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So, 16. Dezember 2018, 21:08 Uhr

Grüner Fisher: "Feiern unter Vorbehalt"


25.08.18 10:42
Redaktion boerse-frankfurt.de


Grüner sieht wenig Anlass zur Sorge, nur weil US-Aktien jetzt den längsten Bullenmarkt ihrer Geschichte erleben. Dauer alleine sei kein Grund für einen Trendwechsel an der Börse.


 


Der marktbreite US-Index S&P 500 hat es am 22. August 2018 vollbracht: Die Aufwärtsphase in den USA erstreckt sich mittlerweile über einen Zeitraum von 3.453 Tagen und löst damit den Zyklus der 90er Jahre als längsten Bullenmarkt der Geschichte ab. Welche Schlüsse kann man als Anleger aus dieser Tatsache ziehen?


 


Zunächst einmal ist es beruhigend zu sehen, wie vorsichtig die Äußerungen im Zusammenhang mit diesem Rekord ausfallen. Auf der einen Seite wird die fundamentale Stärke der US-Märkte mittlerweile anerkannt, auf der anderen Seite ist die Nervosität unter Anlegern und Marktbeobachtern immer noch hoch. Sind die Risiken nicht höher als die Chancen? Wie lange geht das noch gut? In der finalen Phase des Jahres 2000 war die Marktstimmung zum Ende des Bullenmarkts eine ganz andere. Man wähnte sich in einer neuen Zeitrechnung und war bereit, blindlings in den Aktienmarkt zu investieren. Die unzähligen Börsengänge und kurzfristigen Erfolge im Technologiebereich zeugten von einer Euphorie, die über fundamentale Bewertungen erhaben war. Heute ist eine derartige Euphorie immer noch in weiter Ferne - ein gutes Zeichen.


 


Im Rückspiegel ist die Geschichte immer schnell und einfach erzählt. Seit März 2009 hat der S&P 500 ein Plus von 320 Prozent erwirtschaftet, der Technologie-Index Nasdaq sogar über 500 Prozent. Dagegen lesen sich die prägnanten Punkte der Marktgeschichte in diesem Zeitraum eher wie eine Horrorgeschichte. Im März 2009 herrschte Verzweiflung, auch in den Folgejahren dominierte die Skepsis. Im Zusammenhang mit der Fiskalklippe und der Anhebung der ominösen Schuldenobergrenze beschäftigten sich US-Medien im Jahr 2012 ernsthaft mit einer faktischen Pleite des amerikanischen Staates. Im Anschluss wurde der Aufschwung stets der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken zugeschrieben, nicht der fundamentalen Stärke der globalen Wirtschaft - dieser Mythos hält sich hartnäckig bis zum heutigen Tag.


 


Klammheimlich ist es den Märkten jedoch gelungen, insbesondere in den USA, sich im "Hintergrund" über Jahre hinweg positiv zu entwickeln. Über alle kritischen Situationen wie Ölpreisverfall, Staatsverschuldung und konjunkturelle Schwächephasen in China hinweg! Getragen von einer robusten Weltwirtschaft, vorteilhaften politischen Rahmenbedingungen und einer permanenten "Mauer der Angst", an der Aktienmärkte zuverlässig emporklettern. Der längste Bullenmarkt der US-Geschichte ist gleichzeitig auch die längste Hängepartie, in der sich Anleger über Jahre hinweg nicht mit nachhaltigen Investitionen anfreunden konnten.


 


Ist es jetzt zu spät?


 


Anleger sind gut beraten, nicht zu viel in den US-Rekord hineinzuinterpretieren. Zeitliche Dauer ist kein Einflussfaktor für den Übergang in einen Bärenmarkt. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass die fundamentale Situation robust ist und die moderat positive Marktstimmung noch erheblichen Raum für positive Überraschungen schafft. "Zu spät" ist es genau dann, wenn die Realität mit der Erwartungshaltung nicht mehr mithalten kann oder ein massiver Keulenschlag das globale BIP um Billionen US-Dollar erleichtert. Beide Szenarien scheinen derzeit weit genug entfernt.


 


Fazit


 


Viele Marktbeobachter nehmen den Bullenmarkt-Rekord in den USA zum Anlass, ihren zahlreichen Sorgen Ausdruck zu verleihen. Für nachhaltige und geduldige Investoren ist es zweifellos ein gutes Zeichen, dass die Sektkorken nicht laut knallen - der unbeliebte Bullenmarkt hat in diesem Umfeld beste Chancen, seine ungewöhnliche Geschichte noch geraume Zeit weiter zu schreiben.


 


von Thomas Grüner


23. August 2018 © Grüner Fisher


 


Über den Autor


 


Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments. Sein Partner Ken Fisher ist seit über 30 Jahren "Forbes"-Kolumnist und warnte im März 2000 rechtzeitig vor dem Platzen der New-Economy-Blase. Ken Fisher zählt zu den 400 reichsten US-Amerikanern und belegt auf der aktuellen "Forbes"-Rangliste Platz 211. Fisher Investments verwaltet momentan mehr als 65 Milliarden US-Dollar.


 


Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.



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