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Mo, 26. Februar 2024, 20:55 Uhr

Alan Greenspan verlässt die FED


06.02.06 09:30
iWatch

Am 31. Januar 2006 ging eine beeindruckende Ära zu Ende, so das Ekip-Team des "iWatch".

Alan Greenspan habe nach knapp 18½ Jahren im Amt seinen Posten bei der Federal Reserve geräumt. Mit 79 Jahren habe der Magier der Märkte überschritten, die von der großen Koalition in Deutschland propagierte Verlängerung der Lebensarbeitszeit auf 67 Jahren, um satte zwölf Jahre. Und Alan Greenspan habe noch lange nicht genug. Er habe eine Beratungsgesellschaft mit dem Namen Greenspan Associates gegründet, um seine Erfahrungen an der Spitze der mächtigsten Notenbank der Welt, mittels Vorträgen in bare Münze umzuwandeln.

Das Jahressalär von rund 180.000 US-Dollar oder rund 15.000 US-Dollar monatlich, welches für das Amt des US- Notenbankpräsidenten ausgelobt sei, erscheine im Vergleich zu den Millionengehältern auf Vorstandsebenen sehr kärglich und mache den Schritt von Alan Greenspan verständlich. Sein Nachfolger, Bernard (Ben) Bernanke, übernehme damit eine große Verantwortung. Der als Theoretiker verrufene Ben Bernanke plane zur Amtsübernahme gleich Revolutionäres. Er möchte ein Inflationsziel einführen, welches von europäischen Notenbanken bereits seit Jahren praktiziert werde, um die Transparenz der FED weiter zu erhöhen.

Neben der Geldwertstabilität sei die US-Notenbank voranging für das Wirtschaftswachstum der USA zuständig. Europäische Notenbanken hätten in ihrem Auftrag, nahezu ausschließlich jenen der Geldwertstabilität zu beachten. Alan Greenspan habe es sehr gut verstanden, diesen großen Spielraum zu nutzen und habe sich in den vergangenen 18 Jahren als ausgezeichneter Krisenmanager gezeigt. Nach lediglich zwei Monaten im Amt, habe der Sturm im Oktober 1987 über das Parkett an der Wall Street gefegt und habe den Dow Jones binnen 24 Stunden um über 23 Prozent ins Minus gestürzt.

Noch größere Bewährungsproben hätten ihm mit dem Managen des Platzens der New-Economy-Bubble und dem Krisenmanagement in den Tagen nach dem 11. September 2001 bevorgestanden. Bei allen Ereignissen habe Greenspan durch Entschluss- und Handlungsfreude brilliert, meist mit dem massiven Öffnen der Geldhähne, also dem zur Verfügung stellen von Unmengen an Liquidität. Spötter würden behaupten, Greenspan habe Ben Bernanke ein Trümmerfeld hinterlassen, da die enorme Liquidität, die durch den Niedrigstzins von lediglich einem Prozent in der Periode von Juni 2003 bis 30. Juni 2004 in die Märkte gepumpt worden sei, trotz zwischenzeitlich 14 Leitzinserhöhungen noch nicht habe absorbiert werden können.

Alan Greenspan's Handlungsmaxime sei allerdings stets gewesen, die Fehler die im Jahre 1929 bis 1932 durch die Federal Reserve begangenen worden seien, zu vermeiden. In diesem Zeitraum habe die FED auf den Börsencrash mit einem stetigen Entzug von Liquidität reagiert, was sich im Nachhinein als fatal erwiesen und zu einer verheerenden Weltwirtschaftskrise geführt habe, die letztendlich im Zweiten Weltkrieg gemündet sei.

Ben Bernanke sei pragmatisch genug, die mächtigste Zentralbank dieser Welt durch unruhiges Fahrwasser zu steuern. Sein Vorschlag aus dem Jahre 2003, US-Dollar-Noten von Helikoptern aus auf die Menschenmassen abregnen zu lassen, um Deflation zu bekämpfen, habe ihm den Spitznamen Helikopter-Ben eingebracht, den er vermutlich nie mehr los werde. Vielleicht bekomme Ben Bernanke während seiner Amtszeit sogar die Gelegenheit, diesen Vorschlag in die Realität umsetzen zu dürfen. Er sitze seit dem 1. Februar 2006 am Geld-Steuerknüppel. Die Experten würden gespannt und erwartungsfroh bleiben.





 
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