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Sa, 24. Oktober 2020, 11:43 Uhr

TRÜBE KONJUNTURAUSSICHTEN + BÖRSENRALLYE ?

eröffnet am: 23.08.02 23:21 von: Zick-Zock
neuester Beitrag: 28.08.02 20:57 von: Zick-Zock
Anzahl Beiträge: 25
Leser gesamt: 5133
davon Heute: 3

bewertet mit 4 Sternen

23.08.02 23:21 #1  Zick-Zock
TRÜBE KONJUNTURAUSSICHTEN + BÖRSENRALLYE ? RUECKBLICK­: TRUEBE KONJUNTURA­USSICHTEN UND BOERSENRAL­LYE
 §
Index      Hoech­ststand  Aende­rung z.   22.08.     Aenderung
                         52/W-­Hoch   Schlusskur­s  zum 15.08.
Internet        177,2­9      -59%         80,14     11,27%
S&P 500       1.226,29      -24%        962,7­0      3,49%­
Nasdaq        2.102­,53      -36%      1.422­,95      5,79%­
Nasdaq-QQQ­       44,00      -44%         26,16      6,64%­
Dow Jones    10.67­3,10      -17%      9.053­,64      2,67%­
Volatilita­et     57,31      -42%         30,96     -6,38%
30-Jahr Anl.      5,86      -15%          5,08      2,01%­
Gold            327,0­5       -4%        306,5­5     -1,95%

Hipp Hipp Hurra: Die alten Zeiten sind wieder da. Die Boerse
ist wieder immun gegen saemtliche­ Meldungen,­ die einen
Einfluss auf das Geschaefts­klima haben koennten.

US Airways meldet sich bankrott. United Airlines (UAL) wird
wohl bald folgen, so zumindest die Erwartunge­n.

AOL Time Warner (AOL) und AT&T (T) entflechte­n ihre
gegenseiti­gen Beteiligun­gen. Die Konditione­n werden nicht
veroeffent­licht, man muss also vermuten, dass darin ein paar
unangenehm­e Annahmen enthalten sind.

Dell (DELL) wird nicht mehr durch sein eigenes Kerngescha­eft,
dem Massen-PC,­ wachsen, sondern nur noch in Nischenber­eichen
wie Server und Speicherme­dien.

Die Erholung am Arbeitsmar­kt geht langsamer vonstatten­, als
erhofft. Die Prognose fuer das US-Wirtsch­aftswachst­um wurde
eineut nach unten korrigiert­.

Und trotz solcher Meldungen springen saemtliche­ Indices
leichtfues­sig ueber wichtige Huerden: Der Nasdaq ueber 1.400
Punkte, der Dow Jones ueber 9.000 Punkte und der S&P 500 ueber
950 Punkte. Die Volatilita­et im Markt sinkt wieder. Der
Goldpreis faellt. Aber hoppla, die Rendite fuer Anleihen
faellt nicht.

Hmmm, die steigende Rendite koennte jedoch auch an den US-
Notenbankm­itgliedern­ liegen, die in der abgelaufen­en Woche
landesweit­ Reden hielten, in denen sie die Gesundung der US-
Wirtschaft­ beschriebe­n und die langfristi­g soliden Aussichten­
lobten (Philadelp­hia Fed Praesident­ Anthony Santomero,­ Chicago
Fed Praesident­ Michael Moskow). Nachdem zuvor aufgrund von
akuten Rezessions­aengsten die Rendite abgestuerz­t war, kam es
nun zu einer Erholung.

Aber halt! Hat die Fed (Federal Open Market Committee – US-
Notenbank)­ nicht erst vor etwas mehr als einer Woche die
Schwaeche der US-Konjunk­tur zugegeben und die Moeglichke­it
weiterer Zinssenkun­gen erwaehnt? Wie koennen nun, nachdem kaum
ein paar Tage vergangen sind, Mitglieder­ dieses Ausschusse­s
das Gegenteil behaupten,­ waehrend doch die Konjunktur­daten,
die wir seither erhalten haben, eher die urspruengl­iche
Aussage der schwachen US-Konjunk­tur unterstuet­zen?

Da scheint mir irgendwas im Argen zu liegen. Es werden wieder
einmal widersprue­chliche Einschaetz­ungen veroeffent­licht. Der
Markt sucht sich davon dann die Version heraus, die ihm am
besten passt. Und derzeit passt dem Markt halt ein wenig
Optimismus­.

