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Mi, 10. August 2022, 10:34 Uhr

Comeback der Inflation


29.07.08 13:17
PEH Wertpapier

München (aktiencheck.de AG) - Seit dem Sommer 2007 kam es nicht nur zu starken Einbrüchen bei den Aktien und zu einer scharfen Korrektur bei festverzinslichen Wertpapieren, so die Experten von PEH Wertpapier.

Vollkommen neu sei das Comeback der Inflation. Sie steige in der Eurozone von Monat zu Monat. In Deutschland sei es zuletzt eine Rate von 4,0% gewesen - das sei der höchste Wert seit 1993. Haupttreiber seien Energie- und Lebensmittelpreise, aber auch die Preise für Dienstleistungen würden deutlich zulegen. Die gefühlte Inflation sei noch spürbar höher - je nach der finanziellen Situation der einzelnen Haushalte.

Und das wirke direkt auf das Ausgabeverhalten: Der allgemeine Konsum stagniere oder gehe zurück. Von dieser Seite sei also kein zusätzlicher Konjunkturschub zu erwarten.

Einen Preistreiber erlebe jeder beim Besuch am Zapfhahn: Benzin habe sich in einem Jahr um mehr als 80% verteuert. Und die Preise für Rohöl würden weiter steigen. Die Schätzungen, wie viele Reserven noch zur Verfügung stünden, würden weit auseinander gehen. Sicher sei: Sie würden sich dem Ende zuneigen.

Mögliche Alternativen stünden deshalb hoch im Kurs. Sie seien ein wichtiges Thema, das interessante Möglichkeiten eröffne, und das es genau zu beobachten gelte.

Eine ähnliche Entwicklung gebe es bei den landwirtschaftlichen Rohstoffen: Seit Januar 2007 seien die Preise für Reis, Weizen und Mais um über 50% gestiegen. Die weltweite Nachfrage - insbesondere aus den Schwellenländern -, der Ölpreis und das Thema Biokraftstoffe seien die wesentlichen Faktoren. Es sei davon auszugehen, dass auch in den nächsten Jahren die Lebensmittelpreise auf einem höheren Niveau notieren würden.

Investitionen in Rohstoffe seien derzeit in aller Munde - die Kurse würden stetig steigen. Allerdings gelte es zu bedenken, dass viele Rohstoffe nicht so knapp seien wie allgemein behauptet: Die Ressourcen an Blei, Kupfer, Eisen und Zink würden noch für Millionen Jahre reichen. Hier kündige sich die nächste Blase an. Die Experten von PEH Wertpapier würden die Entwicklungen aufmerksam verfolgen, um Chancen zu ergreifen und auf Risiken rechtzeitig zu reagieren.

Die Geldmenge wachse. Der Grund sei die Reaktion auf die Immobilien- und Bankenkrise in den USA. Die Folge sei eine anhaltende Geldentwertung. Gefährlich werde es für die Unternehmen, wenn sie die steigenden Kosten für Einkauf und Löhne nicht mehr auf die Verkaufspreise überwälzen könnten.

Insgesamt deute alles darauf hin, dass die Welt vor einem neuen Paradigma stehe. Die Zeiten niedriger Inflationsraten seien vorbei.

In diesem Zusammenhang würden Erinnerungen an die siebziger Jahre wach - das Wort "Stagflation" mache die Runde. Diese Wortschöpfung aus Stagnation und Inflation habe zuletzt die Hochinflationsphase während der Ölkrise der 70er Jahre beschrieben, die die Konjunktur in Europa und den USA lahm gelegt habe. Die letzten Meldungen von der Konjunkturfront würden nichts Gutes verheißen. Der Einkaufsmanagerindex sei auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gefallen, und das ifo-Geschäftsklima habe sich zuletzt im Juni kräftig eingetrübt.

Allerdings sei die Situation heute kaum vergleichbar mit jener der 70er. Zum einen habe es damals keinen derart intensiven globalen Handel gegeben, der heute vieles abfedere. Zum anderen hätten die Verantwortlichen in den Notenbanken aus der damaligen Krise gelernt.

Die Notenbanken hätten die Anleger rechtzeitig gewarnt. Seit Monaten würden sie jede Gelegenheit nutzen, auf die steigende Inflation und die damit verbundenen Auswirkungen hinzuweisen - das gelte vor allem für die Europäische Zentralbank. Die Notenbanken würden sich gegenwärtig schwer mit ihren geldpolitischen Entscheidungen tun. Würden sie die Zinsen erhöhen, so würden sie Gefahr laufen, die Konjunktur vollends abzuwürgen. Würden sie dagegen die Zinsen senken, würde die Inflation zusätzlich angeheizt, die Geldmenge erweitert und die Voraussetzung für die nächste Blasenbildung geschaffen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe sich verpflichtet, die Inflation im Euroraum mittelfristig im Schnitt unter 2% zu halten. Die tatsächlichen Werte hätten sich von diesen Zielmarken weit entfernt. Insofern sei die soeben beschlossene Zinserhöhung keine Überraschung.

Die amerikanische FED habe bisher die historisch tiefen Zinsen nicht erhöht und scheine die Inflation nicht so energisch zu bekämpfen. Die US-Notenbank setze darauf, dass mit dem wirtschaftlichen Abschwung der Kostendruck abnehmen werde, die Teuerung moderat bleibe und keine Zweitrundeneffekte durch höhere Löhne eintreten würden. (Ausgabe vom 21.07.2008) (29.07.2008/ac/a/m)





 
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