Suchen
Login
Anzeige:
So, 22. September 2019, 16:34 Uhr

RWE St

WKN: 703712 / ISIN: DE0007037129

RWE Spannung garantiert


13.01.11 10:46
Aktienservice Research

Bad Nauheim (aktiencheck.de AG) - Nach Meinung der Experten von "Aktienservice Research" ist die Aktie von RWE ein spekulativer Kauf.

Während das Gros der DAX-Werte im vergangenen Börsenjahr teilweise sogar sehr kräftige Gewinne verbucht habe, sei die Kursentwicklung des Versorgers alles andere als elektrisierend gewesen. Auf den ersten Blick biete das Papier von RWE somit wenig Kaufanreize, scheine es von den Investoren doch überwiegend gemieden zu werden. Vielleicht sei die schlechte Performance 2010 aber gerade ein Argument, um die Aktie als antizyklisches Investment in Erwägung zu ziehen.

An den Aktienmärkten gebe es einen Ansatz, wonach man fundamental gute Unternehmen dann kaufen sollte, wenn niemand darüber spreche und sich niemand für sie interessiere, kurzum, wenn keiner das Papier haben möchte. Daraus würden sich oftmals lukrative Investments ergeben. Ein solches könnte auch RWE bieten. Die Aktie habe 2010 um mehr als 26% an Wert verloren, während die meisten DAX-Werte deutlich gestiegen seien. Entsprechend könnte das Papier Nachholpotenzial haben. Denn so schlecht, wie es die Kursentwicklung impliziere, gehe es dem Versorger bei Weitem nicht. Die Zahlen für das Gesamtjahr würden zwar noch nicht vorliegen, die 9-Monats-Bilanz spreche jedoch eine klare Sprache und lasse für 2010 insgesamt solide Zahlen erwarten.

Im Zeitraum Januar bis September habe sich der Umsatz um 14% auf 38,51 Mrd. Euro verbessert. Dazu beigetragen habe die erstmalige Vollkonsolidierung des 2009 erworbenen niederländischen Versorgers Essent. Gleichzeitig sei das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 13,6% auf 7,91 Mrd. Euro geklettert. Auch hier habe Essent sein Scherflein beigetragen. Ohne Konsolidierungs- und Wechselkurseffekte habe das EBITDA um 5% zugelegt.

Unter dem Strich habe der Konzern 2,64 Mrd. Euro verdient. Dies sei trotz der guten operativen Entwicklung zwar 5,5% weniger als im Vorjahreszeitraum gewesen, allerdings hätten Sondereffekte den Profit geschmälert. Dazu habe die niedrige Marktbewertung von Rohstoff-Derivaten gehört, die im Saldo zu einer merklichen Belastung von 793 Mio. Euro geführt habe. Positive Effekte aus der Auflösung von Rückstellungen und ein verbessertes Finanzergebnis hätten nicht ausgereicht, um diese auszugleichen. Das von RWE ausgewiesene nachhaltige Nettoergebnis, das um Sondereinflüsse bereinigt werde und maßgeblich für die Ausschüttung der Dividende sei, sei jedoch um 10,6% auf 3,18 Mrd. Euro gestiegen.

Für das Gesamtjahr rechne RWE mit einem Zuwachs gegenüber dem 2009 erreichten Wert (3,53 Mrd. Euro) von 5%. 2010 dürfen somit 3,7 Mrd. Euro erwartet werden. Daraus lasse sich ein nachhaltiges Nettoergebnis je Aktie von 6,93 Euro errechnen. Auf Basis des aktuellen Aktienkurses entspreche dies einem KGV von 7,4 und somit einer attraktiven Bewertung. Selbst inklusive der Sondereffekte dürfte das KGV bei etwa neun liegen. Entsprechend scheine die Aktie von RWE bewertungstechnisch interessant. Hinzu geselle sich eine üppige Dividendenrendite. 2009 habe der Konzern 3,50 Euro je Aktie gezahlt, was einer Ausschüttungsquote von 53% des nachhaltigen Nettoergebnisses entsprochen habe.

Für 2010 habe das Unternehmen wie im Vorjahr erneut eine Quote von 50% bis 60% in Aussicht gestellt. Entsprechend dürfe wohl erneut eine Dividende von mindestens 3,50 Euro erwartet werden. Daraus errechne sich derzeit eine Dividendenrendite von etwa 6,8%. Vor allem für Value-Investoren gebe es somit einen weiteren Punkt, der die Aktie in den nächsten Wochen im Vorfeld der Bilanzvorlage am 24. Februar sowie der Hauptversammlung am 20. April in den Fokus der Investoren rücken lassen könnte.