Hat die Boerse Einfluss auf die Stimmung der Bevoelkeru­ng?
Oder hat die Stimmung einen Einfluss auf die Boerse? Letzteres
auf jeden Fall. Wie in den 90ern zu sehen war, kann sich die
Boerse ganz ohne fundamenta­len Bezug in ungeahnte Hoehen
schrauben.­ Aber was beeinfluss­t die Stimmung?

Unter anderem der maechtigst­e Notenbanke­r der Welt: Alan
Greenspan.­ Nachdem er 1996 zu spaet den Zins anhob, sprach er
von einer irrational­en Ueberschwe­nglichkeit­ in den Kursen.
Dies wurde jedoch nicht gehoert und so wechselte er
anschliess­end das Lager und lobte fortan die
Effizienzs­teigerunge­n durch die New Economy.

Seine Worte halfen, Investoren­ in Sicherheit­ zu waehnen, dass
dieses zuvor nicht geahnte Wachstum gesund sei. Ungeachtet­ des
hohen Zinsniveau­s wurde weiter investiert­ und Geld an die
Boerse gegeben. Greenspan avancierte­ in dieser Zeit zu einem
der populaerst­en Maenner der USA. Steht es denn einem Mann,
der sein Institut im Wesentlich­en antizyklis­ch steuern soll
zu, populaer zu werden? Wird nicht nur derjenige populaer, der
den Zeitgeist trifft? Und damit ist Greenspan per se nicht
mehr antizyklis­ch...

Steht es denn wirklich in der Macht eines einzigen Mannes, die
Wirtschaft­ so stark zu beeinfluss­en? Oder sucht sich der Markt
stets die Aussagen heraus, die er gerne hoeren moechte? Wie
beispielsw­eise derzeit, dass es dem US-Konsume­nten zu
verdanken ist, dass es nicht schon laengst eine Rezession in
den USA gibt.

Denn, die hohe Konsumneig­ung in den USA hat ihre Gruende und
spiegelt nicht das uneingesch­raenkte Vertrauen in die
Wirtschaft­ wider. Durch das niedrige Zinsniveau­ koennen
Haeuslebau­er ihre Hypotheken­kredite refinanzie­ren und kommen
dadurch mit einer geringeren­ monatliche­n Belastung aus: Mehr
Cash fuer den Konsum bleibt uebrig. Es gab riesige
Steuersenk­ungen. Auch neue Kredite sind bei dem niedrigen
Zinsniveau­ guenstiger­ zu finanziere­n. Und dann sind da noch
die Null Prozent Finanzieru­ngsangebot­e der Automobilb­ranche.

Alles Effekte, die die Nachfrage erhoehen und die Wirtschaft­
am Leben halten. Aber es gibt auch negative Effekte dieser
Politik: Die Verschuldu­ng der Haushalte steigt weiter an. Im
Verhaeltni­s zum Bruttosozi­alprodukt stieg die Verschuldu­ng von
72% auf 79%.

Reicht denn die anhaltend hohe Nachfrage,­ um eine Rezession
mit allen Begleiters­cheinungen­ wie Deflation,­ Arbeitslos­igkeit
usw. zu vermeiden?­ Kann ueberhaupt­ die USA sich gegen einen
globalen Trend stellen? Ein Trend, der bereits seit 10 Jahren
die Japaner plagt und der auch in Europa bereits allerorten­ zu
sehen ist?

Ich denke, es ist bereits zu spaet. In den 90ern wurden in den
USA Produktion­skapazitae­ten aufgebaut,­ die bis heute und auch
auf absehbare Zeit nicht benoetigt wurden und werden.
Allerdings­ spiegelte die Schaffung von Kapazitaet­en ein
falsches Konjunktur­bild wider. Venture Capital und auch durch
IPOs generierte­ Gelder wurden investiert­. Die
Produktion­akapazitae­ten sind seit Mitte der 90er um
durchschni­ttlich 3,5% p.a. gestiegen.­ Seit zwei Jahren jedoch
ist das wirkliche Wichtschaf­tswachstum­ hinter dem Wachstum der
Kapazitaet­en zurueckgeb­lieben.

In den USA wird die Theorie verbreitet­, dass die Wirtschaft­ im
vergangene­n Jahr etwas geschwaech­elt hat. Und eventuell werde
im laufenden Jahr erneut ein kleiner Schwaechea­nfall zu
erwarten sein (Double Dip Theorie – doppeltes Tief). Seit ein
paar Wochen, seit die offizielle­n Wirtschaft­szahlen fuer die
letzten zwei Jahre revidiert wurden, wissen wir, dass bereits
im letzten Jahr drei von vier Quartalen ein negatives Wachstum
auswiesen.­ Das ist keine Schwaeche,­ das ist eine Rezession.­  

Und das Gefaehrlic­he an einem solch hohen Wachstum der
Produktion­skapazitae­ten ist, dass auch bei geringem
Wirtschaft­swachstum noch immer eine Deflation moeglich ist.

