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Sa, 13. August 2022, 13:32 Uhr

Aktienmärkte vor einer echten Krise?


22.03.07 10:26
Dr. Lux & Präuner Research

Grünwald (aktiencheck.de AG) - Die Experten von "Dr. Lux & Präuner Research" stellen sich die Frage, ob die fallenden Kurse an den Aktienmärkten Zeichen einer vorübergehenden Korrektur sind, oder wir vor einer echten Krise stehen.

Trotz aller Unkenrufe von Skeptikern, die teilweise bereits ein Horrorszenario malen würden, stehe ein Crash nicht unmittelbar bevor. Allerdings werde es auch kein "Weiter wie bisher" geben. Vielmehr heiße es jetzt, sich zu verabschieden aus dem Paradies stetiger und hoher Gewinne, auch von teilweise spürbaren spekulativen Exzessen. In Zukunft würden die Anleger kleinere Brötchen backen und auch öfter wieder Verluste hinnehmen müssen.

Den Skeptikern falle es leicht, gleich dutzendweise Probleme zu benennen und damit ihre Krisenthese zu unterfüttern. Eine kleine Auswahl sei schon beängstigend genug: Die Vereingten Staaten seien überschuldet und würden auf Pump leben, sowohl viele Verbraucher als auch die Volkswirtschaft insgesamt. Die möglichen Konjunkturabschwächungen in den USA oder in China würden die Börsen abwürgen. Steigende Rohstoffpreise würden die Inflation treiben, worauf die Zentralbanken mit einer verschärften Geldpolitik reagieren müssten, was bekanntlich Gift für die Börsen sei. Schon länger seien die Notenbanken in Sorge um die Mengen spekulativen Geldes, die um den Globus vagabundieren würden. Komme es hier zu einem Gewitter, könne das leicht die Börsen nach unten reißen. Nicht zuletzt könnten politische Spannungen im Nahen und Mittleren Osten die Aktienmärkte auf Talfahrt schicken, etwa wenn die von manchen Beobachtern erwartete Zuspitzung im Irankonflikt eintreten sollte.

Diese Liste sei bunt, und die Probleme seien real. Insoweit dürfe man die Skeptiker nicht einfach als Buhmänner abtun. Allerdings hätten die Notenbanken bisher eine Krise verhindert. Sie hätten reichlich Liquidität in die Volkswirtschaften gepumpt. Das Kapital habe seinen Weg an die Wertpapiermärkte, an die Aktienbörsen, in Risikoanleihen, in alternative Investments wie Hedgefonds gefunden. Wirtschaftliche Ungleichgewichte hin oder her, den Börsianern sei es bislang prächtig in dieser Welt des lockeren Geldes gegangen.

In den vergangenen 4 Jahren hätten die Anleger allein an den europäischen Aktienmärkten über 130% Gewinn eingestrichen. Historisch gesehen, seien das Fabelgewinne und die absolute Ausnahme. Aber an den Börsen der Schwellenländer sei noch mal mehr zu verdienen gewesen. Die Börse in Shanghai habe für den erwähnten Zuwachs um 130% nur 12 Monate gebraucht. Vor diesem Hintergrund erscheine die Größenordnung der aktuellen Rückgänge schon wesentlich moderater. Korrekturen von 10% würden ja bereits nach normalen Anstiegen als eine gesunde Reaktion gelten.

Im vergangenen Frühjahr seien die Börsen ebenfalls in eine Korrektur eingetaucht, deren Ausmaß die jetzige noch in den Schatten gestellt habe. Danach sei es weiter aufwärts gegangen. Vorerst würden die aktuellen Ereignisse die Anleger nur auf den Boden der Tatsachen zurückholen, von dem sie sich zu sehr entfernt hätten.

Rückkehr zur Normalität sei das Thema. Normal seien aus historischer Perspektive weit geringere Gewinne und weit größere Schwankungen als jene, die die Experten in den vergangenen Jahren erlebt hätten. Das belege eine Statistik aus den USA eindruckvoll: Danach habe der breite amerikanische Aktienmarkt am 22. Februar diesen Jahres einen Rekord der besonderen Art aufgestellt: Er habe den längsten Zeitraum ohne eine mindestens zweiprozentige Tageskorrektur erreicht. Seit mehr als einem halben Jahrhundert sei kein Zeitraum mit solch geringen Schwankungen verzeichnet worden.

Die Kursverluste der vergangenen Tage im Zusammenspiel mit dem wachsenenden Bewußtsein für die Risiken würden gegen eine neue Hausse nach kurzer Korrektur sprechen. Ein langfristiger Kursaufschwung könne angesichts der bestehenden Probleme kaum starten. Es wäre aber falsch, deswegen jetzt das Ende der Börsenwelt herbeizureden. (Ausgabe 03/2007)
(22.03.2007/ac/a/m)