Die derzeit günstige Bewertung und die aktuell hohe Dividendenrendite hätten jedoch ihre Ursache vor allem in der schlechten Performance 2010, für die es Gründe gegeben habe. Dazu habe lange Zeit die Unsicherheit angesichts der Debatte über die Verlängerung der Laufzeit von Kernkraftwerken in Deutschland gehört. Ende Oktober habe der Bundestag aber grünes Licht gegeben.

RWE habe die längere Laufzeit als gute Nachricht bewertet - und ein Belastungsfaktor sei weggefallen. Allerdings habe das Parlament Ende Oktober auch die Einführung einer Steuer auf Kernbrennstoffe beschlossen, die sich laut RWE ab 2011 mit durchschnittlich 600 bis 700 Mio. Euro pro Jahr negativ im betrieblichen Ergebnis niederschlagen werde. In Verbindung mit der Laufzeitverlängerung würden die Betreiber von Kernkraftwerken außerdem künftig in einen Fonds einzahlen, aus dem unter anderem die erneuerbaren Energien gefördert würden.

Diese Belastungen könnten die Aktienkursentwicklung ebenfalls gebremst haben, auch wenn in den letzten Wochen des Jahres 2010 ein Aufwärtsimpuls auszumachen gewesen sei. Vielleicht auch, weil der Konzern Maßnahmen für noch effizientere operative Prozesse angekündigt und eingeleitet habe, wie beispielsweise die Verschlankung der RWE AG und die Bündelung der Aktivitäten in Deutschland und in Osteuropa. Bereits pünktlich zum Jahreswechsel ihre Arbeit aufgenommen habe nun die neue Tochter RWE Deutschland AG. Deutschlands zweitgrößter Energieversorger führe darin die deutschen Regionalgesellschaften zusammen und bündle seine Aktivitäten in den Bereichen Netz, Vertrieb und Energieeffizienz.

Die Nachricht sei an der Börse gut angekommen, und die Aktie von RWE sei sehr fest in das neue Börsenjahr 2011 gestartet. Damit sehe es auch charttechnisch viel versprechend aus. Der Kurs habe seinen kurzfristigen Aufwärtsimpuls seit Anfang Dezember fortgesetzt und sich den Hürden 51,98/52,00 Euro genähert, die aus dem Zwischentief von Juli 2009 sowie dem Zwischenhoch von November 2010 resultieren würden. Sollten sie geknackt werden, seien charttechnisch motivierte Long-Positionen erwägenswert. Ein erstes Kursziel könnte dabei die langfristige Abwärtstrendlinie von derzeit etwa 57,00 Euro darstellen.

Der Versorger RWE genieße in der Bevölkerung - teilweise sicherlich auch zu Recht - in Fragen des Umweltschutzes, der Klimapolitik und seiner Preispolitik nicht gerade den besten Ruf. Entsprechend komme ein Investment in die Aktie für den einen oder anderen Anleger womöglich auch aus Gewissensgründen nicht infrage. Lasse man diesen Aspekt außen vor, sei das Papier für Investoren, die nach konservativen Geldanlagen mit günstigen Bewertungen und Nachholpotenzial suchen würden, interessant. Dazu passend dürfe eine satte Dividende erwartet werden.

Allerdings gebe es einige Risiken. Dazu würden die vom Konzern erwarteten Belastungen 2011 gehören, die laut RWE trotz der eingeleiteten und der für Februar angekündigten weiteren Maßnahmen nicht in vollem Umfang ausgeglichen werden könnten. Im Kurs dürfte dies zwar sicherlich schon berücksichtigt worden sein, diesbezügliche weitere negative Nachrichten seien aber nicht ausgeschlossen. Auf der anderen Seite seien jedoch auch positive Überraschungen denkbar.

Die RWE-Aktie ist somit wohl in jedem Fall ein spannendes Investment, so die Experten von "Aktienservice Research". (Aktien Ausgabe 523 vom 12.01.2011) (13.01.2011/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
Werte im Artikel
28,19 plus
+3,15%
12.468 plus
+0,08%
08:22 , RuMaS
RWE: Aktie am Kaufsignal!
Zuletzt hatten wir am 02. September über RWE ISIN: DE0007037129 berichtet und der Titel des Beitrags war: „RWE: ...
21.09.19 , dpa-AFX
Energie-Gewerkschaft: Keine schlüssigen Konzepte [...]
BERLIN (dpa-AFX) - Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie sieht nach den Klima-Beschlüssen der ...
21.09.19 , Motley Fool
Warum die E.ON- und die RWE-Aktie nun wieder [...]
Hinter den Aktien von E.ON (WKN: ENAG99) und RWE (WKN: 703712) liegen eine lange Talfahrt und ein harter Anpassungsprozess. ...