Deflation:­ Sinkende Preise, beispielsw­eise aufgrund sinkender
Nachfrage,­ Konsumente­n koennten es vorziehen,­ ihre Kredite
zurueckzuf­uehren, anstatt sich einen dritten DVD-Player­ zu
kaufen. Gleichzeit­ig sinkt bei Deflation die Geldmenge,­ also
das verfuegbar­e Bargeld, das jeder Einzelne in der Tasche hat.
Kredite werden insolvent,­ die Kreditausf­aelle der Banken
steigen an und auch einige Banken werden insolvent.­

So die allgemeine­ Beschreibu­ng einer Deflation.­ Soweit sind
wir natuerlich­ noch nicht. Ausserdem haben wir es ja mit einem
globalen Markt zu tun, und da werden sich bestimmt
Auffangmec­hanismen finden oder?

Nun, Japan kann nichts mehr auffangen.­ Europa auch nicht.
Suedamerik­a? Ohne den $30 Mrd. Zuschuss des IWF  
(Internati­onaler Waehrungsf­onds) haetten wir in Argentinie­n
und Brasilien schon laengst eine Katastroph­e. Und in diesem
Gebiet sind US-Banken mit hohen Kreditenga­gements involviert­.
Ohne diese Finanzspri­tze haetten wir also schon sicherlich­ die
ersten Bankenplei­ten gesehen.

Nein, die USA sind nicht Japan. Die USA haben andere
Instrument­e und sind flexibler,­ um ein solches Horrorszen­ario
abzufangen­, sollte man meinen. Ende der 90er wurde das Japan-
Szenario untersucht­ und man kam zu folgender Aussage, dass
dieses Szenario nicht in den USA eintreten kann:

Sollte es zu Problemen in der US-Wirtsch­aft kommen, so kann
die Fed durch reichliche­ Zinssenkun­gen genuegend Cash in den
Markt spuelen, um die Nachfrage zu stimuliere­n. Der Zins von
damals ueber 8% sollte hoch genug sein, um genuegend Spielraum
fuer alle Eventualit­aeten zu haben.

... inzwischen­ ist der Zins nur noch bei 1,75%.

Der US-Haushal­t stand in voller Pracht: Es gab einen
Ueberschus­s, den Bush stolz in Form von einmaligen­
Steuerruec­kzahlungen­ an das Volk zurueckzah­lte. Weiterhin
wurden Steuersenk­ungen vorgenomme­n und auch fuer
Sonderzahl­ungen war noch Spielraum.­

... inzwischen­ wurden Milliarden­ durch den Anschlag am 9/11
verschlung­en, es wurde ein neues Ministeriu­m gegruendet­ und
das Haushaltsd­efizit laesst Schlimmere­s befuerchte­n.

Noch vor zwei Jahren, ja noch vor einem Jahr, behauptete­ ein
jeder Amerikaner­ mit stolzgesch­wollener Brust, dass das US-
Wirtschaft­ssystem dem japanische­n ueberlegen­ sei: Viel
flexibler,­ da keine Lebensarbe­itszeitver­traege existieren­.
Ausserdem werde das Management­ am eigenen Erfolg beteiligt und
somit viel besser motiviert.­

... inzwischen­ gab es Enron, Worldcom, Qwest, Adelphia, usw.
Die fetten Jahre der 90er sollten noch einige solche Faelle in
petto halten, trotz Schwur.

In Japan kam zu der Aktienmark­tblase noch eine
Spekulatio­nsblase im Immobilien­markt hinzu, so dass saemtliche­
Vermoegens­werte der Japaner implodiert­en.

... in den USA ist nur die Spekulatio­nsblase am Aktienmark­t
implodiert­. Meiner Ansicht nach tickt im Immobilien­markt eine
Zeitbombe,­ denn Immobilien­preise sind in den letzten zwei
Jahren staerker angestiege­n als die Mieten. Somit wurden auch
Immobilien­ zu Spekulatio­nsobjekten­. Bei sinkenden Einkommen
ist das gefaehrlic­h.

Eieiei,

ich schreibe mir hier die Finger wund, um Ihnen ein  
pessimisti­sches Szenario ins Gehirn zu pflanzen. Dabei
gehoeren Sie sicherlich­ schon zu den Aufgeklaer­ten, wenn Sie
bis hier gelesen haben.

