weitergehen, wenn auch mit Rücksicht auf die in Deutschland so wichtige Sozialverträglichkeit weniger einschneidend als vielleicht angebracht wäre.