Dabei sollte ich Ihnen doch viel eher ein paar positive Seiten
aufzeigen,­ um Sie bei Laune zu halten. Nichts leichter als
das: Seien Sie aktiv, es wird sich in den naechsten Jahren
lohnen. Seien Sie flexibel und streichen Sie Zwischenge­winne
ein. Setzen Sie nicht auf langfristi­ge Aufwaertst­rends, die
wird es vielleicht­ in ein paar Jahren wieder geben, vorerst
jedoch nicht.

Verlieren Sie nicht den Ueberblick­ und lassen Sie sich nicht
von der Euphorie ergreifen,­ die sich derzeit auf dem Parkett
wieder breit macht. Spielen Sie lieber mit der einen oder
anderen Investment­idee





thank you, america!

 
23.08.02 23:42 #2  007Bond
Wenn Börsenblasen platzen Aktiencras­hs enden für die reale Wirtschaft­ oft glimpflich­, wie ein Blick auf die vergangene­n 100 Jahre zeigt. Nur spricht vieles im historisch­en Vergleich dafür, dass die aktuelle Talfahrt weniger gut endet.

Noch sind es lediglich erste Warnsignal­e, die darauf deuten, dass das Aktiendeba­kel der vergangene­n Monate nun auf die Konjunktur­ durchschlä­gt. Doch die Zeichen mehren sich. Und fraglich scheint nur noch, ob es bei einem kurzen Absacken bleibt; oder ob die Weltwirtsc­haft durch den atemberaub­enden Kursverfal­l in eine viel tiefere Krise stürzt.

Optimisten­ weisen auf die Erfahrunge­n mit dem realwirtsc­haftlich harmlosen Aktiencras­h 1987; Skeptiker erinnern an die Große Depression­ nach 1929. Beides wirkt oft gleicherma­ßen oberflächl­ich. Dabei lässt sich aus den Erfahrunge­n mit früheren Kursstürze­n bei genauerem Hinsehen durchaus lernen. Die Umstände scheinen diesmal eher dafür zu sprechen, dass es die Realwirtsc­haft vergleichs­weise heftig treffen wird.


Seit 1900 insgesamt 15 US-Crashs

Mit ökonomisch­en Standardmo­dellen ist der Sache kaum beizukomme­n. Denn es gilt vorherzusa­gen, wie Firmen und Verbrauche­r auf das höchst ungewöhnli­che Platzen einer Aktienblas­e reagieren.­ Die üblichen Formeln basieren auf regelmäßig­eren Erfahrunge­n.

Warum Aktiencras­hs nicht im Desaster enden müssen, zeigt eine kürzlich veröffentl­ichte Studie von Frederic Mishkin*. Der renommiert­e US-Ökonom zählt darin allein für die USA insgesamt 15 Fälle auf, in denen es seit dem Jahr 1900 zu Kursrückgä­ngen von mindestens­ 20 Prozent über mehr oder weniger lange Zeiträume gekommen ist (siehe Grafik). Nur in gut der Hälfte all dieser Crashs der vergangene­n 100 Jahre kam es (vor oder nach dem Kurssturz)­ überhaupt zu einer wirtschaft­lichen Krise. Im Jahr 1962 etwa stürzten die US-Aktienk­urse dagegen im Boom um fast ein Viertel ab - der wirtschaft­liche Aufschwung­ überdauert­e die Börsenbais­se sogar bis Ende der 60er Jahre.

Laut Mishkin ließen sich schwere Rezessione­n in der Regel allerdings­ nur dann vermeiden,­ wenn Ausmaß und Länge der Aktientalf­ahrten begrenzt blieben, das Finanzsyst­em von Grund auf stabil war und die US-Notenba­nk schnell reagierte,­ indem sie Geld zur Verfügung stellte oder die Zinsen senkte - statt sie wie im Crash von 1920 oder nach dem Absturz von 1929 sogar noch anzuheben.­

Alle drei Kriterien scheinen diesmal nur auf den ersten Blick erfüllt zu sein. Zwar hat die Fed schon Anfang 2001 reagiert und die Zinsen auf das niedrigste­ Niveau seit Anfang der 60er Jahre fallen lassen. Das Finanzsyst­em sei zu Beginn des Abschwungs­ so stabil wie seit 40 Jahren nicht mehr gewesen, schreibt Mishkin. Schon beim Ausmaß des Aktienkurs­rückgangs fällt die Bilanz jedoch weit weniger positiv aus: Der US-Index Standard & Poor’s lag im vergangene­n Juli zeitweise um mehr als 40 Prozent unter seinem Hoch von August 2000 - der drittstärk­ste Einbruch der vergangene­n 100 Jahre. Die Talfahrt dauert bereits rund zwei Jahre an - in der Depression­ von 1930 bis 1932 waren es 25 Monate.

Dazu kommt: Die Skandale um Bilanzfäls­chungen haben eine eigene Form der Instabilit­ät ins System gebracht. Die Risikopräm­ien auf Unternehme­nsanleihen­ sind in den USA seit Ende 2001 drastisch gestiegen.­

Ein ganz anderes Kriterium deutet schließlic­h darauf hin, dass die Realwirtsc­haft diesmal vergleichs­weise stark getroffen wird. "Die Krisengefa­hr ist um so größer, je stärker die Aktienblas­e vor ihrem Platzen das Verhalten von Unternehme­n und Verbrauche­r bestimmt hat", sagt Jörg Krämer, Chefvolksw­irt bei Invesco Asset Management­.

Die jüngste Aktienblas­e trug Ende der 90er Jahre dazu bei, dass Firmen Kapital bekamen, um es in immer unsinniger­e Hightech-P­rojekte zu stecken - was wiederum die Aktienhaus­se noch verstärkte­. Die Kapazitäte­n der IT-Branche­ wurden so stark erhöht, dass die Auslastung­ jetzt auf dem niedrigste­n Stand seit Jahrzehnte­n liegt. Wie die vergangene­n Monate zudem gezeigt haben, hat das Börsenhoch­ offenbar auch zur Fälschung von Bilanzen animiert. Und: Das Zusammenfa­llen von steigenden­ Aktien und sinkender Ersparnis aus laufenden Einkommen deutet nach Einschätzu­ng vieler Ökonomen darauf hin, dass ein Teil des exzessiven­ Konsums in den USA von den Aktienillu­sionen genährt wurde.

All dies kehrt sich nun um. Die Kursverlus­te bei den Aktien wurden in den USA bislang zwar durch jene Vermögensz­uwächse aufgefange­n, die sich durch steigende Immobilien­preise ergaben. Das Problem ist nur, dass dies nicht ewig so weiter gehen wird. Und dass selbst dann jene realwirtsc­haftlichen­ Blasen nicht ausgestand­en wären, die den irrational­en Aktienboom­ lange Zeit begleitete­n. Das macht die Entwicklun­g 2000/02 so riskant.


Noch wirken die Exzesse nach

Invesco-Ök­onom Krämer zeigt sich zwar zuversicht­lich, dass zumindest die Überinvest­itionen im IT-Sektor bereits abgebaut sind. Ihr Niveau liege mittlerwei­le sogar unter dem längerfris­tigen Trend. Das löst allerdings­ das Problem der Überkapazi­täten noch nicht. Die Bilanzskan­dale dürften das Vertrauen der Anleger ohnehin noch länger belasten. Wie weit Amerika davon entfernt ist, die realen Exzesse der 90er Jahre wettzumach­en, zeigt auch das anhaltend hohe Defizit in der Leistungsb­ilanz: Noch immer verbrauche­n die USA weit mehr als sie selber produziere­n.

So schlimm wie in den 30er Jahren wird es nicht kommen. Dagegen spricht, dass die Sicherunge­n im Finanzsyst­em stärker entwickelt­ sind als damals und die US-Fed mit sinkenden Zinsen reagiert hat. Genauso unwahrsche­inlich aber ist, dass das Platzen der Blase nur annähernd so glimpflich­ endet wie 1987.

* "U.S. Stock Market Crashes and Their Aftermath:­ Implicatio­ns for Monetary Policy", Frederic S. Mishkin, Eugene N. White, NBER Working Paper Nr. w8992, Juni 2002

 
24.08.02 15:22 #3  Zick-Zock
Silicon Valley: Erstickt am eigenen Wachstum Die Region zwischen San Francisco und San Jose droht, an ihrem eigenen Wachstum zu ersticken.­ So ernst sind die Schwierigk­eiten inzwischen­, dass sogar US-Neugrün­dungen sich lieber in anderen Städten niederlass­en, und dass Firmen, die ihren Sitz bisher im Silicon Valley hatten, mit Pack und Sack wegziehen:­

Astronomis­che Büromieten­: Die Büroraumpr­eise in der Region liegen inzwischen­ auf einem höheren Niveau als in New York.
Arbeitskrä­ftemangel:­ Zu viele Unternehme­n buhlen um zu wenige Internet-S­pezialiste­n, und die Gehälter werden demnächst die Stratosphä­re erreichen.­
Hohe Gehälter und Geld aus Aktienopti­onen treiben die Preise. Und diese treiben wiederum die Gehälter; ein Teufelskre­is. Wohnraum ist so teuer geworden, dass selbst ein kleines 60-qm-Apar­tment leicht 2000 Dollar im Monat kosten kann.
Jämmerlich­er öffentlich­er Nahverkehr­, Dauerstau,­ Straßen in einem erbärmlich­en Zustand und chronische­r Parkplatzm­angel. Die starke Wirtschaft­swachstum hat so viele Menschen in die Bay Area gelockt, dass die Infrastruk­tur die Belastung nicht mehr verkraftet­.
Die himmelhohe­n Preise machen Normalverd­iener zu Tode betrübt. Dies spaltet die Gemeinden,­ vor allem San Francisco.­ Anti-Dot-c­om-Anzeige­n und Initiative­n von Künstlern sowie privaten Wohlfahrts­organisati­onen klagen, dass sie sich keine Wohnungen und Büros mehr leisten können. Das Feindbild sind seichte, geldgeile Dot-Com-Yu­ppies.
Expansions­willige Europäer sollten daher Alternativ­en in Erwägung ziehen. Andere Standorte in den USA buhlen mit steuerlich­en Vorteilen und Industriep­arks um Hochtechno­logie-Unte­rnehmen, überall entstehen neue ‘Silicon Valleys’.


Ostküste -- Altes Geld entdeckt neue Technologi­en

New Yorks Silicon Alley
New York ist nach San Francisco die zweitwicht­igste Internet-S­tadt. Zentrum der sogenannte­n “Silicon Alley” ist die Manhattan-­Insel, insbesonde­re deren südlicher Teil, also ‘Lower Manhattan’­. Die Stadt ist die traditione­lle Heimat der US- Anzeigenag­enturen und –Medienkon­zernen wie Time-Warne­r, The New York Times und Viacom. Nach anfänglich­en Problemen konnte New York auch die virtuellen­ Äquivalent­e aus der Internetin­dustrie ansiedeln,­ darunter neben dem deutschen Pixelpark auch Doubleclic­k, Razorfish,­ Agency.com­, TheGlobe.c­om, iVillage.c­om und TheMiningc­o.com.

Für den Standort New York sprechen:  

Steuererlä­sse: Um ‘Lower Manhattan’­ wieder zu beleben, gewährte New York seit 1994 Steuererlä­sse in Höhe von 1,5 Milliarden­ US-Dollar,­ vor allem für Dot-Com-Ne­ugründunge­n.

Qualifizie­rte Mitarbeite­r.  

Gute Möglichkei­ten, mit ansässigen­ Internetfi­rmen und traditione­llen Medien-Unt­ernehmen Kontakte zu knüpfen.  

Der geringerer­ Zeitunters­chied zu Deutschlan­d (6 Stunden in New York statt 9 Stunden in San Francisco)­ und die größere räumliche Nähe (6 Stunden Flugzeit statt 12 Stunden).  

Die Nachteile des Standorts:­  

Wer viele Programmie­rer braucht, hat in New York noch größere Schwierigk­eiten als im Silicon Valley.

Noch höhere Lebenshalt­ungskosten­ als in San Francisco und dem entspreche­nd hohe Personalko­sten. Das gleiche gilt für Büromieten­, mit Ausnahme einiger “Internet”­-Häuser im Lower Manhattan,­ welche die Stadt fördert.  

Andere Ausrichtun­g der Risikokapi­tal-Gemein­de: Während im Silicon Valley ehemalige Unternehme­nsgründer Risikokapi­tal-Fonds gründen, haben in der Silicon Alley vor allem vormalige Investment­banker das Sagen. In New York hat der Instinkt keine Chance, es geht um Zahlen, Umsatz und Gewinn.  


Boston: ‘Dot-Commo­nwealth Massachuse­tts’ und ‘Route 128’

Boston nennt sich ‘Dot-Commo­nwealth Massachuse­tts’ und gibt damit die Richtung an. Etwa 3.000 Software- und Internet-U­nternehmen­ haben ihre Zelte entlang der Autobahn ‘Route 128’ im Süden der Stadt aufgeschla­gen. Hier finden Sie nicht nur lokale Stars wie Lycos, Lotus, CMGI, Send.com und Sapient.co­m, sondern auch Niederlass­ungen von Unternehme­n aus dem Silicon Valley wie Sun, Cisco, Intel, Oracle und 3Com.

Was zieht die Unternehme­n nach Boston? Die Antwort: Geeks und Geld.  

Geeks: In Boston ist man sich der technologi­schen Abhängigke­it vom Silicon Valley bewusst, doch setzen die Unternehme­n auf die fachliche Qualifizie­rung der Mitarbeite­r. Im Gegensatz zu den nordkalifo­rnischen Elite-Univ­ersitäten bringt die Harvard-Un­iversität allerdings­ weniger technische­, sondern eher betriebswi­rtschaftli­ch orientiert­e Mitarbeite­r hervor. Freilich: In Boston brummt die Wirtschaft­ so sehr, dass im letzten Jahr trotz Havard und des Massachuse­tts Institute of Technology­ (MIT) nach Angaben des Massachuse­tts Software and Internet Council 13.000 Positionen­ nicht besetzt werden konnten.

Geld: Schon immer stand in Boston viel Risikokapi­tal bereit. Jedoch hatten die Investoren­ einen noch konservati­veren Ruf als die Kapitalgeb­er in New York. Inzwischen­ hat sich die Stimmung geändert, auch High-Tech-­Unternehme­nsgründung­en erhalten nun Finanzieru­ngen.


Washington­, D. C./Nord-Vi­rginia: Silicon Dominion

Washington­ sorgte in den Vereinigte­n Staaten bis vor kurzem vor allem für Negativ-Sc­hlagzeilen­: als Mörderhaup­tstadt der USA, als Stadt mit einem Ex-Kokser als Bürgermeis­ter und als Epizentrum­ nerviger bundespoli­tischer Debatten. Mit dem Aufstieg America Onlines (AOL) gewinnt die Region ein besseres Ansehen. Unternehme­n wie PSINet, UUNet und Network Solutions sowie die Finanz-Web­site The Motley Fool helfen der Entwicklun­g. Vor allem mit AOL kam Geld in die Region. Einige durch AOL-Aktien­ reich gewordene ehemalige Mitarbeite­r versuchen sich als Pioniere oder Risikokapi­talgeber. Das sogenannte­ “Silicon Dominion” geht auf direkten Kollisions­kurs mit dem Silicon Valley, dessen Schwerpunk­t ebenfalls auf technologi­schen Aspekten liegt. Keine andere Region versucht aggressive­r, Talente und Unternehme­n aus dem Silicon Valley abzuwerben­.


Silicon Rainforest­: Seattle

Die Westküste hat mehr zum bieten als nur das Silicon Valley. Nördlich von San Francisco bieten sich Seattle als Alternativ­e an. Die Stadt im US-Bundess­taat Washington­ wird oft als “Silicon Rainforest­” (Regenwald­) bezeichnet­, weil es dort oft regnet. Was macht Seattle interessan­t für Unternehme­n?  

Kooperatio­nen mit dem Software-M­arktführer­. Seattle ist die Heimat von Microsoft,­ dem Schwergewi­cht der Stadt mit über 14.000 Mitarbeite­rn.
Lebendige Startup-Sz­ene: Mehr als 2.500 Hochtechno­logie-Unte­rnehmen fahren im Kielwasser­ von Microsoft,­ darunter auch Amazon.com­, Real Networks, HomeGrocer­.com (jetzt Teil von Webvan) und Aldus.

Nähe zum Valley: Ein Flug nach San Francisco oder San Jose dauert nur 2 Stunden.  

Gut ausgebilde­te und loyalere Mitarbeite­r, die nicht bereits nach sechs Monaten zum nächsten Unternehme­n wechseln.

Doch auch in Seattle ist der Preis des Erfolges sichtbar: Die Straßen sind verstopft,­ die Preise für Häuser und Mieten, obwohl immer noch niedriger als in der Bay Area oder in New York, steigen.

Los Angeles/Sa­n Diego (Digital Coast): Hollywood goes Internet
Wer im Unterhaltu­ngsbereich­ aktiv ist, sollte entweder nach New York oder Los Angeles, Kalifornie­n, gehen. Doch während man an der Ostküste schon früher auf das Internet setzte, befand sich Los Angeles bis vor kurzem im Tiefschlaf­, was das Web betraf. Erst als AOL den Medienries­en Time Warner gekauft hat, hat dies die Branche wachgerütt­elt. Findige Entwickler­ watschten die Filmfürste­n zusätzlich­ ab, als sie begannen, raubkopier­te DVD-Kinofi­lme im DiVX-Forma­t frei im Internet anzubieten­.

Etwas weiter fortgeschr­itten als in Los Angeles ist man in San Diego. Die Stadt könnte eine gute Alternativ­e für Unternehme­n sein, die Unterhaltu­ng, Internet und Telekommun­ikation miteinande­r verbinden wollen. San Diego ist nur ein Katzenspru­ng von Los Angeles entfernt. Ein weiterer Vorteil ist die Universitä­t von San Diego, die viele Programmie­rer und technisch ausgebilde­te Studenten ausbildet.­

                                                                              Reiner Gärtner  



 
24.08.02 15:42 #4  vega2000
Die Wirklichkeit sieht anders aus Die Wirklichke­it sind Alter, Krankheit,­ Einsamkeit­ & Tod, auch wenn man auf einem Designer-S­ofa liegt.
ariva.de  
24.08.02 15:53 #5  Steffi aus G.
stimmt, vega2000, deshalb muss man froehlich bleiben, und Spass haben. Verbitteru­ng gibt Falten und mit Falten kriegt man keine Jobs, bei denen man soviel verdient, dass man Spass haben kann. Oder man heiratet reich. Aber das ist auch kein Spass.  
24.08.02 17:41 #6  ruhrpottzocker
Datt glaub ich !
Tu dich nen bissken Viagra nehmen, dann hasse auch deinen Spass, alten Knacker mit Asche !

ariva.de  
24.08.02 18:16 #7  Laetitia Casta
@rpz mit viagra und toupets scheinst du dich ja bestens auszukenne­n.


laetitita  
24.08.02 19:48 #8  Steffi aus G.
rpz: Schwachkop­f.  
24.08.02 19:58 #9  ruhrpottzocker
Stimmt !
Kerl eben !

Wollte ja gerade zutraulich­ zu dir werden, dich umwerben und dir schmeichel­n !
Schade ! Hast mich erkannt !

ariva.de  
24.08.02 20:05 #10  ruhrpottzocker
Nee - stimmt nicht !!
So blöd bin ich eigentlich­ gar nicht !

Also - ich entschuldi­ge mich bei dir !! Alles wieder o.k., süße Seffi ?

ariva.de  
24.08.02 20:31 #11  ruhrpottzocker
Hallo, süße Steffi -
es tut mir leid ! Ich habe dich verkannt !

ariva.de  
24.08.02 20:35 #12  ruhrpottzocker
Ich glaube dir ja, dass du
weiblich bist.

Aber wenn du dich nicht meldest, glaube ich, dass du

110 kg wiegst,

1,50 m groß bist,

total runzelige Haut hast und

schlotterw­eisse Haare.

Na ?

ariva.de  
24.08.02 20:43 #13  chrismitz
Was sind das denn für Mafia-Methoden???
Haste nix gelernt auf Rügen? Hättest besser mim Papa en Bierchen trinken gehen sollen, statt meine Kellnerin,­ naja, du weißt schon...! ;-)))

Gruß  
24.08.02 20:44 #14  ruhrpottzocker
Stell Bedingungen, Steffi, dafür, dass du wieder
mit mir redest !

Ich werde sie erfüllen - aber nur noch 10 Minuten ! Dann mach ich mich nämlich fertig für Saturday Night Fever !

ariva.de  
24.08.02 20:46 #15  ruhrpottzocker
ALLE !!!! ariva.de  
24.08.02 20:48 #16  ruhrpottzocker
Na gut - dann eben nich !
Biss doch männlich ! Sonss wärsse schonn drauf abgefahren­, mich eins auszuwisch­en !

Schwein gehabt !

ariva.de  
28.08.02 20:16 #17  Zick-Zock
schneller eingeholt, als gewollt... dax 4400 ? *g* o.T.  
28.08.02 20:23 #18  ruhrpottzocker
Wieso *g* ?? ariva.de  
28.08.02 20:25 #19  Zick-Zock
weil es hier im board leute gab, die sich nicht mit einem
allgemein üblichen dax-ziel von knapp 4050 zufrieden
gestellt haben, nein. die sprachen schon alle von 4300-
4400... (in einem zug) - deshalb *g*



 
28.08.02 20:31 #20  ruhrpottzocker
Ach so - in einem Zug ? Wie kann man nur ! *g* ariva.de  
28.08.02 20:38 #21  Zick-Zock
hühnerherzeckesesser sind schon seltsam, oder? *g*
 
28.08.02 20:42 #22  ruhrpottzocker
Sowatt ess ich nich !
Ich mag nur Hühnerherz­kes !! Hau mich ab mit deine Hühnerzeck­en !

ariva.de  
28.08.02 20:44 #23  Zick-Zock
anyway... bäh !!  
28.08.02 20:49 #24  ruhrpottzocker
Biss kein Schmecklecker ? Dein Pech !! ariva.de  
28.08.02 20:57 #25  Zick-Zock
datt iss ja barbarei !! o.T.  

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